Der US-Senator Tom Cotton aus Arkansas hat das Justizministerium und das Heimatschutzministerium der Vereinigten Staaten aufgefordert, Ermittlungen gegen die chinesischen Online-Händler Shein und Temu einzuleiten. In einem Schreiben an Generalstaatsanwältin Pam Bondi, das Reuters exklusiv vorliegt, wirft er beiden Unternehmen vor, massenhaft gefälschte Produkte sowie kopierte Designs in den US-Markt einzuschleusen.
Shein und Temu geraten verstärkt ins Visier der Behörden
Cottons Initiative reiht sich ein in eine wachsende Zahl politischer und regulatorischer Maßnahmen gegen beide Plattformen. Die in China ansässigen Unternehmen, Shein als Privatfirma und Temu als Tochtergesellschaft der PDD Holdings, standen bereits zuvor wegen möglicher Verstöße gegen geistige Eigentumsrechte und mangelhafter Kontrollen ihrer Verkaufsplattformen in der Kritik.
Insbesondere seit dem Wegfall einer zollfreien Einfuhrregelung, die es ermöglichte, Produkte unter einem Warenwert von 800 US-Dollar (rund 735 Euro) zollfrei in die USA zu importieren, sehen sich die Unternehmen neuen Herausforderungen gegenüber. Senator Cotton argumentiert, dass sich dadurch die Geschäftsmodelle der Anbieter stark verändert hätten: „Diese Firmen unterhalten nun umfangreiche Lagerbestände in US-Verteilzentren. Ihre Waren befinden sich unter US-Rechtsprechung auf amerikanischem Boden.“
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Internationale Kritik und laufende Ermittlungen
Die europäische Kommission hatte bereits im Sommer 2024 kritisiert, dass Temu zu wenig gegen den Vertrieb von Fälschungen unternimmt. Das Unternehmen hatte damals seine Kooperationsbereitschaft signalisiert. Auch Shein verwies auf interne Kontrollmechanismen, die sicherstellen sollen, dass Produkte nicht gegen Markenrechte verstoßen.
Doch die Vorwürfe reißen nicht ab. So leitete der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton am Montag Untersuchungen ein, ob Shein gegen Gesetze zur Arbeitsethik und Produktsicherheit verstoßen hat. In Frankreich wurde sogar ein Verkaufsverbot für drei Monate angestrebt – unter anderem wegen des Vertriebs von kindlich wirkenden Sexpuppen und verbotenen Waffenattrappen.
Weder Shein noch Temu äußerten sich bislang zu dem Schreiben des Senators.


