Nach jahrelangen Spekulationen über die Zukunft der Eigentümerstruktur von Ströer verdichten sich die Hinweise auf einen milliardenschweren Einstieg neuer Investoren. Medienberichten zufolge stehen die Infrastrukturinvestoren I Squared Capital und InfraVia Capital Partners kurz davor, die Kontrolle über den Kölner Außenwerbe- und Medienkonzern zu übernehmen. Sollte die Transaktion zustande kommen, dürfte sie weit mehr sein als ein reiner Eigentümerwechsel: Branchenbeobachter erwarten eine strategische Neuausrichtung mit stärkerem Fokus auf das hochprofitable Geschäft mit digitaler Außenwerbung.
Kontrolle auch ohne Aktienmehrheit möglich
Nach Informationen des Manager Magazins haben sich die beiden Finanzinvestoren bereits mit den größten Anteilseignern des Unternehmens verständigt. Demnach will Unternehmensgründer-Sohn Dirk Ströer seinen rund 20-prozentigen Anteil vollständig verkaufen. Vorstandschef Udo Müller, der knapp 24 Prozent der Aktien hält, soll dagegen an Bord bleiben und lediglich einen Teil seiner Beteiligung veräußern.
Durch eine entsprechende Aktionärsvereinbarung könnten I Squared Capital und InfraVia die operative Kontrolle über Ströer erlangen, ohne zwingend mehr als 50 Prozent der Aktien besitzen zu müssen. Der kolportierte Unternehmenswert liegt bei rund 2,5 Milliarden Euro. Das entspricht zwar einem deutlichen Aufschlag auf den zuletzt an der Börse gehandelten Wert, bleibt jedoch unter den Preisvorstellungen früherer Verkaufsverhandlungen.
Bereits in den vergangenen Jahren hatte Ströer Gespräche mit mehreren internationalen Finanzinvestoren geführt. Zu den Interessenten gehörten unter anderem Blackstone, Hellman & Friedman und KKR. Damals kursierten Bewertungen von bis zu vier Milliarden Euro allein für das Out-of-Home-Geschäft.
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Rückbesinnung auf das Kerngeschäft
Eine Übernahme durch Infrastrukturinvestoren könnte den Beginn einer strategischen Vereinfachung markieren. Ströer hat sich in den vergangenen Jahren von einem klassischen Außenwerber zu einem breit diversifizierten Medienkonzern entwickelt. Zum Portfolio gehören neben dem Außenwerbegeschäft unter anderem das Nachrichtenportal t-online, der Datenanbieter Statista, Dialogmarketing-Aktivitäten sowie Beteiligungen im E-Commerce, etwa Asambeauty.
Diese Diversifizierung brachte zusätzliche Umsatzquellen, sorgte am Kapitalmarkt jedoch immer wieder für Kritik. Investoren bemängelten regelmäßig die Komplexität des Konzerns und den aus ihrer Sicht unzureichenden Beitrag einzelner Beteiligungen zur Gesamtbewertung.
Dabei bleibt das Geschäft mit Außenwerbung das wirtschaftliche Herzstück des Unternehmens. Die OoH-Sparte erzielt knapp die Hälfte des Konzernumsatzes und erwirtschaftet zugleich die höchsten Margen. Im Geschäftsjahr 2025 erreichte dieser Bereich mit 989 Millionen Euro Umsatz einen neuen Rekordwert. Digitale Werbeflächen machten inzwischen mehr als 40 Prozent der Erlöse im OoH-Segment aus und entwickelten sich erneut zweistellig.
Infrastrukturinvestoren setzen auf den Boom digitaler Außenwerbung
Dass ausgerechnet Infrastrukturinvestoren Interesse an Ströer zeigen, überrascht Marktbeobachter kaum. Digitale Außenwerbenetze gelten zunehmend als infrastrukturelle Assets mit langfristigen, stabilen Cashflows – vergleichbar mit Glasfasernetzen, Mobilfunkmasten oder Energienetzen.
Der Ausbau digitaler Premiumstandorte erfordert erhebliche Investitionen in LED-Technologie, Softwareplattformen, Datenanalyse und programmatische Vermarktung. Solche langfristigen Investitionen lassen sich häufig leichter außerhalb der Börse finanzieren.
Für I Squared Capital und InfraVia eröffnet sich damit die Möglichkeit, von einem weltweit wachsenden Markt zu profitieren. Der Anteil digitaler Außenwerbung steigt kontinuierlich, während Werbekunden zunehmend automatisierte und datengetriebene Kampagnen nachfragen. Ströer verfügt mit mehr als 300.000 Werbeträgern über das größte Außenwerbenetz Deutschlands und zählt europaweit zu den bedeutendsten Anbietern.
Udo Müller bleibt Schlüsselperson
Eine zentrale Rolle dürfte weiterhin Vorstandschef und Mitgründer Udo Müller spielen. Erst vor wenigen Wochen hatte er wieder die alleinige operative Führung übernommen, nachdem Co-CEO Christian Schmalzl sowie der Finanzvorstand das Unternehmen verlassen hatten.
Nach Angaben aus Branchenkreisen möchten die potenziellen Investoren Müller langfristig an das Unternehmen binden. Er gilt als Architekt der erfolgreichen Expansion des Konzerns und verfügt über enge Beziehungen zu Werbekunden, Kommunen und Vermarktungspartnern.
Sein Verbleib würde zugleich für Kontinuität sorgen, während Eigentümerstruktur und strategische Ausrichtung neu geordnet werden.
Gute operative Ausgangslage
Der mögliche Eigentümerwechsel erfolgt in einer Phase stabiler Geschäftsentwicklung. Ströer erzielte 2025 mit 2,075 Milliarden Euro Umsatz einen neuen Rekord. Das bereinigte EBITDA stieg auf rund 626 Millionen Euro. Auch das erste Quartal 2026 verlief positiv: Das Kerngeschäft mit Außenwerbung legte um mehr als fünf Prozent zu, während insbesondere digitale Außenwerbung erneut zweistellige Wachstumsraten erreichte.
Operativ befindet sich das Unternehmen zugleich in einem tiefgreifenden Wandel. Neben dem Ausbau seiner DOOH-Infrastruktur verfolgt Ströer den Umbau hin zu einer KI-gestützten Plattform für Werbevermarktung und datenbasierte Kampagnensteuerung. Diese Strategie könnte unter neuen Eigentümern fortgeführt, gleichzeitig aber stärker auf das margenstarke Kerngeschäft konzentriert werden.
Entscheidung mit Signalwirkung
Ob die Transaktion tatsächlich abgeschlossen wird, bleibt zunächst offen. Weder Ströer noch die beteiligten Investoren haben die Berichte bislang kommentiert.
Sollte der Deal zustande kommen, wäre dies eine der bedeutendsten Übernahmen im europäischen Außenwerbemarkt der vergangenen Jahre. Gleichzeitig könnte Ströer zu jenem Unternehmen zurückkehren, als das viele Investoren den Konzern seit Langem sehen wollten: ein fokussierter Marktführer für digitale Außenwerbung mit hoher Profitabilität und langfristigem Wachstumspotenzial.




