OpenAI weitet sein Werbegeschäft mit ChatGPT nach Deutschland aus. Nach Tests in den USA und der Expansion in weitere internationale Märkte sollen Anzeigen ab Ende August auch in Deutschland, Frankreich, Irland und Singapur erscheinen. Betroffen sind die Tarife Free und Go, während Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu werbefrei bleiben.
Die Anzeigen werden unterhalb der regulären ChatGPT-Antworten ausgespielt und als gesponserte Inhalte gekennzeichnet. OpenAI betont in einem Blogpost erneut, dass Werbekunden keinen Einfluss auf die Antworten erhalten und eine bezahlte Platzierung keine Empfehlung durch ChatGPT darstellt. Nutzer können Werbung zudem ausblenden oder Rückmeldung zu einzelnen Anzeigen geben.
Werbung soll den kostenlosen Zugang mitfinanzieren
OpenAI begründet den Aufbau des Werbegeschäfts mit den hohen Kosten für KI-Modelle, Rechenzentren und zusätzliche Rechenkapazitäten. Werbung soll insbesondere dazu beitragen, kostenlose beziehungsweise günstigere Zugänge zu ChatGPT zu finanzieren.
Wer Anzeigen vermeiden möchte, muss dabei nicht zwingend ein kostenpflichtiges Abonnement wählen. OpenAI bietet auch eine werbefreie Variante des kostenlosen Tarifs an, die im Gegenzug niedrigere Nutzungslimits und Einschränkungen bei einzelnen Funktionen vorsieht.
Das wirtschaftliche Potenzial wird hoch eingeschätzt. OpenAI verfolgt langfristig ambitionierte Umsatzziele mit Werbung und baut dafür seine Vermarktungsstrukturen aus. Gleichzeitig bleibt offen, wie schnell sich ChatGPT neben klassischen Suchmaschinen und sozialen Netzwerken als relevanter Werbekanal etablieren kann.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Anzeigen bleiben von ChatGPT-Antworten getrennt
Eine zentrale Frage betrifft die Unabhängigkeit der KI-Antworten. OpenAI erklärt, dass Anzeigen keinen Einfluss darauf haben, welche Antworten ChatGPT generiert. Gesponserte Inhalte werden separat dargestellt und entsprechend gekennzeichnet.
Auch Werbetreibende sollen keinen Zugriff auf individuelle Chats, den Gesprächsverlauf, gespeicherte Erinnerungen oder persönliche Nutzerdaten erhalten. Für die Bewertung ihrer Kampagnen bekommen Unternehmen lediglich aggregierte Leistungsinformationen, beispielsweise zu Aufrufen oder Klicks.
Für Minderjährige gelten zusätzliche Einschränkungen. Konten von Personen, die als unter 18 Jahre alt angegeben oder vom System entsprechend eingeschätzt werden, sollen keine Werbung erhalten. Zudem schließt OpenAI Anzeigen im Umfeld bestimmter sensibler oder regulierter Themen aus.
In der EU gelten strengere Regeln für Personalisierung
Für Nutzer in Deutschland und anderen Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums gelten beim Werbestart besondere Datenschutzvorgaben. Personalisierte Werbung ist zunächst deaktiviert. Frühere Unterhaltungen und gespeicherte Erinnerungen sollen daher nicht automatisch zur Auswahl von Anzeigen herangezogen werden.
Ohne ausdrückliche Zustimmung orientiert sich die Werbeauswahl vor allem am aktuellen Gespräch sowie an allgemeinen Signalen wie Sprache, ungefährem Standort oder Gerätetyp. Wer eine weitergehende Personalisierung wünscht, muss dieser zunächst zustimmen und kann die Entscheidung später wieder ändern.
Nutzer sollen außerdem nachvollziehen können, warum ihnen eine bestimmte Anzeige angezeigt wurde. Werbedaten lassen sich löschen, einzelne Anzeigen ausblenden oder melden und Einstellungen zur Personalisierung verwalten.
ChatGPT wird zum neuen Werbekanal
Für Unternehmen eröffnet sich damit ein Werbeumfeld, das sich deutlich von klassischen Displayanzeigen unterscheidet. ChatGPT wird häufig in Situationen genutzt, in denen Verbraucher Informationen suchen, Alternativen vergleichen oder Entscheidungen vorbereiten. Anzeigen können dadurch unmittelbar im Kontext eines konkreten Interesses erscheinen.
OpenAI will das Werbeprogramm schrittweise um zusätzliche Formate, Ziele und Buchungsmodelle erweitern. Nach dem Start in den USA folgten zunächst Kanada, Australien und Neuseeland sowie später unter anderem Großbritannien, Mexiko, Brasilien, Japan und Südkorea.
Mit Deutschland erreicht das Modell nun einen der wichtigsten europäischen Werbemärkte. Entscheidend wird sein, ob OpenAI kommerzielle Relevanz mit dem Vertrauen der Nutzer verbinden kann. Die klare Trennung zwischen KI-Antwort und bezahlter Platzierung sowie die Kontrolle über Personalisierung und Datenschutz werden dabei zu zentralen Faktoren.






