Französische Kosmetikhersteller berichten über zunehmende Schwierigkeiten bei der Einfuhr ihrer Produkte nach China. Nach Angaben des Branchenverbands Cosmetic Valley verzögern sich sowohl die Zollabfertigung als auch behördliche Registrierungsverfahren. Einzelne Unternehmen schätzen, dass derzeit rund 15 Prozent ihrer für China vorgesehenen Waren beim Zoll festliegen.
Der Verband vermutet einen Zusammenhang mit Frankreichs verschärftem Vorgehen gegen Ultra-Fast-Fashion und den europäischen Abgaben auf kleine Warensendungen. Eine offizielle Bestätigung, dass China gezielt Gegenmaßnahmen gegen französische Kosmetikprodukte ergriffen hat, liegt bislang nicht vor.
Kosmetikhersteller melden blockierte Lieferungen
Cosmetic-Valley-Präsident Marc-Antoine Jamet machte gegenüber Reuters auf die Schwierigkeiten französischer Exporteure aufmerksam. Unternehmen müssten demnach mit längeren Abfertigungszeiten und Verzögerungen bei Produktregistrierungen rechnen.
Die von einzelnen Herstellern genannte Quote von rund 15 Prozent zurückgehaltener Waren ist allerdings keine repräsentative Branchenkennzahl. Eine umfassende Erhebung zum tatsächlichen Umfang der betroffenen Lieferungen liegt nicht vor.
Für Kosmetikunternehmen können längere Zollverfahren erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Verzögerungen beeinträchtigen die Warenversorgung chinesischer Handelspartner, erhöhen die Kapitalbindung und erschweren die Einführung neuer Produkte.
Besonders betroffen sein könnten Unternehmen, deren Geschäft stark von saisonalen Verkaufsaktionen und kurzfristigen Produkteinführungen abhängt.
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Streit um Shein und Temu belastet Handelsbeziehungen
Als möglichen Auslöser nennt Cosmetic Valley die verschärfte französische Regulierung von Ultra-Fast-Fashion. Frankreich hatte im September 2026 zusätzliche Maßnahmen gegen entsprechende Geschäftsmodelle eingeführt. Hinzu kommen europäische Abgaben auf kleine Paketsendungen, die den grenzüberschreitenden Onlinehandel betreffen.
Die Regelungen berühren insbesondere Plattformen wie Shein und Temu, deren Geschäftsmodelle stark auf preisgünstigen Produkten und internationalen Direktlieferungen beruhen. Bereits im Juli hatte das chinesische Handelsministerium die französischen Maßnahmen kritisiert und mögliche Reaktionen angekündigt. Jamet sieht einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Auseinandersetzungen und den aktuellen Problemen französischer Kosmetikexporte.
Die chinesischen Behörden haben eine solche Verbindung bislang jedoch nicht bestätigt. Offen bleibt deshalb, ob die Verzögerungen politisch motiviert sind oder andere administrative Ursachen haben.
China ist zweitwichtigster Exportmarkt der Branche
Für Frankreichs Kosmetikindustrie besitzt der chinesische Markt erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Nach den von Cosmetic Valley genannten Zahlen exportierten französische Hersteller 2025 Kosmetikprodukte im Wert von rund 1,8 Milliarden Euro nach China. Damit war das Land der zweitgrößte Auslandsmarkt der Branche.
Die weltweiten französischen Kosmetikausfuhren erreichten im selben Zeitraum 22,4 Milliarden Euro. Auf China entfielen somit rechnerisch etwa acht Prozent des gesamten Exportwertes. Verzögerungen bei der Einfuhr können deshalb zahlreiche Hersteller und Vertriebspartner betreffen.
Neben der eigentlichen Warenabfertigung spielen behördliche Produktregistrierungen eine wichtige Rolle. Werden entsprechende Verfahren verlängert, kann dies auch geplante Markteinführungen beeinträchtigen.
Handelskonflikt könnte weitere Branchen erfassen
Die Schwierigkeiten zeigen, wie sich regulatorische Auseinandersetzungen zwischen Handelspartnern auf unterschiedliche Wirtschaftszweige auswirken können. Während Frankreich mit strengeren Vorgaben für Ultra-Fast-Fashion unter anderem ökologische Belastungen und Wettbewerbsprobleme adressieren will, betrachtet China bestimmte Maßnahmen als mögliche Benachteiligung seiner Onlinehandelsunternehmen.
Sollte sich der vermutete Zusammenhang bestätigen, könnten französische Kosmetikhersteller indirekt von einem Konflikt betroffen sein, der ursprünglich den internationalen Modehandel betrifft. Bislang gibt es allerdings keinen belastbaren Nachweis für eine formell angeordnete chinesische Vergeltungsmaßnahme.
Auch die Dauer der aktuellen Verzögerungen und ihre tatsächlichen Auswirkungen auf Umsatz und Liefermengen lassen sich derzeit nicht zuverlässig beziffern.
Exporteure stehen international unter Druck
Zusätzlich zu den Problemen in China sieht sich die französische Kosmetikbranche mit handelspolitischen Belastungen auf dem US-Markt konfrontiert. Während zusätzliche Zölle die Preisgestaltung und Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen können, erschweren unvorhersehbare Zollverfahren die Planung internationaler Lieferketten.
Für Hersteller und Händler steigt damit die Bedeutung einer diversifizierten Absatzstrategie und verlässlicher regulatorischer Prozesse. Entscheidend wird sein, ob chinesische Behörden die betroffenen Produkte zeitnah freigeben und ob sich die Verzögerungen auf weitere Unternehmen ausweiten.
Der Fall verdeutlicht zugleich die wirtschaftlichen Risiken internationaler Handelskonflikte. Selbst Unternehmen außerhalb des ursprünglich betroffenen Wirtschaftszweigs können durch veränderte Einfuhrbedingungen unter Druck geraten.



