Preisbewusstsein, Zeitdruck und der Wunsch nach gesunder Ernährung verändern zunehmend das Einkaufs- und Essverhalten der Verbraucher. Dies zeigt ein aktuelles NIQ-Dossier. Demnach entwickeln sich zahlreiche einstige Nischenprodukte im Lebensmittelmarkt zu etablierten Wachstumstreibern – mit deutlichen Auswirkungen für Hersteller und Handel.
Zeitersparnis treibt Nachfrage nach Convenience-Produkten
Convenience-Produkte spielen weiterhin eine zentrale Rolle im Alltag vieler Konsumenten. Besonders Flüssigmahlzeiten, die als Ersatz für eine vollständige Mahlzeit dienen, haben sich in den vergangenen Jahren von einem Nischenprodukt zu einem Massenmarkt entwickelt. Zwischen 2022 und 2024 verzeichnete diese Kategorie europaweit zweistellige Wachstumsraten.
Auch klassische Fertiggerichte konnten zeitweise deutlich zulegen. Während sie in den Jahren 2022 und 2023 Wachstumsraten von 8,2 beziehungsweise 9,8 Prozent erreichten, verlangsamte sich die Entwicklung zuletzt. Im Oktober 2025 lag das Wachstum im Jahresvergleich bei 2,3 Prozent – unter anderem, weil viele Verbraucher aufgrund der Inflation wieder häufiger selbst kochen.
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Internationale Küche und To-Go-Angebote wachsen
In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild: Zeitersparnis und kulinarische Neugier treiben den Absatz bestimmter Produktkategorien. Besonders asiatische Fertiggerichte legten deutlich zu und verzeichneten ein Absatzplus von 13 Prozent.
Auch verzehrfertige Angebote für unterwegs gewinnen weiter an Bedeutung. Sushi verzeichnete ein Wachstum von knapp 30 Prozent, während Wraps um rund neun Prozent zulegten. Diese Produkte profitieren vor allem davon, dass sie schnell konsumiert werden können und sich gut in einen mobilen Alltag integrieren lassen.
Proteinreiche Lebensmittel im Aufwind
Parallel dazu wächst das Interesse an gesunder Ernährung. Besonders proteinreiche Lebensmittel entwickeln sich zu einem der dynamischsten Segmente im Lebensmittelmarkt. Im Jahr 2025 legten Produkte mit hohem Eiweißanteil um 27,4 Prozent beim Umsatz zu.
Ein Beispiel dafür ist Skyr: Das isländische Magermilchprodukt erfreut sich weiterhin steigender Nachfrage. Laut NIQ-Daten wuchs der Absatz im Zwölfmonatszeitraum bis Februar 2025 um über 30 Prozent und bis Februar 2026 sogar um mehr als 43 Prozent. Rund 1,5 Millionen Haushalte haben das Produkt im vergangenen Jahr erstmals gekauft.
Funktionelle Lebensmittel gewinnen an Bedeutung
Neben Proteinprodukten steigt auch die Nachfrage nach sogenannten funktionellen Lebensmitteln. Dazu zählen Produkte, die über den reinen Nährwert hinaus zusätzliche gesundheitliche Vorteile bieten. Beispiele sind probiotische Lebensmittel, ballaststoffreiche Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren.
Der Trend zeigt: Verbraucher wollen zunehmend mehrere Vorteile gleichzeitig – etwa Lebensmittel, die schnell verfügbar, gesund und funktional sind.
Wandel im Alltag verändert Essgewohnheiten
Auch gesellschaftliche Veränderungen wirken sich auf das Ernährungsverhalten aus. Neue Arbeitsmodelle, Homeoffice und der wachsende Einsatz von KI verändern zunehmend den Tagesablauf vieler Menschen – und damit auch Essenszeiten und Konsumgewohnheiten.
Für Hersteller und Händler bedeutet das, neue Produktformate zu entwickeln, die zu flexibleren Essenssituationen passen. Gleichzeitig gewinnen digitale Vertriebskanäle, Social Commerce, Influencer und Retailer-Apps an Bedeutung, wenn es um die Vermarktung neuer Lebensmitteltrends geht.


