Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland dürfte 2026 um acht Prozent auf rund 25.900 Fälle steigen. Damit erreicht das Insolvenzgeschehen nach einer aktuellen Prognose des Kreditversicherers Allianz Trade den höchsten Stand seit 2013.
Auch für 2027 erwarten die Analysten keine wesentliche Verbesserung. Erst 2028 könnte die Zahl der Firmenpleiten wieder spürbar sinken.
Insolvenzprognose für Deutschland deutlich angehoben
Allianz Trade hat seine Erwartungen für den deutschen Markt erheblich verschlechtert. Im Frühjahr hatte der Kreditversicherer noch mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um zwei bis vier Prozent gerechnet.
Inzwischen wird ein Zuwachs von acht Prozent prognostiziert. Besonders betroffen sind Transport und Logistik, das Baugewerbe, die Gastronomie sowie die Automobil- und Maschinenbauindustrie.
Die erwarteten 25.900 Fälle liegen rund 30 Prozent über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Gegenüber 2021 entspricht die Entwicklung einem Anstieg um insgesamt 85 Prozent.
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Erst 2028 könnte sich die Lage entspannen
Für 2027 rechnet Allianz Trade mit einer unverändert hohen Zahl von Unternehmensinsolvenzen. Die Prognose sieht gegenüber 2026 weder einen Anstieg noch einen Rückgang vor.
Eine Trendwende erwarten die Experten erst für 2028. Dann könnte die Zahl der Insolvenzen um fünf Prozent auf etwa 24.600 Fälle sinken.
Voraussetzung dafür wäre eine Entlastung durch bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen und staatliche Konjunkturimpulse. Bis dahin dürften hohe Betriebskosten, Fachkräftemangel und geopolitische Unsicherheiten die Unternehmen weiter belasten.
Weltweite Insolvenzen steigen zum fünften Mal
Auch international verschärft sich die Situation. Allianz Trade prognostiziert für 2026 einen weltweiten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um fünf Prozent, gefolgt von einem weiteren Prozent im Jahr 2027.
Damit würde die Zahl der Firmenpleiten fünf Jahre hintereinander wachsen. Für 2028 wird erstmals wieder ein leichter Rückgang um ein Prozent erwartet.
Die Entwicklung betrifft Deutschland auch über internationale Lieferketten. Als exportorientierte Volkswirtschaft ist das Land zusätzlich von Zahlungsausfällen und Geschäftsaufgaben ausländischer Handelspartner betroffen.
Hohe Zinsen und Energiekosten belasten Unternehmen
Zu den wichtigsten Ursachen zählen schwaches Wirtschaftswachstum, anhaltend hohe Energiekosten und teure Finanzierungen. Nach Einschätzung von Allianz Trade könnten 2027 rund 60 Prozent der untersuchten Länder höhere Leitzinsen aufweisen als in den vorangegangenen zwölf bis 24 Monaten.
Für westeuropäische Unternehmen hätte bereits ein Anstieg der Bankkreditzinsen um einen Prozentpunkt erhebliche Folgen. Allianz Trade beziffert die möglichen zusätzlichen Zinskosten auf sechs bis zehn Milliarden Euro.
Besonders gefährdet sind Unternehmen mit geringen finanziellen Reserven und hohen Finanzierungskosten. Dazu zählen auch junge Betriebe, von denen in Europa weniger als die Hälfte länger als fünf Jahre besteht.
Weltweit 2,7 Millionen Arbeitsplätze gefährdet
Die steigenden Insolvenzzahlen bedrohen nach Berechnungen des Kreditversicherers 2026 und 2027 weltweit rund 2,7 Millionen Arbeitsplätze unmittelbar. Gegenüber 2025 entspricht dies einem Zuwachs um etwa 180.000 Stellen.
Auf Europa entfallen rund 1,6 Millionen gefährdete Arbeitsplätze. Besonders betroffen sind Frankreich mit 268.000, Deutschland mit 239.000 und Großbritannien mit 213.000 Stellen.
In Nordamerika sieht Allianz Trade rund 650.000 Arbeitsplätze gefährdet, in Asien etwa 305.000. Besonders hohe Risiken bestehen weltweit im Baugewerbe, Einzelhandel und Dienstleistungssektor.
Künstliche Intelligenz könnte Wettbewerbsdruck verstärken
Erstmals untersuchte Allianz Trade auch mögliche Zusammenhänge zwischen dem Einsatz künstlicher Intelligenz und Unternehmensinsolvenzen. Die Analyse umfasst acht europäische Volkswirtschaften und neun Wirtschaftszweige.
Insgesamt ließ sich bislang kein allgemeiner statistischer Zusammenhang zwischen KI-Nutzung und steigenden Insolvenzzahlen feststellen. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und branchenspezifische Faktoren bleiben die wichtigsten Einflussgrößen.
In kleineren, weniger diversifizierten Märkten zeigen sich allerdings mögliche Risiken. Unternehmen mit geringer Digitalisierung könnten gegenüber frühen KI-Anwendern zunehmend Wettbewerbsnachteile entwickeln.
Einzelhandel bleibt besonders anfällig
Für den Handel bedeutet die Prognose anhaltende Risiken durch schwache Nachfrage, hohe Kosten und mögliche Zahlungsausfälle bei Geschäftspartnern. Besonders kleinere Unternehmen verfügen häufig über begrenzte finanzielle Spielräume.
Die erwartete Stabilisierung der Insolvenzzahlen im Jahr 2027 bedeutet deshalb noch keine wirtschaftliche Erholung. Erst für 2028 sieht Allianz Trade Chancen auf eine schrittweise Entspannung.


