Dyson erschließt mit der CameraJet eine weitere Produktkategorie. Der für Staubsauger, Luftreinigung und Haarpflege bekannte Technologiekonzern steigt erstmals in die elektrische Mundpflege ein und positioniert sein neues Dentalsystem mit einem Preis von 479 Euro klar im oberen Premiumsegment.
Die seit gestern erhältliche CameraJet kombiniert Schallreinigung, Kamera, Sensorik und maschinelles Lernen mit einem gezielt gesteuerten Mundspülungsstrahl. Damit verfolgt Dyson eine bekannte Strategie: Ein etabliertes Alltagsprodukt wird technisch erweitert, hochpreisig positioniert und mit Software sowie ergänzenden Verbrauchsprodukten verbunden.
Kamera erkennt Zahnzwischenräume
Eine integrierte Makrokamera analysiert während des Putzens kontinuierlich die Zahnoberflächen. Die Software soll erkennen, wann sich der Bürstenkopf an einem Zahnzwischenraum befindet, und anschließend innerhalb kurzer Zeit einen gezielten Flüssigkeitsstrahl auslösen.
Die Technik verbindet damit Zähneputzen und Zahnzwischenraumreinigung in einem Gerät. Über die MyDyson-App können Nutzer zudem Informationen zur Reinigungsabdeckung und personalisiertes Feedback erhalten. Nach Angaben des Unternehmens werden die Kamerabilder weder auf dem Gerät noch in der Cloud gespeichert.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Sechs Jahre Entwicklung für das Dentalsystem
Dyson investierte nach eigenen Angaben sechs Jahre in die Entwicklung. Das Machine-Learning-System wurde mit rund 470.000 Zahnbildern trainiert, während die Software des Geräts etwa 16 Millionen Codezeilen umfassen soll.
Zum technischen Konzept gehören außerdem ein integrierter Flüssigkeitstank und eine Station zum Laden und Nachfüllen. Unterschiedlich ausgelegte Borsten sowie variable Schallbewegungen sollen Zahnoberflächen und Bereiche entlang des Zahnfleischrandes reinigen. Wie groß der Vorteil gegenüber etablierten Premiumzahnbürsten tatsächlich ausfällt, müssen unabhängige Langzeittests zeigen.
Verbrauchsmaterialien schaffen wiederkehrende Umsätze
Wirtschaftlich interessant ist der Einstieg vor allem durch das entstehende Produktökosystem. Neben dem Gerät bietet Dyson eigene Zahnpasta, Mundspülung und austauschbare Bürstenköpfe an. Ein RFID-Chip registriert die Nutzung des eingesetzten Bürstenkopfs und kann über die App auf einen notwendigen Wechsel hinweisen.
Damit erweitert sich das Geschäftsmodell über den einmaligen Hardwareverkauf hinaus. Verbrauchsmaterialien und Zubehör schaffen regelmäßige Kaufanlässe, während die App als digitale Verbindung zum Kunden dient. Für den Handel eröffnet sich dadurch zusätzlich zum Geräteverkauf ein potenzielles Folgegeschäft.
Dyson sucht neue Wachstumsfelder
Der Kategorienwechsel erfolgt in einer Phase hoher Entwicklungsausgaben. 2025 brachte Dyson nach eigenen Angaben 13 neue Produkte auf den Markt und investierte mehr als 400 Millionen Pfund in Forschung und Entwicklung.
Gleichzeitig sank der Umsatz von 6,57 Milliarden auf 6,13 Milliarden Pfund. Das EBITDA erhöhte sich dagegen um 18 Prozent auf 1,11 Milliarden Pfund, während der operative Gewinn um 15 Prozent auf rund 600 Millionen Pfund stieg. Neue Kategorien können dem Konzern damit zusätzliche Wachstumsimpulse liefern.
Premiumstrategie muss sich im Massenmarkt beweisen
Mit der CameraJet überträgt Dyson sein aus anderen Kategorien bekanntes Premiumkonzept auf einen Markt mit hoher Nutzungsfrequenz und regelmäßigem Zubehörbedarf. In Deutschland ist das System seit dem 1. September 2026 in Dyson Stores und bei ausgewählten Händlern erhältlich.
Die zentrale Herausforderung bleibt der Preis. Verbraucher können zwischen zahlreichen deutlich günstigeren elektrischen Zahnbürsten, Mundduschen und Produkten zur Zahnzwischenraumreinigung wählen. Dyson muss deshalb zeigen, dass die Kombination aus Automatisierung, Kamera, Flüssigkeitsstrahl und Software einen Aufpreis von mehreren Hundert Euro rechtfertigt.


