Die staatliche deutsche Version der EUDI-Wallet erhält den Namen d-you und soll wie bereits terminiert am 2. Januar 2027 starten. Dies teilte das Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung (BMDS) heute mit. Die digitale Brieftasche wird kostenfrei und freiwillig nutzbar sein. Zum Launch sollen rund 40 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung eigene Anwendungen integrieren.
Mit der jetzt erfolgten Namensgebung soll das hierzulande noch wenig bekannte EUDI-Wallet-Vorhaben der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mit d-you sollen Bürger digitale Nachweise sicher auf dem Smartphone speichern und gezielt verwenden können. Vorgesehen sind unter anderem Altersnachweise, rechtssichere Vertragsabschlüsse und Bankgeschäfte. Perspektivisch soll die Wallet auch weitere Dokumente wie Führerschein, Versicherungskarten oder Tickets ergänzen.
d-you setzt auf lokale Datenspeicherung
Das zentrale Prinzip lautet: Die Nutzer behalten die Kontrolle über ihre Daten. Nachweise und Zertifikate sollen verschlüsselt auf dem Endgerät gespeichert werden. Eine zentrale Datenbank ist nicht vorgesehen, ebenso wenig eine Pflicht zur Nutzung.
Nutzer sollen selbst entscheiden, welche Informationen sie wann und gegenüber wem freigeben. Die Wallet basiert zugleich auf europäischen technischen Standards und soll damit perspektivisch grenzüberschreitend einsetzbar sein.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
40 Partner bringen konkrete Anwendungen zum Start
Zum Start beteiligen sich unter anderem Deutsche Post, Vodafone, Rossmann, Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Rentenversicherung, mehrere Bankenverbände, Hochschulen, Bundesländer und Kommunen. Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) gehört zu den Unterstützern und hatte sich mehrfach für eine Einführung positioniert.
Der Mehrwert der Wallet soll damit nicht allein aus der App selbst entstehen, sondern aus einem wachsenden Ökosystem angeschlossener Dienste. Bereits zum Launch sollen Funktionen für Altersnachweise, Vertragsabschlüsse und Kontoeröffnungen verfügbar sein.
Handel und Finanzbranche werden direkt eingebunden
Für den Einzelhandel und weitere Branchen eröffnet d-you neue Möglichkeiten zur digitalen Identifikation. Unternehmen können Nachweise künftig direkt über die Wallet abfragen, ohne dass Nutzer vollständige Dokumente oder zusätzliche Daten offenlegen müssen.
Gerade bei Altersprüfung, Vertragsabschluss oder Kontoeröffnung könnte die Wallet bestehende Prozesse vereinfachen. Für Händler, Banken und Dienstleister entsteht damit eine standardisierte digitale Identitätsinfrastruktur, die auf europäischen Vorgaben basiert.
Europäische Nutzung soll schrittweise wachsen
Die Bundesregierung plant, d-you nach dem Start kontinuierlich um neue Funktionen, Nachweise und Partner zu erweitern. Langfristig soll die digitale Brieftasche auch bei grenzüberschreitenden Vorgängen innerhalb Europas eingesetzt werden können.
Denkbar sind Anwendungen bei Studium, Jobwechsel, Reisen oder Immobiliengeschäften im Ausland. Ziel ist eine digitale Infrastruktur, die physische Dokumente nicht sofort ersetzt, aber zunehmend ergänzt und alltägliche Identitätsprüfungen vereinfacht.


