Die Insolvenz von Saks Global markiert einen dramatischen Wendepunkt im internationalen Luxuseinzelhandel. Nur rund ein Jahr nach der Fusion von Saks Fifth Avenue, Neiman Marcus und Bergdorf Goodman unter dem Dach der neuen Holding hat der US-amerikanische Konzern Insolvenz nach Chapter 11 beantragt. Der Antrag war bereits vor dem Wochenende durchgesickert. Ursache ist eine übermäßig fremdfinanzierte Übernahmestrategie, die sich nun als schwerwiegender Fehler erweist.
Übernahme von Neiman Marcus verschärft Schuldenlast
Die im Jahr 2024 für 2,7 Milliarden US-Dollar vollzogene Übernahme von Neiman Marcus, bei der auch Amazon und Salesforce mit beteiligt waren, belastete die Bilanz erheblich. Rund zwei Milliarden US-Dollar Schulden blieben nach dem Zusammenschluss, was sich nun als Hypothek erweist. Ex-CEO Richard Baker, als Miteigentümer Architekt der Fusion, verlässt inmitten der Krise das Unternehmen, nachdem er erst vor rund zwei Wochen das CEO-Amt übernommen hatte.
Wie Reuters berichtet, liegen laut Gerichtsdokumenten sowohl Vermögenswerte als auch Verbindlichkeiten zwischen einer und zehn Milliarden US-Dollar. Besonders brisant: Unter den mehr als 10.000 Gläubigern befinden sich prominente Luxusmarken wie Chanel (Forderungen über rund 136 Mio. US-Dollar), Kering (60 Mio. US-Dollar) und LVMH (26 Mio. US-Dollar).
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Liquiditätszufuhr und Führungswechsel sollen Wende bringen
Zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs hat Saks Global ein Debtor-in-Possession-Finanzierungspaket geschnürt. Neben einem sofort verfügbaren Kredit in Höhe von einer Milliarde US-Dollar, organisiert durch Pentwater Capital Management und Bracebridge Capital, umfasst es weitere 240 Millionen US-Dollar über eine assetbasierte Kreditlinie. Nach erfolgreichem Abschluss des Verfahrens könnten zusätzlich 500 Millionen US-Dollar bereitgestellt werden, wie das Unternehmen heute mitteilt.
Parallel wird das Management neu aufgestellt: Geoffroy van Raemdonck, vormals CEO von Neiman Marcus, übernimmt die Konzernführung. Unterstützt wird er von Darcy Penick als Chief Commercial Officer und Lana Todorovich als Chief of Global Brand Partnerships – allesamt mit umfassender Erfahrung im Luxussegment.
Wandel im Luxusmarkt macht Warenhäusern zu schaffen
Die Insolvenz spiegelt tiefgreifende strukturelle Veränderungen wider. Der stationäre Luxushandel gerät zunehmend ins Hintertreffen, da Marken wie Chanel oder Louis Vuitton ihre Produkte verstärkt über eigene Kanäle oder Onlineplattformen vertreiben. Saks litt zusätzlich unter verspäteten Zahlungen an Lieferanten, was zu Lieferstopps und ausgedünnten Verkaufsflächen führte.
Bereits im Dezember 2025 hatte das Unternehmen eine fällige Zinszahlung in Höhe von über 100 Millionen US-Dollar nicht leisten können. Zudem wurde das prestigeträchtige Neiman-Marcus-Gebäude in Beverly Hills veräußert, um kurzfristig Liquidität zu schaffen.
Unklare Perspektive für eine US-Handelsikone
Saks Fifth Avenue, gegründet 1867, galt lange als Inbegriff amerikanischen Luxusshoppings. Der nun drohende Zusammenbruch ist ein symbolträchtiges Signal für das Ende der Ära großer, schuldenfinanzierter Kaufhausimperien. Ob dem Konzern eine nachhaltige Restrukturierung gelingt oder eine Zerschlagung bevorsteht, hängt maßgeblich von den Verhandlungen mit Gläubigern und Markenpartnern ab.


