Die KaDeWe GmbH führt ihre drei deutschen Luxuswarenhäuser unter einer gemeinsamen Markenarchitektur zusammen. Seit dem 14. September treten das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und der Oberpollinger in München unter der Dachmarke „Houses of KaDeWe“ auf.
Die traditionsreichen Namen der einzelnen Häuser bleiben bestehen. Gleichzeitig soll ihre Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Gruppe deutlich sichtbarer werden. Alsterhaus und Oberpollinger erhalten dafür neue Schriftzüge, die sich gestalterisch stärker am Berliner KaDeWe orientieren.
KaDeWe-Marke soll auf Hamburg und München abstrahlen
Die strategische Logik liegt vor allem in der Bekanntheit des Berliner Stammhauses. Das KaDeWe besitzt international eine deutlich höhere Markenreichweite als Alsterhaus und Oberpollinger.
Mit der Dachmarke soll diese Strahlkraft künftig stärker auf alle drei Standorte übertragen werden, ohne deren lokale Identität aufzugeben. Für internationale Kundschaft kann der Zusatz „House of KaDeWe“ damit als gemeinsames Qualitäts- und Herkunftssignal dienen. Auch Marketing, digitale Kommunikation und Kundenbindungsangebote lassen sich auf diese Weise stärker bündeln.
Operativ sind die drei Warenhäuser bereits seit Jahren eng miteinander verbunden. Einkauf, Sortimente, Marketing und weitere zentrale Funktionen werden standortübergreifend gesteuert.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Loyalty als Bindeglied der neuen Markenfamilie
Eine zentrale Rolle in der neuen Markenarchitektur spielt das gemeinsame Loyalty-Programm „Access“. Es verbindet KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger auch auf Kundenseite und bündelt Punkte, Gutscheine, Statusvorteile und Services in einem System. Für jeden ausgegebenen Euro erhalten Mitglieder einen Punkt, zum Jahresende werden daraus Gutscheine und Coupons. Mit steigender Statusstufe wachsen zudem die Vorteile – von Pre-Sales und exklusiven Aktionen bis zu Beauty-Treatments, Personal Shopping oder besonderen Hospitality-Angeboten.
Die Access-App wird dabei zur digitalen Schnittstelle der drei Häuser. Mitglieder können dort ihre Loyalty Card, Einkäufe, Punkte und Coupons verwalten, Services buchen und sich über Events, Pop-ups und aktuelle Angebote informieren.
Für KaDeWe ist das Programm damit mehr als ein klassisches Rabattsystem: Access soll die Kundenbindung über alle drei Standorte hinweg stärken und die neue Markenfamilie auch digital zusammenführen.
Rebranding folgt auf Insolvenz und Eigentümerwechsel
Die neue Markenarchitektur kommt rund zwei Jahre nach der tiefgreifenden Neuordnung des Unternehmens. Anfang 2024 hatte die damalige The KaDeWe Group im Umfeld der Signa-Krise Insolvenz angemeldet. Ein wesentlicher Belastungsfaktor waren nach damaliger Darstellung hohe Mietverpflichtungen und die Trennung zwischen operativem Warenhausgeschäft und Immobilienbesitz.
Die thailändische Central Group übernahm anschließend sowohl die Berliner KaDeWe-Immobilie als auch die operativen Vermögenswerte der drei Häuser. Seit August 2024 werden KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger unter der neu gegründeten KaDeWe GmbH fortgeführt.
Central richtet Luxusgeschäft langfristig neu aus
Die Central Group ist seit Jahren im europäischen Premium- und Luxuswarenhausgeschäft engagiert und hatte sich bereits vor der Signa-Insolvenz an der damaligen KaDeWe Group beteiligt.
Mit der vollständigen operativen Kontrolle über die deutschen Häuser verfolgt der Handelskonzern nun einen klareren langfristigen Kurs. Nach der finanziellen und rechtlichen Restrukturierung folgt mit der Dachmarke der nächste Schritt der strategischen Positionierung.
Dabei setzt Central auf einen Verbund aus drei starken Innenstadtstandorten, gemeinsamer Markenführung und einer stärker integrierten Kundenansprache.
Lokale Identität bleibt entscheidend
Trotz der Vereinheitlichung bleibt die Eigenständigkeit der drei Häuser ein wichtiger Bestandteil der Strategie. KaDeWe, Oberpollinger und Alsterhaus verfügen jeweils über mehr als 100 Jahre Geschichte und eine starke regionale Verankerung.
Eine vollständige Umbenennung hätte deshalb erhebliche Markenwerte gefährden können. Die neue Architektur versucht stattdessen, lokale Identität mit internationaler Wiedererkennbarkeit zu verbinden.
Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt nun nach dem Rebranding. Für nachhaltigen Erfolg müssen die Häuser ihre Position als Premiumdestinationen gegenüber Markenboutiquen und Onlinehandel behaupten und zugleich Services, Gastronomie, Events und exklusive Sortimente stärker als Differenzierungsmerkmal nutzen.


