Führungskompetenz wird zunehmend unabhängig vom Geschlecht wahrgenommen. Das zeigt die neue Capgemini-Studie „Gender und Leadership“, für die weltweit 2.750 Führungskräfte befragt wurden. Demnach bescheinigen sich Männer und Frauen heute in ähnlichem Maß Selbstbewusstsein und Führungsstärke. Doch gerade bei Zukunftsthemen wie Künstlicher Intelligenz (KI) und Datenanalyse halten sich stereotype Zuschreibungen hartnäckig – vor allem unter männlichen Befragten.
Frauen gelten als ebenso gute Führungskräfte – auch in Deutschland
Weltweit sehen 77 Prozent der Führungskräfte Frauen als ebenso effektiv wie Männer in Führungspositionen. In Deutschland liegt dieser Wert sogar bei 81 Prozent. Besonders auffällig: Auch das Selbstvertrauen ist bei weiblichen Führungskräften gestiegen. 58 Prozent der befragten Frauen nennen dies als Stärke – ein Wert, der nahezu gleichauf mit den Männern (59 Prozent) liegt. Zudem glauben 68 Prozent der internationalen Führungskräfte, dass mehr Frauen in leitenden Funktionen die Unternehmensleistung steigern – in Deutschland sind es 74 Prozent.
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Technik bleibt männlich konnotiert – vor allem aus männlicher Sicht
Trotz dieser positiven Entwicklungen zeigt die Capgemini-Studie, dass insbesondere technische Zukunftskompetenzen weiterhin stark männlich konnotiert werden. Fähigkeiten wie KI, Automatisierung, Agilität oder Innovation werden von vielen Männern als „typisch männlich“ eingeschätzt. Frauen sehen diese Kompetenzen dagegen überwiegend als geschlechtsneutral oder im Fall von Innovationskraft sogar als weiblich geprägt.
Diese Wahrnehmungslücke ist besonders bei KI auffällig. Während rund die Hälfte der männlichen Führungskräfte KI als männlich besetzt betrachtet, sehen weibliche Befragte sie vorwiegend neutral. Dabei herrscht Einigkeit über die Relevanz dieser Kompetenz: Drei Viertel aller Befragten halten KI-Know-how für entscheidend beim Aufstieg in Führungsetagen. Gleichzeitig mangelt es vielen an Selbstvertrauen in diesem Bereich – nur 45 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer bezeichnen technologische Fähigkeiten als persönliche Stärke.
Geschlechterstereotype bremsen Karrieren – für beide Seiten
Die Studie zeigt, dass stereotype Vorstellungen nicht nur Frauen benachteiligen. Während 53 Prozent der befragten Frauen weltweit angaben, dass sich ihr Geschlecht negativ auf das Gehalt auswirkt, berichten 43 Prozent der Männer über Vorteile bei der Bezahlung. Auch beim Thema Beförderung zeigt sich ein Ungleichgewicht: Nur 54 Prozent der deutschen Führungskräfte glauben an gleiche Aufstiegschancen für beide Geschlechter.
Zudem empfinden 40 Prozent der Männer eine schlechte Work-Life-Balance als Karrierehindernis – ein Zeichen dafür, dass auch Männer unter Geschlechterrollen leiden. Fast ebenso viele (39 Prozent weltweit) berichten, dass qualifizierte Frauen in ihren Unternehmen bei Beförderungen übersehen werden.
Felizitas Graeber, Managing Director bei Capgemini Invent Deutschland, fordert deshalb gezielte Maßnahmen: „Geschlechterstereotype verzerren nicht nur die Wahrnehmung von Kompetenzen – sie verhindern auch gerechte Karrierewege. Unternehmen müssen hier aktiv gegensteuern und durch Trainings und Strukturen eine inklusive Führung fördern.“


