Der Discounter Aldi Süd leitet einen tiefgreifenden Umbau seiner Unternehmensstrukturen ein und bestätigt heute den Abbau von rund 1.250 Stellen bis Ende 2027 an. Damit fällt die Streichung noch etwas höher aus als vergangene Woche berichtet wurde. Besonders stark betroffen ist die Digitalsparte Aldi DX, die in den vergangenen Jahren maßgeblich für den Ausbau technologischer Kompetenzen verantwortlich war. Doch auch im Einkauf sollen offenbar Stellen wegfallen.
Strategiewechsel nach Jahren der Digitalisierung
In den vergangenen Jahren hatte Aldi Süd massiv in den Aufbau digitaler Strukturen investiert. Mit Aldi DX, vormals Aldi Süd IT, wurde eine eigenständige Einheit geschaffen, die zentrale IT-Systeme, Datenplattformen und digitale Prozesse vorantrieb. Nun folgt eine deutliche Kurskorrektur: Statt weiterer Expansion steht die Effizienz bestehender Strukturen im Vordergrund.
Wie das Handelsblatt unter Berufung auf eine virtuelle Mitarbeiterversammlung berichtet, zielt das interne Programm „Cost Leadership Reset“ darauf ab, Kosten nachhaltig zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Damit rückt das Unternehmen wieder stärker an seine traditionellen Stärken im Discountgeschäft heran, bei denen schlanke Prozesse und klare Strukturen entscheidend sind.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Digitalsparte im Zentrum der Einschnitte
Ein Großteil der geplanten Stellenstreichungen entfällt auf Aldi DX. Die Organisation, in der zuletzt mehrere tausend IT-Fachkräfte tätig waren, soll deutlich verschlankt werden. Hierarchien werden reduziert, Verantwortlichkeiten neu verteilt und einzelne Aufgaben entweder stärker in die Kernorganisation integriert oder extern vergeben.
Ziel ist es, digitale Kompetenzen künftig enger mit den operativen Geschäftsbereichen zu verzahnen. Isolierte Strukturen sollen aufgelöst werden, um schnellere Entscheidungswege und effizientere Abläufe zu ermöglichen.
E-Commerce-Aktivitäten Ende 2025 eingestampft
In den 2010er Jahren begann Aldi – im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern – nur sehr zögerlich mit E-Commerce-Aktivitäten. Erste Versuche, insbesondere im Non-Food-Segment, ließen sich bereits vor 2016 erkennen, doch ein umfassendes Online-Sortiment fehlte lange.
Ab 2021 starteten dann Aldi Nord und Aldi Süd gemeinsam einen Onlineshop, der über eine eigens gegründete Aldi E-Commerce GmbH betrieben wurde und Non-Food-Artikel online verkaufte. Dieses Projekt lief jedoch nur wenige Jahre: der gemeinsame Onlineshop wurde Ende September 2025 geschlossen, da er unrentabel war und die Discounter sich wieder stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wollten.
Parallel dazu sind in internationalen Märkten, etwa in den USA, Online-Partnerschaften und Lieferoptionen mit Drittanbietern wie Instacart, Uber Eats oder DoorDash etabliert worden, um Kunden die Bestellung und Lieferung von Lebensmitteln zu ermöglichen und die Online-Kundenansprache zu stärken.
Sozialverträglicher Abbau und interne Umstrukturierung
Aldi Süd setzt bei der Umsetzung des Stellenabbaus auf freiwillige Lösungen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen weitgehend vermieden werden. Stattdessen plant das Unternehmen Abfindungsprogramme, um Mitarbeiter zum freiwilligen Ausscheiden zu bewegen.
Bereits zuvor hatte es in einzelnen IT-Bereichen ähnliche Maßnahmen gegeben. Parallel werden auch andere Unternehmensbereiche überprüft, darunter Einkauf und Verwaltung. Hier sollen Prozesse gebündelt, Aufgaben zentralisiert und Synergien innerhalb der Organisation besser genutzt werden.
Marktdruck zwingt zu mehr Effizienz
Der Stellenabbau erfolgt in einem herausfordernden Marktumfeld. Steigende Energie- und Logistikkosten sowie ein intensiver Preiswettbewerb im Discountsegment setzen die Margen unter Druck. Gleichzeitig wächst der Konkurrenzdruck durch andere große Handelsketten.
Branchenbeobachter werten den Schritt als konsequente Reaktion auf diese Entwicklungen. Digitale Initiativen werden künftig stärker an ihrem direkten Beitrag zum Kerngeschäft gemessen. Zudem ist zu erwarten, dass Aldi Süd verstärkt mit externen IT-Dienstleistern zusammenarbeitet, um flexibel auf technologische Anforderungen reagieren zu können.


