Nachdem Mai im bereits Verkaufsabsichten angekündigt wurden, steht GoPro nun vor einem grundlegenden Umbau seines Geschäftsmodells. Der Actionkamera-Hersteller fusioniert mit dem US-Photonikspezialisten Starman Optical und soll sich dadurch zu einem breiter aufgestellten Optik- und Imaging-Unternehmen entwickeln. Neben Consumer-Produkten rücken künftig KI-Rechenzentren, Verteidigung, Luft- und Raumfahrt sowie Robotik in den Fokus.
Die bisherigen GoPro-Aktionäre sollen laut Investorenmitteilung insgesamt 285 Millionen US-Dollar in bar erhalten und mit rund zehn Prozent am kombinierten Unternehmen beteiligt bleiben. Gleichzeitig sollen beim Abschluss rund 92 Millionen Dollar bestehende Verbindlichkeiten von GoPro vollständig zurückgezahlt werden.
Deal soll GoPros finanzielle Probleme entschärfen
Die Barkomponente entspricht 1,14 Dollar je GoPro-Aktie, kann jedoch abhängig vom Nettoumlaufvermögen zum Abschluss noch angepasst werden. Die Boards beider Unternehmen haben der Transaktion bereits zugestimmt. Der Vollzug ist bis Ende 2026 vorgesehen und steht unter anderem unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen und der Zustimmung der GoPro-Aktionäre.
Für GoPro bedeutet die Fusion vor allem eine Rekapitalisierung. Das Unternehmen hatte zuletzt mit rückläufigen Erlösen und Verlusten zu kämpfen. 2025 sank der Umsatz auf 651,5 Millionen Dollar, nachdem 2023 noch mehr als eine Milliarde Dollar erzielt worden war. Der Nettoverlust belief sich 2025 auf 93,5 Millionen Dollar, woraufhin das Unternehmen im Frühjahr rund ein Viertel seiner Belegschaft entlassen hatte.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Kamerageschäft steht seit Jahren unter Druck
Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche im Hardwaregeschäft. GoPro setzte 2025 rund 1,8 Millionen Kameras ab und damit knapp ein Viertel weniger als im Vorjahr. Die Hardwareerlöse gingen um 21,5 Prozent auf 545,3 Millionen Dollar zurück.
Auch 2026 setzte sich die schwierige Entwicklung fort. Im zweiten Quartal erreichte der Umsatz lediglich 105 Millionen Dollar. Die finanzielle Situation hatte sich dabei so weit verschärft, dass GoPro erhebliche Zweifel an seiner Fähigkeit zur Unternehmensfortführung äußerte. Gründer und CEO Nicholas Woodman stellte im Juli über verbundene Gesellschaften weitere 20 Millionen Dollar Finanzierung bereit.
Starman bringt Photonik für KI-Rechenzentren ein
Strategisch soll die Fusion GoPro weit über den bisherigen Kameramarkt hinausführen. Starman New Photonics entwickelt optische Transceiver mit Übertragungsraten von 800 Gigabit und 1,6 Terabit für Hyperscale-Rechenzentren. Solche Komponenten dienen der schnellen Datenübertragung innerhalb leistungsfähiger KI-Infrastrukturen.
GoPro bringt seinerseits Kompetenzen bei Optik, Kameratechnik, Bildstabilisierung, Software und Miniaturisierung ein. Hinzu kommt nach Unternehmensangaben ein Bestand von mehr als 2.500 US-Patenten. Diese Technologien sollen künftig auch für Anwendungen in Verteidigung, Robotik sowie Luft- und Raumfahrt genutzt werden.
Consumer-Marke GoPro soll erhalten bleiben
Trotz der neuen Ausrichtung soll das bisherige Consumer-Geschäft weitergeführt werden. Bestehende Produkte sowie Abonnement- und Cloud-Angebote sollen unterstützt und die Produktpalette weiterentwickelt werden.
Damit entsteht allerdings ein ungewöhnlicher Technologiemix. Consumer-Kameras, optische Komponenten für KI-Rechenzentren und Lösungen für staatliche oder militärische Kunden unterscheiden sich erheblich bei Entwicklungszyklen, Vertrieb und Marktanforderungen. Ob sich die technologischen Gemeinsamkeiten erfolgreich in ein integriertes Geschäftsmodell übersetzen lassen, bleibt offen.
Fusion ist Sanierung und strategische Wette zugleich
Die Transaktion könnte GoPro zunächst von einem wesentlichen Teil seines finanziellen Drucks befreien. Gleichzeitig hängt die langfristige Perspektive davon ab, ob Starmans Photonikgeschäft skalierbar ist und sich GoPros Imaging-Technologie erfolgreich auf neue industrielle Märkte übertragen lässt.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die begrenzte finanzielle Transparenz von Starman Optical. Im Zusammenhang mit der Transaktion wurden keine umfassenden Finanzkennzahlen des Unternehmens veröffentlicht. Für GoPro markiert der Deal damit nicht nur eine Sanierung, sondern eine weitreichende Wette auf ein neues Geschäftsmodell jenseits der Actionkamera.





