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Atemwegserkrankungen treiben Fehlzeiten in Deutschland auf Rekordniveau

Symbolbild zu Krankheit am Arbeitsplatz
Foto: depositphotos.com

Key takeaways

Das DIW sieht die Rekordzahl krankheitsbedingter Fehlzeiten vor allem durch Atemwegserkrankungen und verändertes Verhalten nach der Pandemie verursacht. Die elektronische Krankschreibung sei dagegen nicht der Hauptgrund für den starken Anstieg der Fehltage in Deutschland.

Lesezeit ca. 2 Minuten

Die krankheitsbedingten Fehlzeiten von Beschäftigten in Deutschland haben einen historischen Höchststand erreicht. Nach einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) fehlte jede erwerbstätige Person im Durchschnitt rund 15 Tage am Arbeitsplatz – ein Anstieg um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Entgegen häufiger Kritik sieht das DIW die Ursache jedoch nicht primär in der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU). Ausschlaggebend seien vielmehr mehr Atemwegserkrankungen sowie ein verändertes Verhalten von Beschäftigten nach der Corona-Pandemie.

Elektronische Krankschreibung nicht Hauptursache

Seit Januar 2022 werden Krankmeldungen elektronisch von Arztpraxen an die Krankenkassen übermittelt. Der bisherige „gelbe Schein“ entfällt damit weitgehend. Kritiker hatten den starken Anstieg der Fehlzeiten deshalb teilweise als statistischen Effekt interpretiert.

DIW-Studienautor Markus Grabka widerspricht dieser Darstellung. Die Analyse stützt sich auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), bei denen Beschäftigte ihre tatsächlichen Fehltage direkt angeben. Auch dort zeige sich ein deutlicher Anstieg der Fehlzeiten – unabhängig von der neuen digitalen Meldepraxis.

Während die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes 2022 einen Anstieg der Fehltage um 32 Prozent auswiesen, verzeichnete das SOEP immerhin noch ein Plus von 19 Prozent.

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Atemwegserkrankungen und Vorsicht nach Corona

Besonders auffällig war laut Studie die starke Zunahme von Atemwegserkrankungen. Daten der Krankenkasse AOK zeigen, dass entsprechende Diagnosen 2022 deutlich häufiger auftraten.

Zudem identifiziert die Untersuchung bestimmte Gruppen mit besonders vielen Fehltagen. Vor allem ältere Beschäftigte sowie Menschen mit größeren Sorgen um ihre eigene Gesundheit meldeten sich häufiger krank. Nach Einschätzung des DIW spielt dabei auch ein verändertes Verhalten nach der Pandemie eine Rolle.

Viele Beschäftigte blieben bei ansteckenden Erkrankungen inzwischen vorsichtiger zuhause, anstatt trotz Symptomen zur Arbeit zu gehen. Dadurch habe sich das Verhalten im Krankheitsfall nachhaltig verändert.

DIW warnt vor Kürzungen bei Lohnfortzahlung

Vor dem Hintergrund steigender Fehlzeiten hatten Arbeitgeberverbände zuletzt vorgeschlagen, Karenztage einzuführen oder die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einzuschränken.

Das DIW bewertet solche Maßnahmen jedoch kritisch. Studienautor Grabka warnt davor, dass dadurch sogenannter Präsentismus gefördert werden könnte – also das Arbeiten trotz Krankheit. Dies könne langfristig sogar zu höheren gesundheitlichen Belastungen führen.

Stattdessen spricht sich das Institut für flexiblere Modelle wie Teilkrankschreibungen aus. Beschäftigte mit leichteren Erkrankungen könnten demnach beispielsweise zeitweise mobil arbeiten oder ihre Arbeitszeit reduzieren.

Psychische Gesundheit gewinnt an Bedeutung

Darüber hinaus empfiehlt das DIW einen stärkeren Ausbau von Präventionsmaßnahmen in Unternehmen. Besonders psychische Erkrankungen entwickeln sich nach Einschätzung der Forschenden zunehmend zu einem wichtigen Faktor bei langfristigen Fehlzeiten.

Unternehmen müssten deshalb stärker in Gesundheitsprävention, flexible Arbeitsmodelle und den Schutz vulnerabler Beschäftigtengruppen investieren. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeige, dass sich Arbeitswelt und Krankheitsverhalten seit der Pandemie dauerhaft verändert hätten.

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