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Großauftrag: Ocado baut Roboter-Logistikzentrum für noch unbekannten Händler

Ocado On Grid Robotic Pick
Foto: Ocado

Key takeaways

Ocado baut ein neues robotergestütztes Fulfillment-Center für einen europäischen Händler. Der Auftrag stärkt die Technologiesparte in einer Phase strategischer Neuausrichtung.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Der britische Onlinehändler und Logistiktechnologie-Anbieter Ocado hat den Bau eines neuen robotergestützten Customer Fulfilment Centre (CFC) für einen bislang nicht namentlich genannten europäischen Handelskonzern angekündigt. Die Anlage soll mit der neuesten Generation der unternehmenseigenen Automatisierungsplattform ausgestattet werden und den Betrieb im Geschäftsjahr 2028 aufnehmen.

Finanzielle Details des Vertrags wurden nicht veröffentlicht. Nach Angaben des Unternehmens wird der neue Kunde einen Großteil seines bestehenden Onlinegeschäfts unmittelbar nach der Inbetriebnahme auf das automatisierte Lager verlagern. Bereits zum Start soll die Auslastung bei etwas mehr als der Hälfte der geplanten Maximalkapazität liegen – ein Hinweis darauf, dass das Projekt von Beginn an auf ein erhebliches Bestellvolumen ausgelegt ist.

Signal für die Technologiesparte

Für Ocado besitzt der Auftrag weit mehr als nur operative Bedeutung. Das Unternehmen versucht seit Monaten, das Vertrauen der Kapitalmärkte in sein Technologiegeschäft zurückzugewinnen. Erst wenige Tage zuvor war die Aktie nach enttäuschenden Halbjahreszahlen auf den niedrigsten Stand seit rund 13 Jahren gefallen.

Die Nachricht über den neuen Auftrag sorgte an der Londoner Börse für Erleichterung: Die Aktie legte zeitweise um mehr als zwölf Prozent zu. Trotz dieser Erholung notiert das Papier auf Jahressicht jedoch weiterhin deutlich im Minus.

Vorstandschef Tim Steiner sieht in der Vereinbarung einen weiteren Beleg für die Nachfrage nach den Automatisierungslösungen des Unternehmens. Gemeinsam mit der bereits im Frühjahr angekündigten Technologiepartnerschaft mit dem britischen Lebensmittelhändler Asda zeige der Auftrag, dass Ocados Robotik- und Softwareplattform zunehmend unterschiedliche Einsatzbereiche im Einzelhandel abdecke.

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Strategischer Umbau nach Rückschlägen in Nordamerika

Der neue Auftrag fällt in eine Phase tiefgreifender strategischer Neuausrichtung. In den vergangenen Jahren hatte Ocado stark auf internationale Partnerschaften gesetzt. Dieses Modell geriet jedoch unter Druck, nachdem zwei bedeutende nordamerikanische Partner ihre Expansion zurückfuhren.

Der US-Lebensmittelhändler Kroger sowie die kanadische Handelskette Sobeys schlossen mehrere gemeinsam mit Ocado betriebene robotisierte Fulfillment-Center. Beide Unternehmen begründeten diesen Schritt mit einer geringeren Nachfrage nach Online-Lebensmitteln als ursprünglich erwartet.

Diese Entwicklung löste Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des klassischen Ocado-Modells aus, insbesondere in Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte, in denen sich große zentrale Logistikzentren schwerer auslasten lassen.

Als Reaktion richtet Ocado seine Technologiestrategie breiter aus. Neben den klassischen Großlagern rücken inzwischen verstärkt Automatisierungslösungen für bestehende Filialen und kleinere Fulfillment-Strukturen in den Mittelpunkt. Im Mai hatte das Unternehmen eine entsprechende Technologiepartnerschaft mit Asda geschlossen, um dessen Filiallogistik für den Onlinehandel zu modernisieren. Zudem laufen nach Auslaufen früherer Exklusivitätsvereinbarungen Gespräche mit weiteren potenziellen internationalen Handelspartnern.

Europäischer Handel investiert weiter in Automatisierung

Der neue Auftrag unterstreicht zugleich, dass europäische Handelsunternehmen trotz eines schwierigeren Marktumfelds weiterhin erhebliche Investitionen in die Automatisierung ihrer Lieferketten tätigen. Steigende Personalkosten, der anhaltende Fachkräftemangel sowie die Erwartung schneller Lieferzeiten erhöhen den Druck auf Händler, ihre Logistik effizienter zu gestalten.

Ocado positioniert sich dabei zunehmend nicht mehr nur als Online-Supermarkt, sondern als Technologieanbieter für den internationalen Einzelhandel. Die Kombination aus Robotik, KI-gestützter Lagersteuerung und automatisierten Kommissioniersystemen soll Händlern helfen, Kosten zu senken und gleichzeitig die Produktivität zu erhöhen.

Ob der nun angekündigte Auftrag den Beginn einer nachhaltigen Erholung markiert, wird sich jedoch erst zeigen, wenn Ocado weitere internationale Kunden gewinnt und seine Technologiesparte wieder auf einen stabilen Wachstumskurs bringt.

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