Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer plant einen der bislang weitreichendsten Eingriffe in die Nutzung sozialer Medien durch Minderjährige in Europa. Kern der Überlegungen ist ein umfassendes Verbot großer Plattformen für unter 16-Jährige – ergänzt durch zusätzliche Einschränkungen für ältere Jugendliche.
„Australia Plus“ als Vorbild und Verschärfung
Das geplante Modell orientiert sich am australischen Ansatz, der seit Ende 2025 ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige vorsieht. Großbritannien will darüber hinausgehen. Neben dem Plattformverbot sind auch Einschränkungen bei Gaming-Kommunikation, Verbote bestimmter KI-Chatbots sowie nächtliche Nutzungsbeschränkungen für 16- und 17-Jährige vorgesehen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Schutz vor Risiken im digitalen Alltag
Die Regierung begründet die Maßnahmen mit zunehmenden Belastungen für Jugendliche. Dazu zählen süchtig machende Plattformmechaniken, schädliche Inhalte, Cybermobbing sowie Risiken durch fremde Kontaktaufnahme. Eine breite Zustimmung aus der Bevölkerung, insbesondere von Eltern, wird als politisches Argument angeführt.
Alterskontrollen als zentrale Herausforderung
Die Umsetzung der Regeln wirft erhebliche praktische Fragen auf. Diskutiert werden technische Lösungen wie Gesichtsscans, Ausweisdaten oder Zahlungsinformationen zur Altersverifikation. Gleichzeitig warnen Kritiker vor neuen Datenschutzrisiken und verweisen auf Erfahrungen aus Australien, wo viele Jugendliche die Beschränkungen umgehen.
Kritik und offene Fragen
Experten und Teile der Technologiebranche sehen die Pläne kritisch. Sie befürchten, dass Verbote Jugendliche auf weniger regulierte Plattformen verdrängen könnten. Zudem sei unklar, ob die Maßnahmen tatsächlich psychische Belastungen reduzieren. Einige Stimmen plädieren stattdessen für strengere Sicherheitsstandards innerhalb bestehender Plattformen.
Signal für strengere Regulierung in Europa
Sollten die Maßnahmen umgesetzt werden, würde Großbritannien international zu den strengsten Regulierern im Bereich Jugendschutz im Netz zählen. Der Ansatz markiert einen deutlichen politischen Kurswechsel und könnte Signalwirkung für andere Länder entfalten – vorausgesetzt, die technische Umsetzung erweist sich als praktikabel.





