Mit der SpaceX-Übernahme von Elon Musks xAI , das vor rund einem Jahr durch eine Fusion von xAI und dem Social-Network X (vormals Twitter) entstanden ist, zündet Elon Musk die nächste Stufe seiner Technologiestrategie. Der Zusammenschluss von Raumfahrt, Künstlicher Intelligenz, Social Media und satellitengestützter Kommunikation soll nichts weniger ermöglichen als eine neue, vertikal integrierte Innovationsmaschine – mit Rechenleistung aus dem All, nahezu unbegrenzter Energieversorgung und einer langfristigen Vision, die bis zur Besiedlung anderer Himmelskörper reicht.
Laut einem Bericht von The Information hat SpaceX rund 250 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. Bloomberg zufolge liegt die Bewertung des fusionierten Unternehmens bei etwa 1,25 Billionen Dollar. Elon Musk soll rund 40 Prozent der Anteile an beiden Firmen halten. Zudem prüft SpaceX demnach einen Börsengang, bei dem bis zu 50 Milliarden Dollar erlöst werden könnten – basierend auf einer potenziellen Gesamtbewertung von bis zu 1,5 Billionen Dollar.
Rechenzentren im Orbit als strategischer Wendepunkt
Die am 2. Februar 2026 bekannt gegebene Transaktion markiert einen strategischen Wendepunkt: KI-Entwicklung, bislang abhängig von energieintensiven Rechenzentren auf der Erde, soll perspektivisch in den Orbit verlagert werden. Dort, so Musks Kalkül, stehen nahezu konstante Solarenergie, Platz im Überfluss und deutlich geringere ökologische Zielkonflikte zur Verfügung.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Die Energiefrage als Engpass der KI-Ökonomie
Der rasante Fortschritt moderner KI-Systeme stößt zunehmend an physische Grenzen. Der Strombedarf großer Rechenzentren wächst exponentiell, Kühlung und Netzausbau belasten Kommunen und Umwelt gleichermaßen. Nach Musks Argumentation lässt sich der globale Energiehunger der KI langfristig terrestrisch nicht mehr decken, ohne massive gesellschaftliche Kosten zu verursachen.
Die Lösung: space-based AI. Bereits das Abzapfen eines millionstel Anteils der Sonnenenergie würde die heutige weltweite Zivilisation energetisch um Größenordnungen übertreffen. Im Orbit sei Solarenergie praktisch unbegrenzt verfügbar – „always on“, ohne Wetter- oder Tageszyklen.
Orbital Data Centers: Rechenleistung als Satellitenkonstellation
Kern der Vision ist der Aufbau riesiger orbitaler Datenzentren: eine Konstellation von perspektivisch bis zu einer Million Satelliten, die gemeinsam als verteiltes Rechenzentrum fungieren. Jeder Satellit liefert dabei nicht nur Kommunikationskapazität, sondern substanzielle KI-Compute-Leistung.
Ein entscheidender Enabler ist SpaceX selbst. Mit Starship verfügt das Unternehmen über ein Trägersystem, das erstmals Massentransporte in völlig neuen Dimensionen erlaubt. Geplant sind Starts im Stundentakt mit bis zu 200 Tonnen Nutzlast pro Flug – eine Größenordnung, die Millionen Tonnen Material pro Jahr in den Orbit bringen könnte.
Zum Vergleich: Selbst im bisherigen Rekordjahr der Raumfahrt wurden global nur rund 3.000 Tonnen Nutzlast gestartet, größtenteils für Starlink.
Skaleneffekte und ökonomische Sprengkraft
Die ökonomische Rechnung hinter dem Projekt ist ebenso ambitioniert wie provokant: Eine Million Tonnen Satelliten pro Jahr, jeweils mit rund 100 Kilowatt Rechenleistung pro Tonne, würden jährlich zusätzliche 100 Gigawatt KI-Compute-Kapazität liefern – nahezu wartungsfrei und ohne laufende Energiekosten im klassischen Sinn.
Musk geht davon aus, dass bereits in zwei bis drei Jahren KI-Rechenleistung aus dem Orbit günstiger sein könnte als jede erdgebundene Alternative. Das hätte erhebliche Konsequenzen für die globale KI-Industrie: Trainingszeiten schrumpfen, Modellgrößen explodieren, Markteintrittsbarrieren sinken – bei gleichzeitig drastisch steigender Innovationsgeschwindigkeit.
Vom Orbit zum Mond – und weiter nach Mars
Die Übernahme von xAI, das erst im Januar 20 Milliarden US-Dollar eingesammelt hatte und das neben dem Social-Media-Netzwerk X den Chatbot Grok und den Wikipedia-Wettbewerber Grokipedia beherbergt, ist dabei nur ein erster Schritt. Langfristig zielt die Strategie auf eine industrielle Expansion jenseits der Erde. Starship soll nicht nur Satelliten, sondern auch große Frachtmengen zum Mond transportieren können. Dort könnten Fabriken entstehen, die mithilfe lokaler Ressourcen neue Satelliten produzieren und per elektromagnetischem Massentreiber weiter ins All befördern.
In dieser Logik wären sogar 500 bis 1.000 Terawatt KI-Kapazität pro Jahr denkbar – genug, um einen spürbaren Anteil der Sonnenenergie zu nutzen und die Menschheit auf der Kardaschow-Skala deutlich nach oben zu bewegen. Die daraus generierten Erträge sollen wiederum Mondbasen, Marsstädte und eine dauerhaft multiplanetare Zivilisation finanzieren.
Vision oder Wagnis?
So visionär das Projekt ist, so groß sind auch die offenen Fragen: regulatorische Hürden, Weltraumschrott, geopolitische Spannungen und die tatsächliche technische Umsetzbarkeit orbitaler Rechenzentren in dieser Größenordnung. SpaceX verweist auf erprobte Nachhaltigkeits- und De-Orbiting-Konzepte aus dem Starlink-Programm, doch das geplante Ausmaß sprengt alle bisherigen Erfahrungswerte.
Fest steht: Mit der Integration von Raumfahrt, KI und globaler Kommunikation setzt Elon Musk erneut auf maximale Skalierung – technologisch, wirtschaftlich und philosophisch. Ob daraus tatsächlich die „nächste Entwicklungsstufe der Zivilisation“ erwächst oder eines der kühnsten Experimente der Industriegeschichte, wird sich erst im Orbit entscheiden.


