Pinterest erweitert sein Werbegeschäft und ermöglicht Unternehmenskunden den programmatischen Einkauf ausgewählter Anzeigenplätze. Mit der allgemeinen Verfügbarkeit von Programmatic Deals in mehreren internationalen Märkten können Werbetreibende Display- und Videowerbung auf Pinterest künftig über etablierte Einkaufsplattformen buchen. Das Angebot soll die Integration der Plattform in übergreifende Mediapläne erleichtern und zusätzliche Werbebudgets erschließen.
Die neue Vermarktungslösung richtet sich laut Pinterest insbesondere an größere Unternehmen und Agenturen, die ihre Kampagnen zentral planen, einkaufen und auswerten. Pinterest setzt dabei auf Partnerschaften mit führenden Anbietern der programmatischen Werbetechnologie. Im Mittelpunkt steht die Möglichkeit, Nutzer bereits während der Produktsuche und Inspirationsphase zu erreichen.
Programmatic Deals integrieren Pinterest in bestehende Werbesysteme
Mit Programmatic Deals können Unternehmen ausgewählte Werbeflächen auf Pinterest gemeinsam mit anderen digitalen Medienangeboten einkaufen. Die Buchung erfolgt über bestehende Demand-Side-Plattformen, wodurch Werbetreibende ihre gewohnten Prozesse für Kampagnensteuerung und Erfolgsmessung beibehalten können.
Pinterest will damit den Zugang zu seinem Anzeigeninventar vereinfachen und neue Nachfragequellen erschließen. Gleichzeitig sollen die Interessen- und Suchsignale der Plattform eine gezieltere Ansprache potenzieller Käufer ermöglichen.
Anders als bei klassischen Suchmaschinen beschäftigen sich viele Pinterest-Nutzer bereits mit Produkten oder Anschaffungen, ohne sich auf eine bestimmte Marke festgelegt zu haben. Für Werbetreibende eröffnet dies zusätzliche Möglichkeiten, Kaufentscheidungen frühzeitig zu beeinflussen und neue Zielgruppen anzusprechen.
Amazon unaufhaltsam
Magnite übernimmt zentrale Rolle bei der technischen Anbindung
Eine Schlüsselposition innerhalb des neuen Angebots übernimmt der Werbetechnologieanbieter Magnite. Das Unternehmen fungiert als wichtigster Supply-Side-Partner und verbindet die Werbeflächen sowie Zielgruppensignale von Pinterest mit den Einkaufsplattformen der Werbetreibenden.
Die Zusammenarbeit umfasst auch Magnite Orchestration. Die Technologie soll automatisierte Systeme auf Käufer- und Verkäuferseite miteinander verbinden und die Auswahl, Zusammenstellung, Buchung und Optimierung digitaler Werbeplätze unterstützen.
Darüber hinaus sieht Magnite Möglichkeiten, die Interesseninformationen von Pinterest auch für Werbekampagnen außerhalb der Plattform nutzbar zu machen. Dadurch könnten Werbetreibende die Erkenntnisse über potenzielle Kaufabsichten in weiteren digitalen Medienumgebungen einsetzen.
Für Märkte in Lateinamerika und im asiatisch-pazifischen Raum arbeitet Pinterest zusätzlich mit Google Ad Manager zusammen. Diese Partnerschaft soll die technische Verfügbarkeit des programmatischen Anzeigenangebots in den jeweiligen Regionen erweitern.
Amazon Ads und Google ermöglichen programmatischen Einkauf
Auf der Nachfrageseite bindet Pinterest mehrere etablierte Werbeplattformen ein. Zu den unterstützten Demand-Side-Plattformen gehören Amazon Ads DVA+, Google Display & Video 360, Yahoo DSP und DeepIntent.
Die Zusammenarbeit mit Amazon Ads baut auf einer bereits bestehenden Partnerschaft auf, über die Pinterest zusätzliche Werbenachfrage von Drittanbietern erschließt. Unternehmen können dadurch Pinterest-Anzeigen mit anderen Werbeformaten innerhalb ihrer bestehenden Kampagnen kombinieren.
Auch Google Display & Video 360 ermöglicht den Zugang zu den Werbeflächen. Werbetreibende sollen damit Pinterest-Zielgruppen über eine zentrale Plattform erreichen und die Wirkung ihrer Maßnahmen über verschiedene Phasen des Kaufprozesses hinweg analysieren können.
Pinterest positioniert sein Angebot insbesondere als Ergänzung zu bestehenden Video- und Displaykampagnen. Entscheidend ist dabei die Verbindung zwischen den Interessen der Nutzer und den Möglichkeiten einer automatisierten, kanalübergreifenden Werbeaussteuerung.
Moroccanoil erzielt zusätzliche Reichweite durch Pinterest
Ein Anwendungsbeispiel liefert eine Kampagne der Haarpflegemarke Moroccanoil aus dem Juni 2026. Das Unternehmen integrierte Pinterest über eine von Magnite ermöglichte programmatische Buchung und Amazon Ads in eine bereits bestehende Video- und Displaykampagne.
Dabei kombinierte Moroccanoil die Zielgruppeninformationen von Amazon mit der interessenbezogenen Ansprache von Pinterest im Beauty-Bereich. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen erzielte die Kampagne dadurch eine zusätzliche Reichweite von 15 Prozent bei einer Zielgruppenüberschneidung von lediglich 1 Prozent.
Unter den Nutzern, deren Kaufprozess auch Pinterest umfasste, lag die Zahl der Neukäufer für die Marke um 63 Prozent höher. Zudem übertraf die Klickrate den Durchschnitt vergleichbarer Video- und Displaykampagnen der Marke um 20 Prozent.
Die Ergebnisse verdeutlichen aus Sicht von Pinterest das Potenzial einer kanalübergreifenden Ansprache. Insbesondere die Kombination unterschiedlicher Zielgruppensignale könnte Werbetreibenden helfen, zusätzliche Käufer zu erreichen, ohne bestehende Kontakte lediglich mehrfach anzusprechen.
Pinterest setzt auf 640 Millionen Nutzer und kommerzielle Suchanfragen
Die Grundlage für den Ausbau des programmatischen Werbegeschäfts bildet die Reichweite der Plattform. Pinterest zählt nach eigenen Angaben inzwischen 640 Millionen monatlich aktive Nutzer und verzeichnet monatlich mehr als 80 Milliarden Suchanfragen.
Mehr als die Hälfte dieser Suchanfragen besitzt laut Unternehmen einen kommerziellen Bezug. Gleichzeitig erfolgen über 96 Prozent der textbasierten Suchanfragen ohne konkrete Markennennung. Pinterest sieht darin einen wesentlichen Unterschied zu Werbeumgebungen, in denen Nutzer bereits gezielt nach bestimmten Herstellern oder Produkten suchen.
Für Marken bietet diese frühe Phase der Kaufentscheidung die Möglichkeit, Verbraucher bei der Auswahl neuer Produkte zu erreichen. Durch die programmatische Vermarktung soll dieses Potenzial künftig leichter in umfassende digitale Werbestrategien eingebunden werden können.
Programmatic Deals sind zunächst in Nordamerika, Südamerika und im asiatisch-pazifischen Raum verfügbar. Eine Einführung in Europa wurde in der Mitteilung nicht angekündigt.
Mit der Erweiterung seines Werbeangebots stärkt Pinterest die Verbindung zwischen Inspirationsplattform und automatisierter Anzeigenvermarktung. Ob daraus langfristig zusätzliche Werbeumsätze entstehen, dürfte insbesondere davon abhängen, wie erfolgreich Unternehmen die Interesseninformationen der Plattform mit ihren bestehenden Kampagnen kombinieren können.






