Der Online-Lebensmittelhändler Picnic, der regelmäßige in seinem Unternehmensblog Einblicke in technologische Entwicklungen bietet, arbeitet an einer intelligenten Leitstelle für seine automatisierten Fulfilment Center. Ziel ist es, Lagerprozesse mithilfe von künstlicher Intelligenz, Echtzeitdaten und automatisierten Handlungsempfehlungen effizienter zu steuern. Statt zahlreiche Dashboards gleichzeitig überwachen zu müssen, sollen Mitarbeitende künftig konkrete Empfehlungen erhalten, welche Maßnahmen im Lagerbetrieb Priorität haben.
Vom Kontrollraum zur intelligenten Assistenz
In den hochautomatisierten Logistikzentren von Picnic überwachen sogenannte Controller den Materialfluss, koordinieren Prozesse und reagieren auf Störungen. Bislang müssen sie dafür zahlreiche Datenquellen parallel auswerten und eigenständig entscheiden, welche Aufgaben zuerst bearbeitet werden.
Laut internen Analysen verursachen vor allem wiederkehrende Routineaufgaben, fehlende Priorisierung sowie das Fehlen einer zentralen Aufgabenübersicht einen hohen kognitiven Aufwand. Gleichzeitig hängt die Qualität der Entscheidungen stark von der Erfahrung einzelner Mitarbeiter ab.
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System schlägt Maßnahmen automatisch vor
Mit dem neuen „Intelligent Control Room“ verfolgt Picnic einen anderen Ansatz, wie das Unternehmen in einem Blogbeitrag darlegt. Das System erkennt auf Basis von Echtzeitdaten betriebliche Situationen automatisch und erstellt konkrete Handlungsempfehlungen. Controller können diese Vorschläge mit einem Klick annehmen oder ablehnen.
Die Empfehlungen werden nach Dringlichkeit priorisiert und sollen Routineentscheidungen vereinheitlichen sowie Reaktionszeiten verkürzen. Gleichzeitig sammelt Picnic Rückmeldungen darüber, welche Vorschläge angenommen oder verworfen werden. Diese Daten dienen dazu, die Empfehlungen kontinuierlich zu verbessern und besonders häufig akzeptierte Abläufe künftig vollständig zu automatisieren.
Echtzeitdaten aus der gesamten Lagertechnik
Technisch basiert die Lösung auf einer zentralen Echtzeit-Analyseplattform, die Daten aus verschiedenen Microservices und Warehouse-Systemen zusammenführt. Mithilfe von SQL-Abfragen, dbt-Modellen und ClickHouse werden operative Ereignisse in kurzen Zeitabständen ausgewertet. Erkennt das System Handlungsbedarf, werden entsprechende Empfehlungen automatisch an die Benutzeroberfläche der Leitstelle übertragen.
Vor der Ausführung prüft das System zusätzlich den aktuellen Status der betroffenen Prozesse, um veraltete oder bereits erledigte Aufgaben auszuschließen.
Digitale Zwillinge und KI als nächste Ausbaustufe
Langfristig plant Picnic den weiteren Ausbau des Systems. Künftig sollen Controller nicht nur Handlungsempfehlungen erhalten, sondern bereits vor einer Entscheidung die voraussichtlichen Auswirkungen auf Lagerbetrieb und Lieferqualität sehen können. Dafür setzt das Unternehmen auf einen mehrstufigen Entwicklungsplan. Zunächst sollen Vorhersagemodelle die Folgen einzelner Entscheidungen abschätzen.
Anschließend ist der Einsatz digitaler Zwillinge geplant, mit denen sich Lagerprozesse virtuell simulieren lassen. Perspektivisch sollen Verfahren des Reinforcement Learning optimale Steuerungsstrategien für den Lagerbetrieb entwickeln.
Mehr Automatisierung bei menschlicher Kontrolle
Trotz der zunehmenden Automatisierung sieht Picnic den Menschen weiterhin als zentrale Instanz im Kontrollzentrum. Ziel sei es, Mitarbeiter von Routineaufgaben zu entlasten und ihre Aufmerksamkeit auf komplexe Ausnahmesituationen zu konzentrieren. KI soll dabei als Assistenzsystem fungieren, das Entscheidungen vorbereitet und deren mögliche Auswirkungen transparent macht.





