Amazon erweitert seine stationäre Logistikinfrastruktur an amerikanischen Hochschulen. Mehr als 750 Locker-Standorte verteilen sich laut Amazon inzwischen auf über 500 Colleges und Universitäten in den USA. Die Abholstationen sollen Studierenden eine Alternative zur Zustellung an Wohnheime, Apartments oder andere Adressen bieten und gleichzeitig die Paketübergabe an stark frequentierten Standorten bündeln.
Das Campus-Angebot ist Teil eines deutlich größeren Netzes. Nach Unternehmensangaben stehen Amazon-Kunden in den Vereinigten Staaten insgesamt mehr als 25.000 Paketabholstellen zur Verfügung. Neben eigenen Lockern gehören dazu Übergabepunkte bei Partnern.
Campus-Standorte bündeln die letzte Meile
Gerade Hochschulen eignen sich für zentralisierte Paketübergaben, weil sich dort viele Empfänger auf vergleichsweise kleinen Flächen bewegen. Statt zahlreiche einzelne Adressen anzufahren, können Sendungen an definierten Punkten bereitgestellt werden. Für Studierende reduziert sich zugleich die Notwendigkeit, Pakete unbeaufsichtigt an Wohnheimen oder Apartments hinterlegen zu lassen.
Amazon integriert die Locker nach eigenen Angaben bewusst in häufig genutzte Campusbereiche. An einigen Hochschulen stehen mehrere Stationen zur Verfügung, sodass sich die Paketabholung beispielsweise mit dem Weg zu Vorlesungen oder Bibliotheken verbinden lässt.
Amazon unaufhaltsam
Abholung bleibt drei Tage möglich
Die Locker sind in den regulären Bestellprozess eingebunden. Kunden können verfügbare Stationen anhand ihrer Adresse oder Postleitzahl suchen und einen bevorzugten Abholpunkt im Amazon-Adressbuch speichern. Bei geeigneten Artikeln lässt sich dieser anschließend beim Checkout als Lieferziel auswählen.
Nach der Zustellung erhalten Kunden die erforderlichen Abholinformationen. Je nach Station erfolgt der Zugriff per Code, Barcode oder über die Amazon-Shopping-App. Pakete bleiben drei Kalendertage hinterlegt. Erfolgt keine Abholung, wird die Bestellung zurückgeschickt und der Kaufpreis erstattet. Für die Lieferung an Campus-Locker erhebt Amazon nach eigenen Angaben keine zusätzliche Gebühr.
Amazon kombiniert Locker mit Prime-Angebot für Junge
Der Ausbau richtet sich zugleich an eine für Amazon strategisch interessante Kundengruppe. In den USA bietet der Konzern mit Prime for Young Adults eine vergünstigte Mitgliedschaft für Hochschulstudierende und junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren an. Berechtigte Neukunden können das Angebot zunächst sechs Monate kostenlos testen.
Anschließend kostet die Mitgliedschaft 7,49 US-Dollar pro Monat oder 69 Dollar pro Jahr. Ergänzend bietet Amazon zielgruppenspezifische Vorteile wie Cashback-Aktionen. Nach Unternehmensangaben hatten Mitglieder seit Einführung entsprechender Angebote 2025 bis zum Sommer 2026 insgesamt mehr als 225 Millionen Dollar an Prämien gesammelt.
Mehr als 25.000 Abholpunkte in den USA
Die Campus-Locker sind Bestandteil einer Logistikstrategie, bei der Amazon die klassische Haustürzustellung um alternative Übergabepunkte ergänzt. Solche Stationen können besonders an Orten mit hoher Nutzerdichte attraktiv sein und gleichzeitig zusätzliche physische Kontaktpunkte zwischen dem Onlinehändler und seinen Kunden schaffen.
Die Größenordnung des US-Geschäfts macht Optimierungen bei Zustellung und Paketübergabe für den Konzern besonders relevant. Amazon erzielte 2025 einen Nettoumsatz von 716,9 Milliarden Dollar, davon 426,3 Milliarden Dollar im Nordamerika-Segment. Ende des Jahres beschäftigte das Unternehmen weltweit rund 1,576 Millionen Voll- und Teilzeitkräfte.
Locker verankern Amazon im studentischen Alltag
Mit den Abholstationen verbindet Amazon Logistik und Kundenbindung. Hochschulen bieten dabei eine Kombination aus hoher Empfängerdichte, wiederkehrenden Alltagswegen und einer jungen Zielgruppe, deren Einkaufsgewohnheiten sich langfristig entwickeln können.
Mehr als 750 Locker auf über 500 Campus bilden zwar nur einen Teil der über 25.000 amerikanischen Abholstellen. Für Amazon schaffen sie jedoch eine sichtbare Verbindung zwischen digitalem Einkauf und physischer Infrastruktur und ergänzen gleichzeitig das auf junge Erwachsene zugeschnittene Prime-Angebot.






