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Gartner-Prognose: Quantencomputer knacken 2027 die Milliarden-Dollar-Marke

Illustrierter Prozessor eines Quantencomputers
Foto: depositphotos.com

Key takeaways

➟ Staatliche Investitionen und steigende Nachfrage aus der Finanzbranche treiben eine junge Technologie voran. Gleichzeitig droht zahlreichen Anbietern das Aus, weil wirtschaftlich tragfähige Anwendungen und zuverlässige Systeme fehlen.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Der weltweite Markt für Quantencomputing steht vor einem wichtigen Wachstumsschritt. Nach einer aktuellen Prognose des Marktforschungsunternehmens Gartner sollen die Umsätze mit Quantencomputing-Technologien 2027 erstmals die Marke von einer Milliarde US-Dollar überschreiten. Gleichzeitig erwarten die Analysten eine umfassende Marktbereinigung, bei der bis 2030 mehr als die Hälfte der spezialisierten Startups verschwinden könnte.

Für 2026 prognostiziert Gartner einen weltweiten Branchenumsatz von 869,9 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 22,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2027 soll das Marktvolumen auf rund 1,1 Milliarden Dollar steigen. Treiber sind steigende Investitionen von Staaten und Unternehmen sowie technologische Fortschritte bei der Leistungsfähigkeit von Quantenprozessoren.

Technologische Fortschritte beschleunigen die Entwicklung

Nach Einschätzung von Gartner haben Regierungen und Unternehmen ihre Investitionen in Forschung, Patente, Kooperationen und erste praktische Anwendungen deutlich ausgeweitet. Gleichzeitig verbessern sich Quantenalgorithmen, Verarbeitungsgeschwindigkeiten und die Skalierbarkeit der Systeme schneller als ursprünglich erwartet.

Besonders relevant sind Fortschritte bei der Fehlerreduzierung. Aktuelle Quantenprozessoren verfügen inzwischen über ausreichend Qubits, um bestimmte komplexe Aufgaben unter eingeschränkten Bedingungen zu bearbeiten. Gartner sieht darin den Beginn einer Phase, in der erste praktische Vorteile gegenüber klassischen Rechenverfahren sichtbar werden.

Von einer breiten kommerziellen Nutzung ist die Technologie allerdings noch entfernt. Viele Systeme arbeiten weiterhin fehleranfällig und benötigen aufwendige technische Umgebungen. Für Unternehmen bleibt der Aufbau von Fachwissen deshalb zunächst ebenso wichtig wie die unmittelbare wirtschaftliche Verwertung.

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Öffentlicher Sektor bleibt zunächst größter Auftraggeber

Bis einschließlich 2027 erwartet Gartner die höchsten Ausgaben für Quantencomputing im öffentlichen Sektor. Regierungen investieren insbesondere deshalb, weil sie sich technologische Unabhängigkeit und eine führende Position in einem strategisch wichtigen Zukunftsmarkt sichern wollen.

Die entsprechenden Ausgaben sollen von 219 Millionen US-Dollar im Jahr 2026 auf 245 Millionen Dollar im Jahr 2027 steigen. Nationale Forschungsprogramme, staatliche Entwicklungsinitiativen und Kooperationen mit Technologieunternehmen dürften dabei eine zentrale Rolle spielen.

Die staatliche Nachfrage trägt wesentlich zur Finanzierung der noch jungen Branche bei. Gleichzeitig zeigt sie, dass sich ein erheblicher Teil des Marktes weiterhin auf langfristige Forschungs- und Entwicklungsziele konzentriert.

Finanzbranche übernimmt ab 2028 die Marktführerschaft

Ab 2028 rechnet Gartner mit einer Verschiebung der Nachfrage. Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen sollen dann den öffentlichen Sektor als wichtigste Kundengruppe ablösen und diese Position voraussichtlich bis 2030 behaupten.

Für 2028 prognostizieren die Analysten Ausgaben von 289 Millionen US-Dollar in der Finanzbranche. Der öffentliche Sektor soll im selben Jahr auf 280 Millionen Dollar kommen. Ausschlaggebend sind das verfügbare Investitionskapital und mögliche wirtschaftliche Vorteile durch neue Berechnungsverfahren.

Zu den wichtigsten potenziellen Einsatzgebieten zählen die Optimierung von Anlageportfolios, komplexe Risikomodelle und die Erkennung betrügerischer Transaktionen. Gerade bei rechenintensiven Optimierungsproblemen erhoffen sich Finanzunternehmen langfristig erhebliche Effizienzgewinne.

Ob sich diese Erwartungen in der Praxis erfüllen, hängt jedoch davon ab, ob Quantencomputer bei konkreten Aufgaben tatsächlich wirtschaftliche Vorteile gegenüber etablierten Technologien erzielen können.

Mehr als die Hälfte der Quanten-Startups könnte verschwinden

Trotz steigender Umsätze beurteilt Gartner die Marktstruktur kritisch. Gemessen am derzeitigen Geschäftsvolumen konkurrieren nach Einschätzung der Analysten zu viele Anbieter um begrenzte kommerzielle Einnahmen.

Bis 2030 könnten deshalb mehr als 50 Prozent der Quantencomputing-Startups aus dem Markt ausscheiden. Besonders gefährdet sind Unternehmen, deren technische Ansätze keine ausreichend zuverlässigen, fehlertoleranten Quantencomputer ermöglichen.

Die Branche verfolgt unterschiedliche Technologien zur Realisierung von Qubits. Langfristig dürften sich vor allem jene Verfahren durchsetzen, die sich zuverlässig skalieren lassen und komplexe Berechnungen mit wirksamer Fehlerkorrektur ermöglichen.

Die erwartete Konsolidierung bedeutet allerdings nicht zwangsläufig eine Abschwächung der technologischen Entwicklung. Vielmehr könnte sich der Markt auf weniger Anbieter konzentrieren, die über tragfähige Geschäftsmodelle und leistungsfähigere Systeme verfügen.

Gartner empfiehlt Unternehmen eine langfristige Strategie

Trotz der Unsicherheiten rät Gartner IT-Verantwortlichen, sich frühzeitig mit Quantencomputing auseinanderzusetzen. Unternehmen sollten die Technologie nicht als kurzfristiges Investitionsprojekt betrachten, sondern ihre Vorbereitung über mehrere Jahre planen.

Dazu gehören der Aufbau interner Kompetenzen, die Identifizierung geeigneter Anwendungsfälle und strategische Partnerschaften mit Forschungseinrichtungen oder Technologieanbietern. Erste Investitionen können helfen, technologische Entwicklungen besser einzuschätzen und mögliche Wettbewerbsvorteile rechtzeitig zu erkennen.

Gleichzeitig sollten Unternehmen realistische Erwartungen an die wirtschaftliche Nutzbarkeit entwickeln. Der prognostizierte Milliardenumsatz für 2027 markiert zwar einen bedeutenden Fortschritt, bleibt im Vergleich zu etablierten IT-Märkten jedoch überschaubar.

Die kommenden Jahre dürften daher von zwei gegenläufigen Entwicklungen geprägt sein: steigenden Investitionen und technologischen Fortschritten einerseits sowie einer deutlichen Bereinigung der Anbieterlandschaft andererseits. Für Unternehmen wird entscheidend sein, frühzeitig Kompetenzen aufzubauen, ohne sich auf kurzfristige Durchbrüche zu verlassen.

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