Primark erweitert sein digitales Geschäftsmodell und will künftig Heimlieferungen in Großbritannien anbieten. Die Modekette baut damit ihre bislang stark filialbasierte Strategie weiter aus und setzt neben Click & Collect künftig auch auf einen direkten Versandkanal.
Nach Angaben der Muttergesellschaft Associated British Foods soll die Heimlieferung zusätzliches profitables Wachstum ermöglichen, ohne das stationäre Modell grundsätzlich zu verändern. Dafür hat Primark eine hochautomatisierte Fulfillment-Anlage in Sheffield übernommen.
Primark wächst insgesamt, verliert aber auf vergleichbarer Fläche
Im vierten Quartal 2026 sollen die Primark-Umsätze insgesamt um rund zwei Prozent steigen. Gleichzeitig erwartet das Unternehmen einen Rückgang der flächenbereinigten Erlöse um etwa drei Prozent.
Neue Filialen und das Franchise-Modell tragen rund fünf Prozentpunkte zum Wachstum bei. Für das Gesamtjahr rechnet Primark ebenfalls mit einem Umsatzplus von etwa zwei Prozent, während die Like-for-like-Umsätze um rund 2,6 Prozent sinken sollen.
Die bereinigte operative Marge soll weiterhin bei ungefähr zehn Prozent liegen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Großbritannien stabiler als Kontinentaleuropa
Im britischen Markt entwickelt sich Primark vergleichsweise robust. Für das vierte Quartal werden dort rund ein Prozent Umsatzwachstum und weitgehend stabile flächenbereinigte Erlöse erwartet.
Das Unternehmen gibt an, weiter Marktanteile zu gewinnen, obwohl sich der Gesamtmarkt rückläufig entwickelt. Das ungewöhnlich heiße Wetter belastete allerdings die Nachfrage nach Herbst- und Winterbekleidung.
Deutlich schwieriger bleibt die Lage in Kontinentaleuropa. Dort sollen die Umsätze im vierten Quartal um etwa ein Prozent sinken, die vergleichbaren Erlöse sogar um rund 4,3 Prozent. Besonders in Spanien, Frankreich und Italien verstärkt Primark deshalb Marketing, Preispositionierung und digitale Kundenansprache.
USA und Franchise treiben Expansion
In den USA erwartet Primark für das vierte Quartal ein Umsatzplus von rund elf Prozent. Die Expansion bleibt dort ein wichtiger Wachstumstreiber.
Mit sechs weiteren Neueröffnungen im Quartal steigt die Zahl der US-Filialen auf 47. Zusätzlich entwickelt sich das Franchise-Geschäft weiter: Primark ist bereits in Dubai und Kuwait vertreten und plant den Markteintritt in Saudi-Arabien im Frühjahr 2027.
Auch für Mexiko wurde ein Franchise-Abkommen abgeschlossen. Damit verlagert Primark einen wachsenden Teil seiner Expansion auf Modelle, die weniger eigenes Kapital für neue Standorte erfordern.
Heimlieferung ergänzt Click & Collect
Die Digitalstrategie von Primark soll das Filialgeschäft ergänzen und zusätzliche Umsätze erschließen. Click & Collect wächst in Großbritannien nach Unternehmensangaben weiter und bildet nun die Grundlage für den nächsten Schritt.
Mit der geplanten Heimlieferung öffnet sich Primark erstmals stärker für ein klassisches E-Commerce-Modell. Das ist strategisch bemerkenswert, weil die Kette lange bewusst auf einen umfangreichen Onlinehandel verzichtet hatte.
Parallel investiert Primark weiter in CRM, App, digitales Marketing und eine verbesserte Kundenansprache. Besonders Womenswear steht im Mittelpunkt der aktuellen Sortiments- und Marketingmaßnahmen und entwickelt sich laut Unternehmen besser als andere Kategorien.
ABF bestätigt Ausblick und bereitet Abspaltung vor
Auf Konzernebene erwartet Associated British Foods einen bereinigten operativen Gewinn in etwa auf Höhe der bisherigen Prognose. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll dagegen besser ausfallen als bislang erwartet.
Gleichzeitig arbeitet ABF weiter an der Abspaltung des Retail-Geschäfts von den Lebensmittelaktivitäten. Der Vollzug ist für Dezember 2027 vorgesehen.
Für 2027 bleibt der Konzern vorsichtig. Während Primark weiteres Wachstum über neue Flächen, Franchise und digitale Kanäle anstrebt, belasten schwache Konsumstimmung, Inflation und höhere Energiekosten weiterhin den Ausblick.





