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Social Media erst ab 13 Jahren: Bitkom fordert differenzierten Jugendschutz

Kinder auf dem Sofa mit zwei Tablets
Foto: Helena Lopes / Pexels

Key takeaways

➟ Die Bundesregierung plant ein Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige und ein "KI-Seepferdchen" für Grundschulkinder. Bitkom kritisiert pauschale Altersgrenzen. Laut Umfrage unterstützen 79 Prozent den geplanten Kompetenznachweis.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die Bundesregierung plant ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren und will zugleich die digitale Bildung an Grundschulen stärken. Bestandteil der gestern vorgestellten Eckpunkte ist ein sogenanntes KI-Seepferdchen, mit dem Kinder grundlegende Kompetenzen im Umgang mit künstlicher Intelligenz erwerben sollen.

Der Digitalverband Bitkom begrüßt die geplante Förderung digitaler Fähigkeiten, kritisiert jedoch ein pauschales Zugangsverbot zu sozialen Netzwerken. Eine aktuelle Umfrage zeigt unterdessen breite Zustimmung zum KI-Kompetenznachweis: 79 Prozent der Befragten halten dessen Einführung für sinnvoll.

Bundesregierung plant neue Regeln für soziale Netzwerke

Mit nationalen Vorgaben, die an den EU-weiten Vorschlag von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angelehnt ist, will die Bundesregierung den Zugang zu Social-Media-Angeboten für unter 13-Jährige zunächst untersagen. Gleichzeitig sollen Kinder besser auf den Umgang mit digitalen Technologien vorbereitet werden.

Die geplanten Maßnahmen verfolgen damit zwei unterschiedliche Ansätze: Während Altersbeschränkungen mögliche Gefahren reduzieren sollen, zielt die Förderung digitaler Kompetenzen auf einen selbstständigen und verantwortungsbewussten Umgang mit Onlineangeboten.

Aus Sicht des Bitkom greift ein allgemeines Social-Media-Verbot allerdings zu kurz. Digitale Plattformen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Funktionen und möglichen Risiken erheblich. Der Verband fordert deshalb Schutzmaßnahmen, die sich stärker an konkreten Gefährdungen und am Entwicklungsstand junger Nutzer orientieren.

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79 Prozent unterstützen ein KI-Seepferdchen

Eine repräsentative Bitkom-Befragung zeigt deutliche Zustimmung zu einem Kompetenznachweis für den Umgang mit künstlicher Intelligenz.

Insgesamt bewerten 79 Prozent der Menschen in Deutschland die Einführung eines KI-Seepferdchens für Grundschulkinder als sinnvoll. Davon halten 27 Prozent das Vorhaben für sehr sinnvoll und weitere 53 Prozent für eher sinnvoll. Die einzeln gerundeten Werte ergeben zusammen 80 Prozent.

18 Prozent der Befragten beurteilen einen solchen Nachweis dagegen als eher oder sehr unnötig. Für die Untersuchung wurden zwischen dem 5. und 9. Oktober 2026 insgesamt 1.006 Personen ab 16 Jahren in Deutschland befragt.

Die Ergebnisse zeigen die Haltung der befragten Bevölkerung zur geplanten Maßnahme. Aussagen über deren tatsächliche Wirksamkeit im Schulalltag lassen sich daraus nicht ableiten.

Kinder sollen KI-Inhalte kritisch bewerten lernen

Das geplante KI-Seepferdchen soll bereits Grundschulkindern grundlegende Kenntnisse über künstliche Intelligenz vermitteln.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht ausschließlich die praktische Nutzung entsprechender Anwendungen. Kinder sollen auch lernen, KI-generierte Inhalte zu erkennen, Informationen kritisch zu hinterfragen und mögliche Grenzen der Technologie einzuschätzen.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder unterstützt diesen Ansatz. Die frühe Vermittlung von KI-Kompetenzen könne dazu beitragen, Chancen digitaler Technologien zu verstehen und gleichzeitig Risiken besser einzuordnen.

Der Verband betrachtet entsprechende Bildungsangebote als wichtigen Bestandteil eines zeitgemäßen Jugend- und Verbraucherschutzes. Konkrete Vorgaben zu Prüfungsinhalten, Unterrichtsumfang oder zur organisatorischen Umsetzung des KI-Seepferdchens nennt die vorliegende Presseinformation nicht.

Bitkom warnt vor pauschalen Altersgrenzen

Kritisch bewertet der Digitalverband dagegen das vorgesehene Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren. Nach Einschätzung von Rohleder berücksichtigt eine einheitliche Altersgrenze die unterschiedlichen Risiken digitaler Angebote nicht ausreichend. Ebenso könnten sich Kinder gleichen Alters hinsichtlich ihrer Medienkompetenz und persönlichen Entwicklung deutlich unterscheiden.

Bitkom spricht sich daher für einen risikoorientierten Jugendschutz aus, der altersgerechte Plattformangebote mit wirksamen Sicherheitsmaßnahmen verbindet. Dazu zählt der Verband insbesondere die konsequente Anwendung bestehender Schutzvorschriften und die stärkere Verantwortung der Plattformbetreiber.

Ziel müsse es sein, junge Nutzer vor Gefahren zu schützen, ohne den Erwerb digitaler Fähigkeiten durch pauschale Einschränkungen unnötig zu begrenzen.

Digitalkompetenz soll in Schulen verankert werden

Über das KI-Seepferdchen hinaus fordert Bitkom eine umfassendere Förderung der Medien- und Digitalkompetenz im deutschen Bildungssystem. Bund und Länder sollten nach Vorstellung des Verbandes zeitnah einen gemeinsamen Aktionsplan entwickeln. Digitale Fähigkeiten müssten flächendeckend in schulische Lehrpläne aufgenommen werden.

Dabei geht es neben dem Verständnis künstlicher Intelligenz auch um die sichere Nutzung digitaler Medien, die Bewertung von Onlineinformationen und einen selbstbestimmten Umgang mit Plattformen.

Für den Digitalverband ergänzen sich technische Schutzmaßnahmen und Bildungsangebote. Eine wirksame Jugendpolitik müsse sowohl Gefahren begrenzen als auch die Handlungskompetenz von Kindern stärken.

Die geplanten Eckpunkte der Bundesregierung eröffnen damit eine Debatte über das Verhältnis zwischen gesetzlichen Altersbeschränkungen, Plattformverantwortung und digitaler Bildung.

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