Die Alfred Ritter GmbH & Co. KG steht vor einem historischen Einschnitt: Nach einem verlustreichen Geschäftsjahr 2025 plant der Schokoladenhersteller erstmals in seiner über hundertjährigen Geschichte einen Stellenabbau. Am Stammsitz im baden-württembergischen Waldenbuch soll etwas mehr als jede zehnte Stelle entfallen, wie die Lebensmittelzeitung zuerst berichtet.
Hohe Kosten drücken Ergebnis ins Minus
Operativ verzeichnete Ritter Sport 2025 zwar Wachstum, wirtschaftlich blieb das Jahr jedoch enttäuschend. Der Umsatz stieg nach vorläufigen, wechselkursbereinigten Zahlen um 17,7 Prozent auf 712 Millionen Euro. Haupttreiber waren Preiserhöhungen, während der Absatz rückläufig war – ein Hinweis auf spürbare Kaufzurückhaltung.
Das Umsatzplus reichte nicht aus, um die stark gestiegenen Kosten entlang der Wertschöpfungskette auszugleichen. Vor allem Kakao verteuerte sich deutlich, hinzu kamen höhere Ausgaben für Energie, Logistik und Verpackung. Das Betriebsergebnis blieb klar hinter den Erwartungen, unter dem Strich rutschte das Unternehmen in die Verlustzone. 2024 hatte sich das Ergebnis abgeschwächt, blieb aber noch positiv.
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Verwaltung im Fokus des Sparkurses
Von weltweit rund 1.900 Beschäftigten arbeiten etwa 1.000 in Waldenbuch, davon gut 600 in der Verwaltung. Dort sollen rund 70 Stellen entfallen – insgesamt etwas mehr als zehn Prozent der Belegschaft am Standort.
Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen, betriebsbedingte Kündigungen werden jedoch nicht ausgeschlossen. Ziel ist eine schlankere Kostenstruktur und effizientere Organisation. Der Schritt folgt auf frühere Ankündigungen, Prozesse zu überprüfen und zu verschlanken.
Preisschock bei Kakao – erste Entspannung
Die Branche leidet seit Jahren unter extremen Preisschwankungen bei Kakao. Ernteausfälle in Westafrika durch Krankheiten und Wetterextreme trieben die Preise zeitweise auf Rekordniveau. Hersteller gaben die Kosten weitgehend an Verbraucher weiter.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Preis für eine Tafel Schokolade im März 2026 im Schnitt 71 Prozent über dem Niveau von 2020. Inzwischen entspannt sich die Lage etwas: Bessere Ernten ließen die Preise sinken, erste Hersteller senken wieder ihre Verkaufspreise. Für Ritter Sport wirkt diese Entwicklung jedoch verzögert, da die hohen Einkaufskosten aus 2025 weiterhin belasten.
Strategische Bewährungsprobe
Der Stellenabbau ist mehr als eine kurzfristige Sparmaßnahme. Ritter Sport steht vor der Herausforderung, Kosten zu senken und zugleich Markenstärke sowie Innovationskraft zu sichern. Zwar zeigt das Umsatzwachstum weiterhin Preissetzungsmacht, doch steigender Wettbewerb, hohe Preiselastizität und volatile Rohstoffpreise setzen die Margen unter Druck.
Für den Traditionshersteller beginnt damit eine Phase der Konsolidierung mit dem Ziel, die Ertragskraft nachhaltig zu stabilisieren.


