Starbucks hat ein erst vor wenigen Monaten eingeführtes KI-gestütztes Inventurtool in Nordamerika wieder eingestellt. Das System sollte Filialmitarbeiter bei der automatisierten Erfassung von Warenbeständen unterstützen und Produktengpässe im Tagesgeschäft reduzieren. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wurde nach internen Informationen das Programm nun mit sofortiger Wirkung abgeschaltet.
Die Entscheidung gilt als Rückschlag für die Modernisierungsstrategie von CEO Brian Niccol, der die Verbesserung von Lieferketten und Warenverfügbarkeiten zu einem zentralen Bestandteil seines Turnaround-Kurses gemacht hatte.
KI-System sollte Produktengpässe verhindern
Das Inventurtool war vor rund neun Monaten eingeführt worden und sollte insbesondere bei der Erfassung von Milch, Sirupen und anderen Getränkegrundstoffen helfen. Ziel war eine automatisierte Bestandskontrolle, um Fehlmengen frühzeitig zu erkennen und Nachbestellungen effizienter zu steuern.
Starbucks wollte damit wiederkehrende Engpässe in den Filialen reduzieren, die zuletzt das Kundenerlebnis und die Umsätze belastet hatten. Noch im Februar hatte das Unternehmen erklärt, die Technologie habe die Warenverfügbarkeit in den Stores verbessert.
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Probleme bei der Produkterkennung
Nach Angaben mit der Situation vertrauter Personen zeigte das System im laufenden Betrieb jedoch deutliche Schwächen. Demnach kam es regelmäßig zu Fehlzählungen sowie zu Verwechslungen ähnlicher Produkte. Besonders unterschiedliche Milchvarianten sollen vom System teilweise nicht korrekt erkannt worden sein.
In einem standardisierten Filialgeschäft wie bei Starbucks haben fehlerhafte Bestandsdaten direkte operative Auswirkungen. Inventurzahlen beeinflussen unter anderem automatische Bestellungen, Lieferprozesse und die Personalplanung. Ungenaue Daten können daher zusätzliche Kosten und Umsatzverluste verursachen.
Starbucks setzt wieder auf klassische Inventurprozesse
Wie aus einem internen Newsletter hervorgeht, sollen Milchprodukte und weitere Waren künftig wieder nach dem bisherigen manuellen Verfahren erfasst werden. Starbucks begründet die Entscheidung offiziell mit dem Ziel, die Inventurprozesse unternehmensweit stärker zu standardisieren und die operative Konsistenz zu verbessern.
Parallel arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben an häufigeren Warenlieferungen sowie weiteren Optimierungen innerhalb der Lieferkette.
Digitale Transformation bleibt anspruchsvoll
Die Einstellung des KI-Programms zeigt die Herausforderungen bei der Integration neuer Technologien in operative Abläufe großer Handels- und Gastronomieunternehmen. Gerade im Filialgeschäft müssen digitale Systeme unter hohem Zeitdruck zuverlässig funktionieren und mit komplexen Warenstrukturen umgehen können.
Für Starbucks bedeutet das Ende des Programms jedoch nicht zwangsläufig das Aus für weitere KI-Initiativen. Vielmehr dürfte die Maßnahme als Korrektur innerhalb eines längerfristigen Modernisierungsprozesses verstanden werden. Entscheidend bleibt für das Unternehmen, die strukturellen Probleme bei Warenverfügbarkeit und Lieferketten nachhaltig zu lösen.



