Die Konsumgüterindustrie will ihr Wachstum künftig stärker von zusätzlichem Personal entkoppeln. Laut der Horváth-Studie „Consumer Goods 2026“ rechnen die befragten Unternehmen für 2026 mit einem Umsatzplus von 6,7 Prozent und für 2027 mit weiteren 7,0 Prozent. Die Belegschaften sollen im gleichen Zeitraum dagegen nur um 0,5 beziehungsweise 1,4 Prozent wachsen.
Damit verschiebt sich die Erfolgslogik der Branche. Höhere Produktivität, weniger Komplexität und eine präzisere Unternehmenssteuerung rücken in den Vordergrund. Künstliche Intelligenz soll dabei eine zentrale Rolle spielen.
Enterprise AI wird zur Voraussetzung
97 Prozent der befragten Führungskräfte sind überzeugt, dass Enterprise AI künftig kein Differenzierungsmerkmal mehr sein wird, sondern eine Grundvoraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit.
Noch ist KI jedoch nicht überall dort fest verankert, wo wichtige Managemententscheidungen getroffen werden. Besonders bei Performance Management, Planung und Entscheidungsunterstützung sieht Horváth noch Reifegradlücken.
Als größte Hürden nennen die Unternehmen weniger die Investitionskosten als vielmehr die Integration in bestehende Prozesse, eine belastbare Datenbasis, End-to-End-Verknüpfung und Datensicherheit.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Weniger Portfolio-Komplexität soll Margen stärken
Auch bei der Profitabilität erwarten die Unternehmen Fortschritte. Die durchschnittliche EBIT-Marge soll 2026 von 8,1 auf 8,6 Prozent steigen, während die SG&A-Quote leicht von 20,6 auf 20,4 Prozent sinken soll.
Gleichzeitig bleibt die Branche strukturell von vergleichsweise hohen Gemeinkosten und komplexen Portfolios geprägt. Breite Sortimente, zahlreiche Varianten und gewachsene Organisationsstrukturen erschweren nach Einschätzung der Studie eine effiziente Steuerung.
81 Prozent der Führungskräfte sehen deshalb die Reduktion der Portfolio-Komplexität als wichtigen Hebel für Produktivität und Marge. Marken, Produkte, Varianten und Kanäle sollen stärker nach ihrem tatsächlichen Wertbeitrag gesteuert werden.
Pricing und Kundenvertrauen gewinnen an Bedeutung
Auch Pricing wird strategisch wichtiger, liegt in der Prioritätenliste der befragten Führungskräfte jedoch nur auf Rang elf. Horváth sieht hier ungenutztes Potenzial für Umsatz- und Margenverbesserungen.
Gleichzeitig wird Vertrauen zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor. 75 Prozent der Befragten sehen Consumer Trust als Treiber für Preissetzungsspielraum und Kundenloyalität.
65 Prozent erwarten zudem, dass Plattformen, Handelspartner und Algorithmen künftig stärker bestimmen, wie Nachfrage entsteht. 70 Prozent betrachten Direct-to-Consumer-Modelle deshalb als strategischen Hebel, um Kundenzugang, Preissteuerung und Margen besser kontrollieren zu können.
Wachstum verlagert sich in neue Regionen
Auch Investitions- und Personalentscheidungen verändern sich. Deutsche Konsumgüterunternehmen wollen 19 Prozent ihres Investitionsbudgets der kommenden fünf Jahre in Deutschland einsetzen, 15 Prozent in West- und Südeuropa und 10 Prozent in Nordamerika.
Beim Personal verschiebt sich der Schwerpunkt dagegen stärker in Wachstumsregionen. 73 Prozent der Unternehmen planen bis 2030 einen Beschäftigungsaufbau in Indien, 67 Prozent in Asien und 65 Prozent in Nordamerika.
In West- und Südeuropa erwarten dagegen nur rund 24 Prozent einen Personalaufbau. Die Studie deutet diese Entwicklung als Hinweis auf eine stärkere Trennung zwischen kapitalgebundener Resilienz und personellem Wachstum.
Operating Model wird zur verbindenden Klammer
Horváth kommt zu dem Schluss, dass Wachstum, Profitabilität, Resilienz, Pricing, Vertrauen und KI künftig nicht mehr isoliert gesteuert werden können.
Entscheidend sei vielmehr ein integriertes Operating Model, das Portfolio, Technologie, Investitionen und Organisation miteinander verbindet. Ressourcen sollen gezielter in Wachstumsfelder verlagert werden, ohne neue Komplexität aufzubauen.
Für die Studie wurden 62 Vorstände und Geschäftsführer aus Konsumgüterunternehmen in persönlichen Tiefeninterviews befragt. Sie ist Teil der branchenübergreifenden Horváth-Erhebung „CxOs Priorities 2026“ mit insgesamt mehr als 1.000 Unternehmensverantwortlichen.





