Saks Global greift im laufenden Chapter-11-Verfahren auf sein wertvollstes Asset zurück: Immobilien in Premiumlagen. Während das operative Geschäft durch Lieferprobleme, interne Überschneidungen zwischen den Luxusformaten und ein zunehmend herausforderndes Marktumfeld unter Druck steht, rücken ikonische Standorte in Manhattan, Beverly Hills und führenden US-Malls in den Mittelpunkt der Sanierungsstrategie. Ziel ist es, durch gezielte Verkäufe und Sale-Leaseback-Transaktionen die Liquidität zu stärken und damit Zeit für eine strukturelle Neuausrichtung zu gewinnen.
Milliardenkredit stabilisiert den Betrieb – aber nicht das Geschäftsmodell
Kurz nach dem Insolvenzantrag erhielt der Konzern eine Debtor-in-Possession-Finanzierung über 1,75 Milliarden US-Dollar (rund 1,63 Milliarden Euro). Das Kapital dient zur Aufrechterhaltung des operativen Geschäfts, zur Sicherung von Warenströmen und zur Finanzierung der Restrukturierung. Die Mittel kommen nur ein Jahr nach der schuldenintensiven Fusion der Luxuswarenhäuser Saks Fifth Avenue, Neiman Marcus und Bergdorf Goodman unter dem Dach von Saks Global. Die Integration erwies sich in einem schwächelnden Luxusumfeld als komplex und belastete die Bilanz erheblich. Analysten bezweifeln, dass reine Effizienzmaßnahmen ausreichen, um die Kapitalstruktur langfristig zu stabilisieren.
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Immobilien als strategisches Kapital
Saks Global betreibt rund 125 Häuser. Besonders wertvoll sind 39 Standorte, bei denen der Konzern Eigentum oder langfristige Erbbaurechte hält – überwiegend in absoluten Toplagen. Daraus ergeben sich mehrere strategische Optionen: Sale-Leaseback-Strukturen zur kurzfristigen Liquiditätsgenerierung, Teilverkäufe in Immobilien mit mehreren Konzernformaten sowie Umnutzungen durch Vermieter, die hochwertige Flächen neu strukturieren möchten.
In Premiumcentern wie den Bal Harbour Shops fungieren Saks- und Neiman-Marcus-Häuser oftmals als Ankermieter, was in laufenden Verhandlungen ein wichtiges Druckmittel ist. Das Flaggschiff an der Fifth Avenue bleibt jedoch außen vor: Die Immobilie gehört einer separaten Einheit und ist nicht Teil der Insolvenzmasse.
Problemfälle zuerst – aber mit geringeren Erlösen
Wie Reuters berichtet, will Saks Global Gerichtsdokumente zufolge zunächst vier bereits geschlossene Filialen verwerten. Da diese „Dark Stores“ nicht im Betrieb sind, liegen die Marktwerte deutlich unter dem sogenannten „Lit Value“ aktiver Standorte. Branchenexperten gehen von Abschlägen zwischen 40 und 50 Prozent aus. Um Notverkäufe zu vermeiden, soll die DIP-Finanzierung helfen, Verkaufsprozesse zeitlich zu strecken und bessere Konditionen zu erzielen.
Interne Konkurrenz und struktureller Marktwechsel
Eine zentrale Schwäche bleibt die Doppelpräsenz in vielen Premiumzentren, wo Saks und Neiman Marcus parallel als Ankermieter auftreten. Dies erzeugt interne Konkurrenz, reduziert Preissetzungsmacht und erhöht Kosten. Gleichzeitig investieren Luxusmarken verstärkt in eigene Flagship-Stores, um Kundenerlebnisse unabhängig von Warenhäusern zu gestalten. Multi-Brand-Häuser geraten dadurch zunehmend in Rechtfertigungsdruck, welchen Mehrwert sie im Luxussegment noch bieten können.
Immobilien als Chance – aber nicht ohne Risiko
Für Saks Global hängt die Zukunft maßgeblich von der Balance zwischen Liquiditätssicherung und einem klaren strategischen Neustart ab. Zwar gelten die Immobilien als stärkstes Pfand im Portfolio, doch Sale-Leaseback-Transaktionen erhöhen langfristig die Mietbelastung und reduzieren die Flexibilität. Das Chapter-11-Verfahren eröffnet Möglichkeiten zur Bereinigung des Filialnetzes und zur Neuverhandlung von Verträgen. Ob daraus ein nachhaltiger Neustart erwächst oder lediglich Zeit gewonnen wird, hängt davon ab, wie konsequent Management und Gläubiger die strukturellen Defizite angehen.


