Zum Start der Tarifverhandlungen im Einzelhandel spitzt sich der Konflikt zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft zu. Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt erneut eindringlich vor den Folgen aus seiner Sicht zu hoher Lohnforderungen und sieht die Branche in einer kritischen wirtschaftlichen Situation.
Branche zunehmend unter Druck
Laut einer aktuellen Umfrage des HDE bewertet fast die Hälfte der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als schlecht, während nur ein kleiner Teil von einer positiven Entwicklung spricht. Gleichzeitig rechnen viele Händler mit rückläufigen Umsätzen im laufenden Jahr.
Die wirtschaftliche Situation hat bereits spürbare Folgen: Seit 2022 sind im Einzelhandel zehntausende sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze weggefallen.
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Kosten steigen auf breiter Front
Ein zentraler Belastungsfaktor sind die gestiegenen Kosten. Nahezu alle befragten Unternehmen berichten von erheblichen Mehrbelastungen in den vergangenen Jahren. Besonders stark betroffen sind Personal-, Energie- und Logistikkosten.
Auch für die kommenden Jahre erwarten die Händler keine Entlastung. Die große Mehrheit rechnet mit weiter steigenden Ausgaben, was den finanziellen Spielraum zusätzlich einschränkt.
Arbeitgeber warnen vor weiteren Jobverlusten
Vor diesem Hintergrund kritisiert der HDE die Forderungen der Gewerkschaft ver.di als nicht tragbar. Höhere Lohnabschlüsse könnten viele Unternehmen überfordern und im schlimmsten Fall zu weiteren Schließungen führen.
Bereits jetzt plant ein erheblicher Teil der größeren Handelsunternehmen, Personal abzubauen. Zusätzliche Belastungen könnten diese Entwicklung weiter beschleunigen.
Tarifrunde in schwierigem Umfeld gestartet
Die Tarifverhandlungen beginnen in mehreren großen Tarifregionen und stehen unter dem Eindruck einer angespannten konjunkturellen Lage. Arbeitgeber fordern mehr Zurückhaltung und verweisen darauf, dass in der vergangenen Tarifrunde bereits deutliche Gehaltssteigerungen vereinbart wurden.
Aus Sicht des Handels geht es nun vor allem darum, Stabilität zu sichern und wirtschaftliche Risiken zu begrenzen. Die kommenden Verhandlungen dürften daher von harten Positionen auf beiden Seiten geprägt sein.


