Der chinesische Sportartikelkonzern ANTA Sports hat die Übernahme von 29,06 Prozent an PUMA abgeschlossen und ist damit neuer größter Einzelaktionär des Herzogenauracher Unternehmens. Das Aktienpaket stammt von der französischen Investmentgesellschaft Artémis. Der Einstieg hat ein Volumen von rund 1,5 Milliarden Euro und erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem PUMA mitten in einem tiefgreifenden Turnaround steckt.
PUMA bleibt operativ unabhängig
Die Transaktion war bereits Ende Januar 2026 vereinbart worden. ANTA zahlte 35 Euro je Aktie und bleibt mit seinem Anteil knapp unter der Schwelle von 30 Prozent, ab der in Deutschland grundsätzlich die Pflicht zu einem Übernahmeangebot relevant werden kann.
PUMA soll weiterhin eigenständig geführt werden. ANTA betont nach Angaben des Unternehmens den Respekt vor Markenidentität, Unternehmensgeschichte und Corporate Governance. Eine vollständige Integration in den chinesischen Konzern ist damit vorerst nicht vorgesehen. Dennoch verschafft der Anteil von mehr als 29 Prozent ANTA erheblichen Einfluss bei strategischen Entscheidungen und auf Hauptversammlungen.
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Einstieg erfolgt mitten im PUMA-Turnaround
Der Zeitpunkt der Beteiligung ist strategisch bedeutsam. PUMA hat 2025 als „Reset-Jahr“ genutzt und seine Vertriebs- und Kostenstrukturen umfassend überarbeitet. Der Umsatz sank auf 7,30 Milliarden Euro, währungsbereinigt ein Minus von 8,1 Prozent. Das berichtete EBIT lag bei minus 357,2 Millionen Euro.
Auch 2026 bleibt das Geschäft unter Druck. Im zweiten Quartal gingen die Umsätze währungsbereinigt um 9,4 Prozent auf 1,69 Milliarden Euro zurück. Gleichzeitig verbesserte sich das EBIT auf minus 53,1 Millionen Euro. Der Vorratsbestand sank um 15,3 Prozent auf rund 1,82 Milliarden Euro, während der freie Cashflow deutlich auf 328,8 Millionen Euro stieg.
PUMA reduziert bewusst weniger attraktive Vertriebskanäle, senkt Rabattintensität und Lagerbestände und versucht, die Begehrlichkeit der Marke wieder zu erhöhen. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen weiterhin einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich und ein EBIT zwischen minus 50 und minus 150 Millionen Euro.
ANTA bringt Kapital und Mehrmarken-Erfahrung mit
ANTA zählt inzwischen zu den größten Sportartikelgruppen Asiens und verfolgt selbst eine ausgeprägte Mehrmarkenstrategie. Neben der Kernmarke betreibt der Konzern unter anderem FILA in China sowie Marken wie Descente und Kolon Sport.
2025 stieg der Umsatz von ANTA Sports um 13,3 Prozent auf 80,22 Milliarden Renminbi. Der operative Gewinn erhöhte sich um 15 Prozent auf 19,09 Milliarden Renminbi. Auch im ersten Halbjahr 2026 setzte sich das Wachstum fort. Damit trifft ein finanziell starker und profitabler asiatischer Konzern auf eine global bekannte westliche Marke, die sich derzeit neu positioniert.
China könnte zum wichtigsten Synergiefeld werden
Besonders naheliegend ist eine Zusammenarbeit im chinesischen Markt. PUMA ist weltweit in mehr als 120 Ländern präsent, konnte sein Potenzial in China bislang aber nur begrenzt ausschöpfen. ANTA verfügt dort über ein dichtes Vertriebsnetz, umfangreiche Marktkenntnisse und Erfahrung mit der Positionierung internationaler Sport- und Lifestylemarken.
Bereits bei Ankündigung der Beteiligung hatte ANTA darauf verwiesen, das Potenzial von PUMA insbesondere in China stärker erschließen zu wollen. Denkbar sind Synergien in Retail, Digitalisierung, Beschaffung, lokaler Marktkenntnis und Markenführung. Für PUMA könnte China damit zu einem wichtigen Hebel werden, während Europa und Nordamerika parallel neu geordnet werden.
ANTA wird zum strategischen Machtfaktor
Der Einstieg löst die operativen Probleme von PUMA nicht automatisch. Er verschafft dem Unternehmen jedoch einen finanzstarken und branchenerfahrenen Ankeraktionär, dessen Interessen deutlich über eine reine Finanzbeteiligung hinausgehen.
Für ANTA wiederum ist der Einstieg ein weiterer Schritt der internationalen Expansion. PUMA bringt globale Markenbekanntheit, Sportpartnerschaften und eine etablierte Präsenz in westlichen Märkten ein. ANTA liefert im Gegenzug Wachstumsstärke, Kapital und besonders im chinesischen Markt operative Kompetenz.
Entscheidend wird nun sein, ob PUMA aus dem laufenden Reset wieder profitables Wachstum entwickeln kann. Der neue Eigentümer verändert die strategische Ausgangslage erheblich – der eigentliche Turnaround wird sich jedoch an Produkten, Markenstärke, Vertrieb und steigenden Margen messen lassen müssen.



