Die Tarifauseinandersetzung im Einzel- und Großhandel in Berlin und Brandenburg spitzt sich weiter zu. Mit einem zweitägigen Streik am Freitag und Samstag will die Gewerkschaft Verdi den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, nachdem diese bislang kein Tarifangebot vorgelegt haben, das nach Ansicht der Gewerkschaft für alle Beschäftigtengruppen ein Einkommen oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns sicherstellt. Als Orientierung verweist Verdi auf den jüngsten Tarifabschluss in Nordrhein-Westfalen, der ab Mai 2027 einen tariflichen Mindeststundenlohn von 14,90 Euro vorsieht.
Verdi fordert Tarifangebot oberhalb des Mindestlohns
Nach Angaben der Gewerkschaft verweigern die Arbeitgeber bislang ein verhandlungsfähiges Angebot, das allen Beschäftigten ein tarifliches Einkommen oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns garantiert. Aus Sicht von Verdi muss sichergestellt werden, dass keine Beschäftigtengruppe unter einen Stundenlohn von 14,90 Euro fällt.
Die Gewerkschaft sieht den Tarifabschluss in Nordrhein-Westfalen als Beleg dafür, dass entsprechende Vereinbarungen möglich sind. Dort steigen die Entgelte in zwei Stufen, sodass ab Mai 2027 kein tariflicher Stundenlohn mehr unter 14,90 Euro liegen soll.
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Regionale Besonderheiten stehen im Mittelpunkt
Verdi betont, dass der NRW-Abschluss nicht unverändert auf Berlin und Brandenburg übertragen werden könne. Neben der Übernahme der Lohnstruktur fordert die Gewerkschaft Anpassungen an die regionalen Rahmenbedingungen.
Kritisiert wird insbesondere eine bestehende Ausnahmeregelung, durch die einzelne Beschäftigte weiterhin unterhalb des angestrebten Stundenlohns vergütet werden könnten. Zudem beginnen die Tarifverhandlungen in Berlin und Brandenburg regelmäßig bis zu drei Monate später als in anderen Tarifgebieten. Nach Auffassung von Verdi soll dieser Nachteil durch eine verkürzte Laufzeit des neuen Tarifvertrags ausgeglichen werden.
Zweitägiger Streik soll Druck auf Arbeitgeber erhöhen
Mit dem Arbeitskampf will die Gewerkschaft Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen bringen. In einzelnen Betrieben haben die Streiks bereits begonnen. Der Schwerpunkt der Aktionen liegt auf Freitag, dem 28. August, mit einer Kundgebung auf dem Berliner Breitscheidplatz und einer anschließenden Demonstration.
Am Samstag sollen die Arbeitsniederlegungen in zahlreichen Betrieben ohne zentrale Veranstaltung fortgesetzt werden. Verdi verbindet den Streik mit der Forderung nach einem verhandlungsfähigen Angebot der Arbeitgeberseite.
Handel zählt zu den größten Branchen der Region
Der Einzelhandel sowie der Großhandel gehören zu den beschäftigungsstärksten Wirtschaftszweigen in Berlin und Brandenburg. Nach Angaben von Verdi arbeiten rund 230.000 Menschen im Einzelhandel sowie weitere 53.000 Beschäftigte im Großhandel der Region.
Vor diesem Hintergrund misst die Gewerkschaft dem laufenden Tarifkonflikt eine große Bedeutung bei. Ziel bleibt ein Tarifabschluss, der sowohl höhere Einkommen als auch eine Angleichung an bereits erzielte Abschlüsse in anderen Bundesländern ermöglicht.
NRW-Abschluss dient als Orientierung
Der jüngste Tarifabschluss im nordrhein-westfälischen Einzelhandel sieht Entgelterhöhungen von drei Prozent ab August 2026 sowie weitere zwei Prozent ab Mai 2027 vor. Darüber hinaus steigen die Ausbildungsvergütungen überdurchschnittlich. Für die niedrigsten Entgeltgruppen wird ein tariflicher Mindeststundenlohn von zunächst 14,20 Euro und ab Mai 2027 von 14,90 Euro vereinbart.
Verdi sieht darin ein Signal für die laufenden Verhandlungen in Berlin und Brandenburg. Ob die Tarifparteien dort in den kommenden Wochen eine Einigung erzielen, bleibt jedoch offen.





