Der digitale Second-Hand-Marktplatz von IKEA ist in Deutschland mit mehr als 6.500 eingestellten Produkten gestartet. Innerhalb der ersten Woche nach dem Launch am 14. Oktober 2026 nutzten über 4.100 IKEA Family Mitglieder die Plattform. Rund 60 Prozent der aktiven Nutzerkonten wurden laut IKEA neu angelegt oder reaktiviert.
Besonders häufig werden bislang Aufbewahrungssysteme und praktische Wohnaccessoires angeboten. Daneben finden sich gebrauchte Möbelklassiker und seltene Sammlerstücke, darunter Produkte aus früheren STOCKHOLM Kollektionen.
Mit dem neuen Angebot erweitert IKEA sein Geschäft um einen digitalen Wiederverkaufskanal für gebrauchte Möbel und Einrichtungsgegenstände.
Kostenloser Verkauf und vorerst kein Käuferschutzentgelt
Der Marktplatz wird von der Ingka Gruppe betrieben, dem weltweit größten IKEA Einzelhändler. Interessierte können öffentlich nach gebrauchten Produkten suchen. Für den Kauf oder Verkauf ist eine kostenlose IKEA Family Mitgliedschaft erforderlich.
Das Einstellen von Anzeigen und der Verkauf sind gebührenfrei. Zum Marktstart verzichtet IKEA außerdem vorübergehend auf die reguläre Käuferschutzgebühr von fünf Prozent des Kaufpreises.
Verkäufer können sich den vollständigen Verkaufserlös auf ihr Bankkonto auszahlen lassen oder eine IKEA Guthabenkarte wählen. Bei der zweiten Option erhalten sie während der Einführungsphase zusätzlich einen Einkaufscoupon im Wert von 15 Prozent des Verkaufspreises. Die Zahlungsabwicklung erfolgt über einen zertifizierten Dienstleister.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Automatische Produktdaten erleichtern den Verkauf
IKEA setzt bei der Anzeigenerstellung auf eine weitgehend automatisierte Produkterfassung. Verkäufer fotografieren ihren Artikel und erhalten anschließend Vorschläge für den Verkaufspreis sowie passende Produktbilder und Maßangaben.
Die Angaben lassen sich übernehmen und individuell anpassen. Auch der Zustand und der gewünschte Preis werden vor der Veröffentlichung festgelegt. Anzeigen durchlaufen anschließend eine Prüfung.
Neben den selbst aufgenommenen Bildern können offizielle IKEA Produktfotos angezeigt werden. Die Herkunft der Aufnahmen wird entsprechend gekennzeichnet. Käufer erhalten zudem Informationen zur Montage, Pflege und Verfügbarkeit von Ersatzteilen.
Erfahrungen aus europäischen Märkten genutzt
Vor dem Deutschlandstart hatte IKEA den Second-Hand-Marktplatz zunächst in Spanien und Norwegen getestet. Anschließend wurde das Angebot unter anderem in Portugal, Polen, Schweden, Belgien und Großbritannien eingeführt. Die Erfahrungen aus diesen Märkten flossen nach Unternehmensangaben in die Entwicklung der deutschen Plattform ein.
Charlotte Miles, Country Sales Manager bei IKEA Deutschland, verweist auf die steigende Nachfrage nach gebrauchten Möbeln und Wohnaccessoires. Der neue Marktplatz soll den direkten Handel zwischen Privatpersonen vereinfachen und das bestehende Serviceangebot ergänzen.
Deutscher Gebrauchtmöbelmarkt wächst weiter
Der deutsche Second-Hand-Markt für Möbel und Einrichtung erreichte 2024 nach den von IKEA veröffentlichten Marktdaten ein Volumen von rund 2,1 Milliarden Euro. Zwischen 2019 und 2024 wuchs er durchschnittlich um 4,4 Prozent jährlich.
Bis 2030 wird ein Marktvolumen von etwa 2,9 Milliarden Euro erwartet. IKEA Produkte hatten 2024 bereits einen Anteil von 7,7 Prozent am deutschen Gebrauchtmöbelmarkt. Auch der Online-Vertrieb gewinnt an Bedeutung. Sein Marktanteil stieg zwischen 2019 und 2024 von 46 auf 58 Prozent.
Eine internationale Befragung in 30 Ländern zeigt zudem, dass rund ein Fünftel der Befragten Haushaltswaren oder Möbel überwiegend beziehungsweise ausschließlich gebraucht kauft.
IKEA stärkt sein Geschäft mit gebrauchten Möbeln
Mit dem eigenen Wiederverkaufsportal will IKEA stärker am wachsenden Second-Hand-Geschäft teilnehmen und die Nutzungsdauer seiner Produkte verlängern.
Die Plattform ermöglicht dem Unternehmen zugleich, Kunden auch nach dem ursprünglichen Möbelkauf an die Marke zu binden. Zusätzliche Kaufanreize entstehen durch die Guthabenkarte und den zeitlich begrenzten Einkaufscoupon.
Konkrete Angaben zu abgeschlossenen Verkäufen oder zum bisherigen Handelsvolumen machte IKEA zum Deutschlandstart nicht. Die veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf eingestellte Produkte und aktive Mitglieder.


