Nach intensiven Verhandlungen haben sich die Arbeitgeber und die Gewerkschaft ver.di auf einen ersten Tarifabschluss für den deutschen Einzelhandel verständigt. Im Tarifgebiet Nordrhein-Westfalen steigen die Löhne und Gehälter in zwei Stufen. Die Vereinbarung dürfte Signalwirkung neben dem jüngsten Abschluss in Hessen für die noch laufenden Tarifverhandlungen in anderen Regionen haben.
Entgelte steigen zunächst um drei Prozent
Der Tarifabschluss sieht nach drei Nullmonaten eine erste Erhöhung der Löhne und Gehälter zum 1. August 2026 um 3,0 Prozent vor. Zum 1. Mai 2027 folgt eine weitere Anhebung um 2,0 Prozent.
Die Tarifvereinbarung hat eine Laufzeit von insgesamt 25 Monaten. Beschäftigte in unteren Entgeltgruppen erhalten teilweise stärkere Erhöhungen. Hintergrund sind der gesetzliche Mindestlohn sowie vereinbarte Entgeltuntergrenzen.
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NRW-Abschluss könnte bundesweit zum Vorbild werden
Mit der Einigung in Nordrhein-Westfalen liegt der erste Abschluss der diesjährigen Tarifrunde im Einzelhandel vor. Erwartet wird, dass die vereinbarten Konditionen auch eine wichtige Orientierung für die weiteren regionalen Tarifgebiete darstellen.
Tarifverträge für den Einzelhandel werden regional ausgehandelt. Ein früher Abschluss in einem großen Tarifgebiet wie Nordrhein-Westfalen kann deshalb die Grundlage für entsprechende Vereinbarungen in anderen Bundesländern bilden.
HDE spricht von schmerzhaftem Kompromiss
Die Arbeitgeberseite bewertet die vereinbarten Entgeltsteigerungen angesichts der wirtschaftlichen Situation vieler Handelsunternehmen als erhebliche Belastung. HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke bezeichnete die Einigung als „schmerzhaften Kompromiss“, der zahlreiche Unternehmen an die Grenze des wirtschaftlich Verkraftbaren bringe.
Gleichzeitig wertet der Handelsverband die erzielte Verständigung als positives Signal für die Funktionsfähigkeit der Tarifpartnerschaft. Die Verhandlungen seien intensiv und kompliziert gewesen.
Handel erhält Planungssicherheit
Aus Sicht der Arbeitgeber schafft die Einigung für Unternehmen und Beschäftigte Klarheit über die Entwicklung der Personalkosten beziehungsweise Einkommen während der kommenden Monate.
Gerade angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen habe die Arbeitgeberseite Wert auf einen verantwortungsvollen und möglichst zügigen Abschluss gelegt. HDE-Tarifgeschäftsführer Haarke betonte, Tarifpartnerschaft und Kompromissfähigkeit seien in der aktuellen Situation von besonderer Bedeutung.
Weitere Tarifgebiete stehen vor Entscheidungen
Nach dem Durchbruch in Nordrhein-Westfalen richtet sich der Blick nun auf die übrigen Tarifregionen. Sollte der NRW-Abschluss dort übernommen oder in ähnlicher Form vereinbart werden, wären die Eckpunkte für einen großen Teil der Beschäftigten im deutschen Einzelhandel gesetzt.
Die zentralen Größen des ersten Abschlusses stehen damit fest: drei Nullmonate, 3,0 Prozent mehr Entgelt ab August 2026, weitere 2,0 Prozent ab Mai 2027 und eine Gesamtlaufzeit von 25 Monaten.





