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BILD beendet Shopping-Plattform trotz großer digitaler Reichweite

Startseite des neuen BILD Marktplatz
Screenshot zum Start - Foto: BILD

Key takeaways

Mehr als 30.000 Produkte und eine reichweitenstarke Medienmarke reichten nicht für dauerhaften Erfolg. Axel Springer schließt den BILD Marktplatz und beendet damit sein 2024 gestartetes Shopping-Projekt.

Lesezeit ca. 2 Minuten

Axel Springer hat den BILD Marktplatz ohne eine öffentliche Ankündigung eingestellt. Gut zwei Jahre nach dem Start ist das Shopping-Angebot nicht mehr verfügbar, wie der E-Commerce Blog Wortfilter entdeckt hat. Kunden mit bestehenden Bestellungen können sich weiterhin an die jeweiligen Verkäufer oder den Kundenservice von Axel Springer wenden; gesetzliche Gewährleistungsansprüche bleiben bestehen.

Damit endet ein E-Commerce-Projekt, das mit ungewöhnlich großen Voraussetzungen gestartet war. BILD wollte seine hohe digitale Reichweite für ein zusätzliches Handelsgeschäft nutzen. Zum Start umfasste der Marktplatz mehr als 30.000 Artikel von über 50 Anbietern.

Marktplatz entstand innerhalb von elf Wochen

BILD hatte die Plattform am 26. März 2024 gestartet. Angeboten wurden unter anderem Produkte aus den Bereichen Heim und Garten, Möbel, Dekoration, Technik und Haustierbedarf. Der Schwerpunkt lag auf Artikeln im mittleren Preissegment.

Für die technische Infrastruktur setzte Axel Springer auf die Marktplatzlösung von Mirakl. Nach Angaben des Technologieanbieters wurde das Angebot innerhalb von lediglich elf Wochen aufgebaut. Die schnelle technische Umsetzung konnte jedoch nicht gewährleisten, dass sich daraus langfristig ein relevanter Einkaufsort entwickelte.

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Große Medienreichweite garantiert keine Käufer

Die Ausgangslage unterschied sich deutlich von der vieler neuer Online-Marktplätze. BILD konnte das Shopping-Angebot über eine der reichweitenstärksten deutschen Medienmarken vermarkten und damit potenziell Millionen Verbraucher erreichen.

Die Einstellung macht zugleich deutlich, dass Mediennutzung und Kaufabsicht nicht automatisch zusammenfallen. Ein Nachrichtenleser wird nicht allein aufgrund der Bekanntheit einer Marke zum Marktplatzkunden. Dafür braucht ein Handelsangebot zusätzliche Kaufargumente wie Preis, Sortiment, Exklusivität, Komfort oder besondere Produktkompetenz.

Händler müssen laufenden Aufwand tragen

Auch moderne Marktplatztechnologie löst nur einen Teil der operativen Anforderungen. Händler müssen Produktdaten und Bestände pflegen, Bestellungen bearbeiten und Kundenservice sowie Retouren organisieren. Beim BILD Marktplatz kamen Anforderungen wie deutschsprachiger Kundenservice, kostenlose Rücksendungen und definierte Versandzeiten hinzu.

Für angeschlossene Händler rechnet sich dieser Aufwand nur bei ausreichenden Bestellvolumina. Konkrete Zahlen zu Umsatz, aktiven Käufern oder Bestellungen des BILD Marktplatzes wurden nicht veröffentlicht. Die wirtschaftliche Bedeutung der Plattform lässt sich deshalb von außen nicht belastbar beurteilen.

Axel Springer bleibt im Commerce-Geschäft aktiv

Die Schließung bedeutet keinen grundsätzlichen Rückzug von Axel Springer aus digitalen Commerce-Modellen. Zum Konzernumfeld gehören weiterhin etablierte Angebote wie Idealo, Awin und Bonial, die jeweils klar definierte Funktionen innerhalb der digitalen Customer Journey übernehmen.

Das Ende des BILD Marktplatzes betrifft damit ein einzelnes Geschäftsmodell. Es zeigt allerdings, dass auch eine bekannte Dachmarke und eine große vorhandene Nutzerbasis nicht automatisch ausreichen, um einen neuen Vertriebskanal dauerhaft zu etablieren.

Schneller Start ersetzt keine Handelspositionierung

Für Händler und Plattformbetreiber liefert das Experiment eine zentrale Erkenntnis. Technische Marketplace-Infrastruktur lässt sich inzwischen innerhalb kurzer Zeit bereitstellen, während der Aufbau wiederkehrender Kaufgewohnheiten erheblich schwieriger ist.

Neue Plattformen müssen deshalb nicht nur Reichweite und Händler gewinnen, sondern einen eigenständigen Kundennutzen schaffen. Der BILD Marktplatz konkurrierte in etablierten Kategorien mit großen Generalisten und spezialisierten Onlinehändlern. Nach gut zwei Jahren endet nun der Versuch, die Reichweite der Medienmarke in ein eigenständiges Marktplatzgeschäft zu übersetzen.

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