Amazon hat seine Beteiligung an Saks Global in Höhe von rund 475 Millionen US-Dollar (etwa 437 Millionen Euro) als „vermutlich wertlos“ bezeichnet. Das gab der E-Commerce-Riese in öffentlichen Gerichtsdokumenten bekannt, die im Rahmen des Insolvenzverfahrens von Saks Global eingereicht wurden. Amazon hält über 23 % der Anteile an dem Luxuskonzern, der vor einem Jahr durch die Fusion von Saks Fifth Avenue und Neiman Marcus mit einem Volumen von 2,7 Milliarden US-Dollar entstanden war.
Vorwürfe der Misswirtschaft
Kritisch äußerte sich Amazon, das Saks schon bereits vor der Fusion Zugang zum Amazon-US-Marktplatz verschaffe, insbesondere über das Vorgehen von Saks Global bei der Verwendung von Vermögenswerten. Das Unternehmen habe angeblich eine Beteiligung an der Immobilie der Manhattan-Flagship-Filiale als Sicherheit angeboten, um Partner wie Amazon zur Kreditvergabe zu bewegen. Nun werde diese Immobilie jedoch zur Absicherung eines neuen Finanzierungspakets in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar (rund 2,4 Milliarden Euro) genutzt – ohne Rücksprache mit den Anteilseignern, so Amazon.
Obwohl Amazon Einspruch einlegte, genehmigte ein Insolvenzrichter die Vergabe von hunderten Millionen Dollar im Rahmen eines sogenannten „Debtor-in-Possession“-Finanzierungsmodells. Amazon kritisierte dabei nicht nur den fehlenden Konsens, sondern sprach auch von Fehlmanagement, mangelnder Corporate Governance und Verletzungen der rechtlichen Trennung innerhalb des Konzerns.
Amazon unaufhaltsam
Schwerer Weg durch das Insolvenzverfahren
Laut Experten dürfte der Fall weit von einem geregelten Insolvenzverfahren entfernt sein. Mark Cohen, früherer Manager im Kaufhausgeschäft und ehemaliger Leiter für Handelsstudien an der Columbia Business School, erwartet eine langwierige und konfliktreiche Auseinandersetzung. Es gebe eine Vielzahl an Gläubigern mit divergierenden Interessen – eine Einigung sei derzeit nicht absehbar, so der Berater gegenüber dem Retail Dive.
Die jüngsten Entwicklungen werfen auch einen Schatten auf die strategische Partnerschaft zwischen Amazon und Saks Global, zu der auch der Aufbau eines Luxus-Marktplatzes auf der Amazon-Plattform gehörte. Ob und wie diese Zusammenarbeit unter den aktuellen Bedingungen weitergeführt wird, bleibt ungewiss.


