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Ravensburger steigt bei Steiff ein: Traditionsmarken rücken enger zusammen

Eingang einer Steiff Filiale
Foto: Pexels

Key takeaways

Mit dem Einstieg bei Steiff erweitert Ravensburger sein Markenportfolio um eine der bekanntesten Plüschtiermarken der Welt. Die Zusammenarbeit soll insbesondere internationale Expansion, Lizenzgeschäfte und die Erschließung neuer Zielgruppen vorantreiben.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Zwei der bekanntesten deutschen Spielwarenmarken rücken enger zusammen: Die Ravensburger AG beteiligt sich als strategischer Investor mehrheitlich an der Margarete Steiff GmbH. Verkäufer ist die Steiff Beteiligungsgesellschaft, die von den Nachfahren der Firmengründerin Margarete Steiff gehalten wird. Über die Höhe des Kaufpreises und den genauen Umfang der Beteiligung haben die Parteien laut Pressemitteilung Stillschweigen vereinbart. Bekannt ist jedoch, dass die Familie weiterhin wesentlich am Unternehmen beteiligt bleibt und damit auch künftig Einfluss auf die Entwicklung der Marke ausübt.

Für beide Unternehmen markiert die Transaktion einen bedeutenden strategischen Schritt. Während Ravensburger sein Portfolio um eine der weltweit bekanntesten Premium-Plüschtiermarken erweitert, erhält Steiff Zugang zu den internationalen Strukturen, Vertriebskanälen und Marktkenntnissen eines global aufgestellten Spielwarenkonzerns.

Zwei Traditionsunternehmen mit gemeinsamen Werten

Die Verbindung erscheint auf den ersten Blick naheliegend. Steiff wurde 1880 gegründet, Ravensburger folgte drei Jahre später im Jahr 1883. Beide Unternehmen haben sich über Generationen hinweg als Qualitätsanbieter positioniert und genießen bei Verbrauchern ein hohes Maß an Vertrauen.

Ravensburger-Vorstandsvorsitzender Clemens Maier betont insbesondere die emotionale Kraft der Marke Steiff. Während Firmengründer Otto Maier einst Spielzeug für „Hirn, Hand und Herz“ entwickeln wollte, verkörpere Steiff in besonderer Weise den emotionalen Aspekt dieser Philosophie. Die Marke stehe seit Generationen für hochwertige Produkte, die für viele Menschen Teil ihrer Kindheitserinnerungen seien.

Auch auf Seiten der bisherigen Eigentümer spielte die kulturelle Passung eine entscheidende Rolle. Frederik Reimann, Geschäftsführer der Steiff Beteiligungsgesellschaft, erklärte, man habe bewusst nach einem Partner gesucht, der die Geschichte, Werte und Identität der Marke verstehe und respektiere.

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Eigenständigkeit von Steiff bleibt erhalten

Ein zentrales Element der Vereinbarung ist der Fortbestand der Eigenständigkeit von Steiff. Das Unternehmen soll weiterhin unter eigener Führung agieren und am bisherigen Standort in Giengen an der Brenz bleiben. Diese Zusage war nach Angaben der beteiligten Familiengesellschafter eine wesentliche Voraussetzung für den Verkauf.

Für die rund 145 Jahre alte Marke ist dies von hoher Bedeutung. Steiff hat sich im Premiumsegment des Spielwaren- und Sammlermarktes eine einzigartige Position aufgebaut. Der berühmte „Knopf im Ohr“ gilt weltweit als Symbol für Qualität und Handwerkskunst. Gerade im Luxus- und Sammlersegment lebt die Marke von ihrer Authentizität und ihrer historischen Herkunft.

Frank Rheinboldt, CEO der Margarete Steiff GmbH, sieht in der Partnerschaft die Möglichkeit, die internationale Präsenz des Unternehmens auszubauen und gleichzeitig die traditionellen Markenwerte zu bewahren. Ziel sei es, die Marke langfristig weiterzuentwickeln und neue Wachstumsimpulse zu erschließen.

Ravensburger setzt Expansionskurs fort

Die Beteiligung an Steiff reiht sich in eine Reihe strategischer Investitionen der Ravensburger Gruppe ein. Erst Anfang 2026 hatte das Unternehmen die Mehrheit am Schweizer Kinderbuchverlag NordSüd übernommen. Damit verfolgt Ravensburger konsequent das Ziel, sein Portfolio um starke Marken und emotionale Inhalte zu erweitern.

Der Konzern befindet sich trotz eines rückläufigen Gesamtumsatzes im Jahr 2025 weiterhin auf Wachstumskurs im Kerngeschäft. Spiele, Puzzles und Bücher entwickelten sich zuletzt positiv, während sich das Geschäft mit Sammelkarten nach dem Boom der vergangenen Jahre normalisierte. Die Erweiterung um weitere starke Marken soll die Marktposition langfristig stärken.

Mit Steiff gewinnt Ravensburger eine Marke hinzu, die weit über den klassischen Spielwarenmarkt hinausreicht. Die Plüschtiere aus Giengen sind nicht nur Kinderspielzeug, sondern auch begehrte Sammlerobjekte und Lizenzprodukte mit internationaler Strahlkraft.

Chancen durch internationale Vermarktung und Synergien

Branchenbeobachter sehen in der Transaktion vor allem Chancen im internationalen Vertrieb sowie bei Lizenz- und Markenkooperationen. Steiff hat in den vergangenen Jahren verstärkt auf Kooperationen mit bekannten Marken gesetzt und sich zunehmend auch für neue Zielgruppen geöffnet. Erst kürzlich kündigte das Unternehmen eine globale Partnerschaft rund um die Marke Hello Kitty an.

Ravensburger wiederum verfügt über weitreichende Erfahrung in der internationalen Vermarktung von Spielwaren, Büchern und Markenwelten. Daraus könnten sich künftig Synergien bei Vertrieb, Produktentwicklung, Lizenzmanagement und der Erschließung neuer Märkte ergeben.

Gleichzeitig dürfte die emotionale Strahlkraft beider Traditionsmarken die Positionierung gegenüber internationalen Wettbewerbern stärken. In einem Markt, der zunehmend von globalen Konzernen und digitalen Unterhaltungsangeboten geprägt wird, gewinnen starke Markenidentitäten und vertrauenswürdige Herkunftsgeschichten an Bedeutung.

Kartellrechtliche Prüfung steht noch aus

Noch ist die Übernahme nicht vollständig abgeschlossen. Der Vollzug der Transaktion steht unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung. Aufgrund der unterschiedlichen Schwerpunkte beider Unternehmen rechnen die Beteiligten jedoch mit einer Freigabe innerhalb der üblichen Prüfungsfristen.

Sollte die Genehmigung wie erwartet erfolgen, entsteht mit Ravensburger und Steiff eine neue Allianz zweier deutscher Traditionsmarken, die ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert haben und zugleich den Anspruch verfolgen, ihre Position im globalen Spielwarenmarkt weiter auszubauen.

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