Der südkoreanische Onlinehändler Coupang sieht sich nach einem massiven Datenleck wachsendem Druck aus den USA ausgesetzt. Zwei prominente US-Investoren, Greenoaks Capital und Altimeter Capital, werfen der Regierung in Seoul eine politisch motivierte Kampagne gegen Coupang vor und fordern von Washington eine offizielle Handelsuntersuchung. Der Fall, bei dem bereits der CEU seinen Hut nehmen musste, entwickelt sich damit von einer Datenschutzpanne zu einem potenziellen Belastungstest für die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Südkorea.
Eskalation nach Datenpanne
Im November hatte Coupang den Diebstahl personenbezogener Daten von rund 33 Millionen Kunden in Südkorea eingeräumt. Die Reaktionen in der Folge waren heftig: Neben medialer Empörung und aufsichtsrechtlichen Ermittlungen kam es auch zu Klagen von Verbrauchern und Aktionären. Doch nun erreicht die Auseinandersetzung eine neue Stufe.
Die beiden US-Investoren, die laut Reuters zusammen Anteile im Wert von über 1,4 Milliarden US-Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) an Coupang halten, haben bei der US-Handelsbehörde USTR eine offizielle Beschwerde eingereicht. Parallel reichten sie Schiedsklagen im Rahmen des KORUS-Freihandelsabkommens ein. Ihrer Ansicht nach betreibt Südkorea eine konzertierte staatliche Kampagne, um Coupang gezielt zu schwächen. Dabei sei die Datenschutzproblematik lediglich Auslöser für umfassendere, nicht zusammenhängende Untersuchungen in Bereichen wie Arbeitsrecht, Steuern und Zoll.
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Politische und wirtschaftliche Implikationen
Die US-Handelsbehörde hat nun bis zu 45 Tage Zeit, um zu entscheiden, ob eine formelle Untersuchung eingeleitet wird. Ein solches Verfahren könnte erhebliche politische Auswirkungen haben – bis hin zu Zöllen oder anderen wirtschaftlichen Strafmaßnahmen gegen Südkorea. Die Regierung in Seoul weist die Anschuldigungen scharf zurück. Präsident Lee Jae Myung betonte, dass die Ermittlungen unabhängig und rechtsstaatlich geführt würden. Handelsminister Yeo Han-koo sprach nach Gesprächen in Washington von einem „Missverständnis“ seitens der US-Investoren.
Ungewisse Zukunft für Investoren und Beziehungen
Das KORUS-Verfahren sieht zunächst eine 90-tägige Konsultationsphase vor, bevor ein formelles Schiedsverfahren beginnt. Ob es innerhalb dieses Zeitraums zu einer Einigung kommt, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch: Der Fall Coupang wirft grundsätzliche Fragen auf über die Behandlung ausländischer Investitionen, den Spielraum staatlicher Regulierung und die Robustheit internationaler Handelsabkommen im digitalen Zeitalter.


