Ein US-Bundesgericht hat den wegweisenden Vergleich zwischen dem KI-Unternehmen Anthropic und einer Gruppe von Autoren endgültig genehmigt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Mit einem Volumen von 1,5 Milliarden US-Dollar handelt es sich um den bislang größten bekannten Vergleich in einem US-amerikanischen Urheberrechtsverfahren.
Die Entscheidung könnte weitreichende Folgen für die zahlreichen noch anhängigen Klagen gegen KI-Unternehmen haben, die wegen der Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte zum Training ihrer Sprachmodelle verklagt wurden.
Gericht bestätigt Rekordvergleich
Die Bundesrichterin Araceli Martinez-Olguín gab dem Vergleich am Montag in San Francisco ihre endgültige Zustimmung und wies Einwände zurück, wonach die Entschädigungssumme zu niedrig sei. Bereits im vergangenen Jahr hatte der inzwischen pensionierte Richter William Alsup den Vergleich grundsätzlich gebilligt.
Der Rechtsstreit war 2024 von mehreren Autoren angestoßen worden. Sie warfen Anthropic vor, ohne Erlaubnis raubkopierte Versionen ihrer Bücher heruntergeladen und für das Training des KI-Chatbots Claude verwendet zu haben. Im Zentrum der Klage stand insbesondere eine Bibliothek mit mehr als sieben Millionen illegal beschafften Büchern.
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Fair Use – aber nicht für Raubkopien
Besonders bemerkenswert ist die juristische Differenzierung des Falls. Richter Alsup hatte bereits 2025 entschieden, dass das Training eines KI-Modells mit urheberrechtlich geschützten Büchern grundsätzlich unter die US-amerikanische Fair-Use-Doktrin fallen kann. Damit erhielt die KI-Branche erstmals eine bedeutende gerichtliche Bestätigung ihrer Argumentation.
Gleichzeitig stellte das Gericht jedoch klar, dass das massenhafte Herunterladen und dauerhafte Speichern piratierter Werke nicht vom Fair-Use-Grundsatz gedeckt sei. Genau dieser Punkt bildete die Grundlage für den milliardenschweren Vergleich. Die Einigung vermeidet damit einen Prozess, in dem Schadensersatzforderungen von mehreren hundert Milliarden Dollar im Raum gestanden hätten.
Über 90 Prozent der Autoren nehmen teil
Nach Angaben von Anthropic haben mehr als 91 Prozent der anspruchsberechtigten Autoren und Verlage ihren Anteil an der Entschädigung bereits beantragt. Der Vergleich umfasst rund 482.000 Bücher. Medienberichten zufolge erhalten Rechteinhaber durchschnittlich etwa 3.000 US-Dollar pro Werk, wobei die genaue Auszahlung von den jeweiligen Ansprüchen abhängt.
Der leitende Klägeranwalt Justin Nelson bezeichnete die Einigung als den „größten bekannten Copyright-Ausgleich der Geschichte“. Das Gericht genehmigte zudem Anwaltsgebühren in Höhe von gut 101 Millionen US-Dollar, deutlich weniger als ursprünglich beantragt worden war.
Kein Schlussstrich für die KI-Branche
Trotz der historischen Einigung dürfte der Rechtsstreit um Trainingsdaten für KI-Systeme keineswegs beendet sein. Mehrere Autoren und Verlage hatten sich bewusst gegen eine Teilnahme am Vergleich entschieden und verfolgen ihre Ansprüche in separaten Verfahren weiter. Parallel laufen Dutzende weitere Klagen gegen Unternehmen wie OpenAI, Meta, Google oder xAI, in denen ähnliche Fragen zur Zulässigkeit des KI-Trainings mit urheberrechtlich geschützten Inhalten verhandelt werden.
Für die Branche ist der Fall dennoch richtungsweisend. Er zeigt einerseits, dass US-Gerichte dem Training von KI-Modellen unter bestimmten Voraussetzungen einen Fair-Use-Schutz einräumen könnten. Andererseits macht der Milliardenvergleich deutlich, dass die rechtswidrige Beschaffung von Trainingsdaten erhebliche finanzielle Risiken birgt.




