IKEA baut sein digitales Handelsgeschäft in China aus und ist seit dem vergangenen Wochenede mit einem offiziellen Flagship-Store auf der Social-Commerce-Plattform Douyin vertreten. Über den neuen Vertriebskanal bietet der Möbelhändler laut Pressemitteilung mehr als 6.500 Einrichtungsprodukte aus 179 Warengruppen an. Lieferungen sind in 301 chinesische Städte möglich.
Mit dem Einstieg auf Douyin erweitert die Ingka Group, der weltweit größte IKEA-Einzelhändler, ihre Präsenz im chinesischen Onlinehandel. Douyin gehört wie TikTok zum Technologiekonzern ByteDance und verbindet Kurzvideos, digitale Inhalte und Einkaufsmöglichkeiten.
IKEA verbindet Einrichtungsideen mit direktem Einkauf
Der neue Onlineshop soll Kunden bereits bei der Suche nach Einrichtungsideen erreichen. Nutzer können Produkte in Videos und anderen digitalen Inhalten entdecken und anschließend direkt über die Plattform bestellen.
Damit setzt IKEA auf ein Handelsmodell, bei dem Unterhaltung, Inspiration und Kaufabschluss enger miteinander verbunden sind. Anders als bei klassischen Onlineshops beginnt der Kontakt mit einem Produkt häufig ohne konkrete Kaufabsicht.
Der Flagship-Store ergänzt die bestehenden Vertriebskanäle von IKEA in China. Dazu gehören stationäre Einrichtungshäuser, die eigene Website, die IKEA-App, WeChat und weitere E-Commerce-Angebote.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Douyin wird Teil der Omnichannel-Strategie
IKEA verfolgt mit der Erweiterung das Ziel, unterschiedliche Kontaktpunkte stärker miteinander zu verknüpfen. Kunden sollen unabhängig vom gewählten Kanal ein möglichst einheitliches Einkaufserlebnis erhalten. Lydia Song, amtierende Geschäftsführerin und Präsidentin von IKEA China sowie Chief Sustainability Officer, sieht in Douyin eine Möglichkeit, das Unternehmen in neuen digitalen Nutzungssituationen zu positionieren.
Dabei gehe es nicht ausschließlich um einen zusätzlichen Verkaufskanal. IKEA wolle besser verstehen, wie chinesische Verbraucher Einrichtungsideen entdecken, mit Marken interagieren und Kaufentscheidungen treffen.
Der chinesische Markt gilt für den Konzern als wichtiger Standort, um neue digitale Handelsmodelle und Veränderungen im Kundenverhalten zu untersuchen.
Mehr als 6.500 Produkte in 179 Kategorien
Zum Start umfasst das Sortiment auf Douyin über 6.500 Artikel aus unterschiedlichen Bereichen der Wohnungseinrichtung. Die Produkte verteilen sich auf insgesamt 179 Kategorien. Mit der Liefermöglichkeit in 301 Städten erreicht IKEA über den neuen Kanal Kunden in weiten Teilen Chinas. Das Angebot soll den Zugang zum Sortiment erleichtern und zusätzliche digitale Kaufgelegenheiten schaffen.
Die Verbindung von Produktpräsentation und direkter Bestellfunktion ermöglicht es IKEA, Kunden sowohl während der Inspirationsphase als auch beim konkreten Einkauf anzusprechen.
Angaben zu Umsatzzielen, Investitionsvolumen oder erwarteten Bestellzahlen für den neuen Flagship-Store machte das Unternehmen nicht.
Ingka Group testet neue digitale Handelsmodelle
Die Einführung auf Douyin ist Bestandteil einer umfassenderen Digitalstrategie der Ingka Group. Der Konzern erprobt international verschiedene Technologien und Vertriebsmöglichkeiten, um den Einkauf von Einrichtungsprodukten weiterzuentwickeln.
Dazu zählen digitale Planungs- und Visualisierungsangebote wie IKEA Kreativ, KI-gestützte Kundenbetreuung und neue Einkaufserlebnisse in interaktiven digitalen Umgebungen. Parag Parekh, Chief Digital Officer bei IKEA Retail, betrachtet Plattformen wie Douyin insbesondere als Möglichkeit, die zunehmende Verbindung von Inspiration, Kommunikation und Handel besser zu verstehen.
Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, bestehende digitale Angebote weiterzuentwickeln und unterschiedliche Vertriebskanäle enger aufeinander abzustimmen.
Erkenntnisse aus China sollen international genutzt werden
Die Ingka Group will das Kundenverhalten auf Douyin gezielt auswerten. Rückmeldungen und Nutzungsdaten sollen zunächst zur Verbesserung des chinesischen Angebots beitragen. Darüber hinaus plant IKEA, Erfahrungen aus dem neuen Vertriebskanal in seine internationale Omnichannel-Strategie einfließen zu lassen.
Der Start verdeutlicht die wachsende Bedeutung von Content-Commerce-Plattformen für den Einzelhandel. Produkte werden zunehmend dort angeboten, wo Verbraucher digitale Inhalte konsumieren und sich inspirieren lassen.
Für IKEA ist Douyin damit nicht nur eine zusätzliche Verkaufsfläche, sondern auch ein Testfeld für die weitere Verzahnung von digitalen Inhalten, Kundeninteraktion und E-Commerce.




