Der europäische Onlinehandel bleibt trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten auf Wachstumskurs. Nach einer aktuellen Analyse von McKinsey steigt das E-Commerce-Volumen in den fünf größten europäischen Märkten jährlich um rund sechs Prozent. Bis 2029 könnte der digitale Handel in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien zusammen ein Marktvolumen von rund 600 Milliarden Euro erreichen. Maßgeblicher Treiber dieser Entwicklung ist der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
KI übernimmt immer mehr Aufgaben im Kaufprozess
Während KI bislang vor allem für Produktempfehlungen oder interne Prozessoptimierungen eingesetzt wurde, entwickelt sie sich zunehmend zum aktiven Akteur im Einkauf. Moderne KI-Systeme analysieren Kundenwünsche, vergleichen Angebote und können eigenständig Kaufentscheidungen vorbereiten oder sogar Transaktionen auslösen.
Verbraucher übertragen digitalen Assistenten bereits heute Aufgaben wie die Suche nach dem besten Preis, die automatische Nachbestellung regelmäßig benötigter Produkte oder die Zusammenstellung eines Warenkorbs nach festgelegten Kriterien. Gleichzeitig nutzen bereits 38 Prozent der europäischen Konsumenten generative KI-Anwendungen zur Produktrecherche und zur Unterstützung ihrer Kaufentscheidungen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Deutliche Effekte auf Umsatz und Effizienz
Unternehmen, die KI konsequent in kundennahe Prozesse integrieren, profitieren laut der Analyse von erheblichen Leistungssteigerungen. KI-gestützte Einkaufsassistenten erzielen teilweise mehr als 50 Prozent höhere Conversionraten als klassische Vertriebskanäle.
Auch in weiteren Bereichen zeigen sich messbare Vorteile. Intelligente Preissteuerung verbessert die Bruttomargen, während KI-basierte Sortiments- und Bestandsplanung Fehlmengen reduziert. In der Logistik helfen datengetriebene Systeme dabei, Lagerkosten zu senken und gleichzeitig die Warenverfügbarkeit zu erhöhen. Dadurch entstehen Effizienzgewinne entlang der gesamten Lieferkette.
Retail Media entwickelt sich zur profitablen Zusatzsäule
Neben dem eigentlichen Handelsgeschäft gewinnt Retail Media weiter an Bedeutung. Händler nutzen ihre umfangreichen Kundendaten zunehmend für den Aufbau eigener Werbeplattformen und erschließen damit zusätzliche Erlösquellen.
Die Margen in diesem Geschäftsfeld liegen deutlich über denen des klassischen Handels und schaffen finanzielle Spielräume für weitere Investitionen in Digitalisierung und KI. Damit entwickelt sich Retail Media für viele Unternehmen zu einem wichtigen Baustein ihrer langfristigen Wachstumsstrategie.
Agentenfähige Infrastruktur wird zum Wettbewerbsfaktor
Mit der zunehmenden Verbreitung autonomer KI-Systeme steigt die Bedeutung strukturierter und in Echtzeit verfügbarer Daten. Produktinformationen, Preise, Bestände und Lieferdaten müssen so aufbereitet werden, dass digitale Assistenten darauf zugreifen und Entscheidungen treffen können.
Experten sehen darin eine zentrale Voraussetzung für künftige Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die KI nicht nur punktuell einsetzen, sondern Prozesse, Datenstrukturen und Organisationsabläufe umfassend darauf ausrichten, könnten sich entscheidende Vorteile in einem zunehmend digitalisierten Handelsumfeld sichern.


