Der US-amerikanische Reisekonzern hat eine Vereinbarung zum Verkauf seiner auch in Deutschland aktiven Restaurantreservierungs-Plattform TheFork an American Express geschlossen. Der Kaufpreis beträgt laut Tripadvisor 700 Millionen US-Dollar und wird vollständig in bar bezahlt. Mit der Transaktion setzt Tripadvisor seine strategische Neuausrichtung konsequent fort und konzentriert sich künftig stärker auf das wachstumsstarke Geschäft mit Erlebnissen und Aktivitäten.
Der Verkauf markiert einen wichtigen Schritt für den Konzern, der in den vergangenen Jahren unter den Nachwirkungen der Pandemie, einem intensiveren Wettbewerbsumfeld und zunehmendem Druck von Investoren stand. Gleichzeitig stärkt American Express seine Ambitionen im Bereich Dining und Hospitality und baut seine globale Reservierungsinfrastruktur weiter aus.
Strategischer Umbau bei Tripadvisor
Tripadvisor hatte bereits im Februar 2026 angekündigt, strategische Alternativen für TheFork zu prüfen. Die nun vereinbarte Veräußerung ist das Ergebnis dieses Prozesses. Konzernchef Matt Goldberg bezeichnete die Transaktion als Bestätigung des Werts des Tripadvisor-Portfolios und als wichtigen Baustein für die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens.
Mit dem Verkauf gewinnt Tripadvisor erheblichen finanziellen Spielraum. Die Erlöse sollen unter anderem für Aktienrückkäufe, den Schuldenabbau oder gezielte Akquisitionen im Erlebnissegment genutzt werden. Das Unternehmen verfolgt seit mehreren Jahren das Ziel, sich von einem klassischen Reisebewertungsportal zu einer Plattform für buchbare Reiseerlebnisse weiterzuentwickeln.
Insbesondere die Tochter Viator, die Touren, Aktivitäten und Attraktionen vermittelt, gilt dabei als zentraler Wachstumstreiber. Analysten sehen den Verkauf von TheFork als konsequenten Schritt, um Kapital auf dieses strategische Kerngeschäft zu konzentrieren.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
TheFork hat sich zum europäischen Marktführer entwickelt
TheFork gehört seit mehr als einem Jahrzehnt zum Tripadvisor-Konzern. Die Plattform ermöglicht Restaurantreservierungen, Tischmanagement und Marketinglösungen für Gastronomiebetriebe. Heute verbindet das Unternehmen Millionen von Nutzern mit mehr als 50.000 Restaurants in elf europäischen Ländern.
Für die vergangenen zwölf Monate bis Ende März 2026 meldete TheFork einen Umsatz von 232 Millionen US-Dollar sowie ein bereinigtes EBITDA von 28 Millionen US-Dollar. Damit ergibt sich auf Basis des Kaufpreises ein Umsatzmultiplikator von rund dem Dreifachen.
Die Plattform war durch mehrere Übernahmen gewachsen, darunter die Integration von Bookatable und weiteren regionalen Reservierungsdiensten. Besonders in Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland zählt TheFork zu den führenden digitalen Reservierungsanbietern.
American Express baut sein Dining-Ökosystem aus
Für American Express ist die Übernahme Teil einer langfristigen Strategie, die Kundenbindung über exklusive Restaurant-, Reise- und Lifestyle-Angebote zu stärken. Der Kreditkartenkonzern hatte bereits 2019 die Reservierungsplattform Resy übernommen und 2024 den Gastronomieanbieter Tock hinzugekauft. Durch die Integration von TheFork wächst das Netzwerk von American Express auf rund 75.000 buchbare Restaurants weltweit.
Vor allem das internationale Geschäft gilt bei American Express seit Jahren als einer der wichtigsten Wachstumstreiber. Die Akquisition stärkt die Position des Unternehmens insbesondere in Europa, wo TheFork über ein dichtes Partnernetzwerk verfügt.
Stephen Squeri, Chairman und CEO von American Express, betonte die strategische Bedeutung des Restaurantgeschäfts für die Kundenbindung. Dining-Angebote gehörten zu den wichtigsten Berührungspunkten zwischen Karteninhabern und der Marke.
Investoren begrüßen die Transaktion
An den Kapitalmärkten wurde die Ankündigung positiv aufgenommen. Die Tripadvisor-Aktie legte nach Bekanntgabe der Vereinbarung deutlich zu. Marktbeobachter sehen in dem Verkauf einen Beleg dafür, dass die Summe der Einzelteile innerhalb des Tripadvisor-Konzerns höher bewertet werden könnte als das Unternehmen insgesamt.
Der Schritt erfolgt zudem vor dem Hintergrund des Engagements des aktivistischen Investors Starboard Value, der seit 2025 auf eine stärkere Fokussierung des Konzerns und die Hebung von Unternehmenswerten drängt. TheFork galt dabei als jener Geschäftsbereich, der sich am einfachsten veräußern ließ.
Ob Tripadvisor künftig weitere strategische Maßnahmen ergreift, bleibt offen. Besonders die Zukunft von Viator dürfte von Investoren aufmerksam verfolgt werden.
Abschluss bis Ende 2026 erwartet
Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen sowie arbeitsrechtlicher Konsultationsverfahren. Der Abschluss wird vor Ende des Jahres 2026 erwartet.
Für Tripadvisor bedeutet der Verkauf den Abschluss eines wichtigen Kapitels seiner Unternehmensgeschichte. Für American Express eröffnet sich zugleich die Chance, seine Position als Anbieter hochwertiger Reise-, Restaurant- und Lifestyle-Erlebnisse weiter auszubauen. In einem Markt, in dem Kundenerlebnisse zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden, könnte die Übernahme weit über das reine Reservierungsgeschäft hinaus strategische Bedeutung entfalten.


