Der Haushalts- und Nonfood-Discounter Kodi hat beim Amtsgericht Halle (Saale) erneut ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Die Richter ordneten die vorläufige Eigenverwaltung an, sodass die Geschäftsführung das Unternehmen zunächst weiterführen kann. Dies teilt heute die Restrukturierungskanzlei AndresPartner mit.
Mit dem Verfahren reagiert das Unternehmen auf eine wirtschaftliche Entwicklung, die sich nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten deutlich verschärft hat. Als Ursachen nennt Kodi die anhaltend schwache Konsumstimmung, steigende Energie- und Personalkosten, hohe Mieten sowie den zunehmenden Wettbewerbsdruck – sowohl durch digitale Anbieter als auch durch expandierende Nonfood-Discounter.
Erneuter Kahlschlag im Filialnetz
Im Mittelpunkt der Restrukturierung steht eine deutliche Verkleinerung des Unternehmens. Von derzeit rund 150 Filialen sollen etwa 50 Standorte geschlossen werden. Welche Filialen betroffen sein werden, steht bislang noch nicht fest. Zunächst soll der Geschäftsbetrieb an allen Standorten ohne Einschränkungen fortgeführt werden.
Für die rund 1.200 Beschäftigten gibt es zunächst eine finanzielle Absicherung. Die Gehälter der Monate Juli, August und September 2026 werden über das Insolvenzgeld bezahlt. Neben den Filialmitarbeitern beschäftigt Kodi laut Andres&Partner, die auch die Sanierung des Tochterunternehmens MäcGeiz betreut, 72 Mitarbeiter im Dienstleistungszentrum sowie 36 Beschäftigte in der Logistik.
Geschäftsführer Fabian Grund verweist darauf, dass das vorherige Sanierungsverfahren erfolgreich abgeschlossen worden sei und der Geschäftsbetrieb zunächst stabilisiert werden konnte. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich jedoch deutlich schneller und stärker verschlechtert als erwartet.
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Zweite Insolvenz innerhalb kurzer Zeit
Besonders bemerkenswert ist die erneute Schieflage vor dem Hintergrund der erst kürzlich abgeschlossenen Restrukturierung. Bereits im November 2024 hatte Kodi ein Schutzschirmverfahren eingeleitet. Damals schrumpfte das Filialnetz von rund 230 auf 150 Standorte. Ein Investorenkonsortium übernahm das Unternehmen und stellte die Finanzierung der Fortführung sicher. Die damalige Sanierung galt zunächst als erfolgreich.
Umso überraschender wirkt die nun erneute Insolvenz. Sie verdeutlicht, dass selbst tiefgreifende Restrukturierungen den strukturellen Problemen vieler Handelsunternehmen derzeit nur begrenzt entgegenwirken können. Hohe Fixkosten treffen auf eine weiterhin zurückhaltende Konsumnachfrage, während Wettbewerber wie Action, Tedi oder Woolworth ihre Expansion konsequent fortsetzen und zusätzlich internationale Online-Plattformen Marktanteile gewinnen.
Expansion trotz schwieriger Lage
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte Kodi erst Anfang des Jahres mit der Übernahme des ostdeutschen Wettbewerbers Mäc Geiz. Beide Unternehmen wollten Einkauf, Logistik und weitere Strukturen enger verzahnen, gleichzeitig aber ihre jeweiligen Marken eigenständig weiterführen. Die Übernahme sollte die Marktposition des Unternehmens stärken und bundesweite Synergien schaffen. Wenige Monate später befindet sich nun auch die Muttergesellschaft erneut im Sanierungsverfahren. Bereits im Mai hatte zudem Mäc Geiz selbst Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und ebenfalls Filialschließungen angekündigt.
Damit geraten beide Schwesterunternehmen nahezu zeitgleich unter den Schutz des Insolvenzrechts. Die Sanierung beider Gesellschaften wird von derselben Restrukturierungskanzlei begleitet.
Der Nonfood-Handel steht unter massivem Anpassungsdruck
Der Fall Kodi steht exemplarisch für die Herausforderungen vieler Handelsunternehmen im mittleren Preissegment. Während Verbraucher bei Lebensmitteln vergleichsweise preisstabil einkaufen, gehören Haushaltswaren, Dekoration oder Heimwerkerartikel zu den Warengruppen, bei denen Käufe häufig verschoben werden. Gleichzeitig steigen Personal-, Energie- und Immobilienkosten weiter, wodurch die Ertragslage vieler Filialkonzepte erheblich unter Druck gerät.
Für Kodi dürfte die aktuelle Sanierung daher weit über eine reine Bilanzrestrukturierung hinausgehen. Die geplanten Filialschließungen markieren einen weiteren Rückzug aus der Fläche und verdeutlichen, dass das Unternehmen sein Geschäftsmodell erneut an die veränderten Marktbedingungen anpassen muss. Ob dies dauerhaft gelingt, dürfte auch davon abhängen, wie schnell sich Konsumklima und Kostenstruktur im deutschen Einzelhandel wieder verbessern.






