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PoPP nimmt Gestalt an: Redcare sieht digitalen E-Rezept-Zugang gesichert

Headquarter von Redcare Pharmacy
Foto: Redcare Pharmacy

Key takeaways

➟ Für Online-Apotheken wird die künftige E-Rezept-Infrastruktur konkreter. Die Gesundheits-ID soll ab September 2027 den Smartphone-Check-in unterstützen, während Redcare für die Migration zunächst auf einen parallelen Betrieb mit CardLink setzt.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die technische Zukunft der digitalen E-Rezept-Einlösung in Deutschland wird konkreter. Die gematik hat ihre Vorabspezifikation für den „Proof of Patient Presence“ (PoPP) weiterentwickelt und sieht dabei die Gesundheits-ID als wichtigen digitalen Versicherungsnachweis vor. Für Online-Apotheken wie Redcare Pharmacy schafft das eine klarere Perspektive für die geplante Ablösung des bisherigen CardLink-Verfahrens.

PoPP soll kryptografisch nachweisen, dass zwischen Versichertem und Leistungserbringer ein Versorgungskontext besteht. Für den Versandapothekenmarkt ist vor allem die zweite Einführungsstufe relevant: Ab September 2027 soll der Check-in direkt über das Smartphone möglich werden und damit auch Fernversorgung unterstützen.

Gesundheits-ID soll digitalen Zugang vereinfachen

Mit PoPP Stufe 2 sollen Versicherte sowohl die elektronische Gesundheitskarte als auch die Gesundheits-ID für den digitalen Nachweis nutzen können. Damit könnte die Authentifizierung stärker softwarebasiert erfolgen, ohne dass Patienten und Leistungserbringer am selben Ort sein müssen.

Für Redcare ist ein möglichst einfacher Prozess von zentraler Bedeutung. Zusätzliche Schritte bei der E-Rezept-Einlösung können den digitalen Bestellprozess erschweren. Neben der Gesundheits-ID begrüßt das Unternehmen deshalb weitere geplante Zugangswege über die elektronische Gesundheitskarte und perspektivisch die europäische EUDI-Wallet.

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CardLink und PoPP sollen zunächst parallel laufen

Das heute für die E-Rezept-Einlösung in der Fernversorgung eingesetzte eHealth-CardLink ist nicht als dauerhafte Zielarchitektur vorgesehen. Nach dem aktuellen Migrationspfad soll PoPP das Verfahren schrittweise ablösen.

Mit dem geplanten Start der zweiten PoPP-Stufe im September 2027 soll zunächst eine Phase des Parallelbetriebs beginnen. Redcare erwartet nach eigenen Angaben eine Verlängerung seiner bestehenden CardLink-Lizenz bis Ende März 2028. Eine abschließende Bestätigung dieser Verlängerung liegt laut Vorlage bislang nicht vor.

Sollte der erwartete Zeitplan umgesetzt werden, stünden rund sechs Monate für den parallelen Betrieb beider Verfahren zur Verfügung. Dadurch könnten Anbieter ihre technische Infrastruktur und bestehende Kundenprozesse schrittweise auf PoPP umstellen.

E-Rezept treibt Redcares Rx-Geschäft

Die Bedeutung der Infrastruktur zeigt sich an der Entwicklung des verschreibungspflichtigen Geschäfts. Redcare steigerte seinen Konzernumsatz 2025 um 24,1 Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro. Der Rx-Umsatz überschritt erstmals eine Milliarde Euro, während das deutsche Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln um 98 Prozent auf 503 Millionen Euro wuchs.

Auch 2026 setzte sich das Wachstum fort. Im zweiten Quartal erhöhte sich der Konzernumsatz um 20 Prozent auf 853,5 Millionen Euro, das deutsche Rx-Geschäft legte um 58 Prozent zu. Die Zahl der aktiven Kunden erreichte 14,7 Millionen. Das bereinigte EBITDA lag bei 29,6 Millionen Euro und die Marge bei 3,5 Prozent.

Für das Gesamtjahr erwartet Redcare ein Umsatzplus von 15 bis 17 Prozent. Im deutschen Rx-Geschäft werden Erlöse zwischen 680 und 720 Millionen Euro prognostiziert, was einem Wachstum von 35 bis 43 Prozent entsprechen würde.

Migration wird zum strategischen Wettbewerbsfaktor

PoPP Stufe 1 startete laut Vorlage im Juli 2026 zunächst in einer Modellregion und konzentriert sich auf Standardkartenleser. Der für Versandapotheken entscheidende Smartphone-Check-in soll mit Stufe 2 im September 2027 folgen. Voraussetzung für die E-Rezept-Einlösung wird dabei ein von der gematik zugelassenes PoPP-Modul sein.

Damit zeichnet sich für Redcare eine technische Zielarchitektur ab, vollständige Planungssicherheit besteht jedoch noch nicht. Entscheidend bleiben die finalen Spezifikationen, zusätzliche Authentifizierungswege und die verbindliche Ausgestaltung der Übergangsphase von CardLink zu PoPP.

Die Migration fällt zudem in eine neue Führungsphase. Olaf Heinrich soll den Vorstandsvorsitz zum 1. Oktober 2026 an Peter Schmid von Linstow übergeben und Redcare anschließend beratend zur Verfügung stehen. Damit wird die PoPP-Umstellung für die neue Konzernführung zu einem strategisch wichtigen Projekt für das weitere Wachstum im deutschen E-Rezept-Markt.

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