Coolblue treibt seine Expansion in Deutschland mit hoher Geschwindigkeit voran. Der niederländische Elektronikhändler verzeichnete 2025 ein sattes Umsatzplus von 30 Prozent auf 307 Millionen Euro und baut parallel sowohl die Logistik als auch die stationäre Präsenz kräftig aus. Damit rückt Deutschland, das bereits letzte Jahr stark gewachsen ist, in den kommenden Jahren in eine Schlüsselrolle für das Unternehmen.
Logistik als Basis der Wachstumsstrategie
Im vergangenen Jahr nahm Coolblue drei neue Stores und vier zusätzliche Logistikzentren in Betrieb. Damit kann das Unternehmen bereits rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung direkt beliefern. Die Expansionslogik folgt einem klaren Muster: Zunächst entstehen regionale Logistik-Hubs, die Lieferzeiten verkürzen und Services wie Same-Day- oder Next-Day-Delivery verlässlich ermöglichen. Erst im zweiten Schritt folgt die Eröffnung großflächiger Markenerlebnis-Stores, die Beratung, Produktpräsentation und Services bündeln.
Im März 2026 erweitert Coolblue seine Infrastruktur um weitere Logistikstandorte in Nürnberg, Leipzig und München. Vor allem in Süd- und Ostdeutschland schafft das Unternehmen damit die Grundlage für die nächste Wachstumsphase. Die gezielte regionale Aussteuerung zeigt, dass Coolblue Expansion nicht als flächendeckenden Rollout versteht, sondern als eng getaktete, skalierbare Aufbauarbeit.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Stationäre Präsenz als strategischer Verstärker
Parallel zur Logistik investiert Coolblue konsequent in seine Stores. Im Mai eröffnet ein neuer Standort in Berlin, später folgen Filialen in Leipzig und Dresden. Die Multichannel-Strategie verbindet Onlinehandel und stationäre Präsenz eng miteinander. Die Stores dienen als Erlebnis- und Servicezentren, in denen Kunden Produkte testen, Beratung erhalten und Services wie Installation oder Reparaturen beauftragen können. Sie fungieren zugleich als Frequenz- und Markenverstärker – ein Ansatz, der sich in den Niederlanden und Belgien bereits bewährt hat.
Mit den neuen Logistikzentren in Bayern dürfte perspektivisch auch der Ausbau stationärer Standorte in der Region folgen. Die Vorarbeiten für eine breitere Marktdurchdringung sind damit gelegt.
Deutschland rückt in den Fokus
Coolblue hatte bereits Ende 2024 angekündigt, stark in Deutschland zu investieren. Während Coolblue in den Benelux-Ländern als Marktführer gilt, befindet sich Deutschland noch in der Aufbau- und Skalierungsphase. Das dynamische Umsatzwachstum zeigt jedoch, dass das Modell aus Serviceorientierung, eigener Lieferflotte, transparenter Preisgestaltung und integrierten Dienstleistungen auch im wettbewerbsintensiven deutschen Elektronikmarkt funktioniert. Anders als manche Wettbewerber setzt das Unternehmen nicht auf schnelle Ausdehnung, sondern auf kontrollierte Expansion mit Fokus auf Profitabilität und Kundenerlebnis.
Wettbewerb und Herausforderungen
Der deutsche Elektronikmarkt ist stark fragmentiert: Große Filialisten wie MediaMarkt und Saturn, zahlreiche Onlinepureplayer sowie internationale Plattformen konkurrieren um Marktanteile. Für Coolblue bedeutet dies, dass Differenzierung entscheidend ist. Die Kombination aus regionaler Logistik, eigenem Lieferservice und stationären Markenerlebnissen könnte zum langfristigen Wettbewerbsvorteil werden. Gleichzeitig muss das Unternehmen Skaleneffekte schnell realisieren, um Investitionskosten und Margendruck abzufedern.
Mit der klar formulierten Zielmarke, Deutschland bis 2029 zum wichtigsten Markt des Unternehmens zu machen, erhöht das Management die eigene Ambition deutlich. Der Markt ist nicht länger nur ein Expansionsfeld, sondern ein strategisches Kernprojekt mit entsprechend hohen Erwartungen.


