Villeroy & Boch hat in den ersten neun Monaten 2026 einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang verzeichnet. Der Konzernumsatz sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,1 Prozent auf 956,2 Millionen Euro.
Trotz der schwierigen Marktlage hält der Hersteller von Badprodukten und Tischkultur an seiner bereits angepassten Jahresprognose fest. Positive Signale kommen insbesondere aus dem Geschäft mit Geschirr und Lifestyle-Produkten sowie aus dem gestiegenen Auftragsbestand.
Konzernumsatz und operatives Ergebnis rückläufig
Bereinigt um Wechselkurseinflüsse und den Verkauf der nordeuropäischen Marken Gustavsberg und Vatette verringerte sich der Umsatz um 5,2 Prozent. Der Rückgang fiel damit auf vergleichbarer Basis deutlich geringer aus als in der ausgewiesenen Konzernrechnung.
Das operative EBIT sank von 65,1 Millionen auf 40,9 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung der Desinvestitionen hatte der Vorjahreswert bei 55,5 Millionen Euro gelegen.
Das Konzernergebnis drehte aufgrund steuerlicher Sondereffekte von einem Gewinn von 8,4 Millionen Euro auf einen Verlust von 12,4 Millionen Euro. Gleichzeitig verbesserte sich das nicht operative Ergebnis von minus 24,5 Millionen auf minus 3,4 Millionen Euro.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Bad & Wellness leidet unter schwacher Baukonjunktur
Im größten Unternehmensbereich Bad & Wellness ging der Umsatz um 14,2 Prozent auf 742,4 Millionen Euro zurück. Ohne Währungs- und Veräußerungseffekte betrug das Minus 7,2 Prozent.
Besonders belastend wirkten sich die schwache Bauwirtschaft und geopolitische Unsicherheiten aus. In der Region EMEA sanken die Erlöse um 13,5 Prozent, während APAC und Americas zusammen einen Rückgang von 22 Prozent verzeichneten.
Das operative EBIT des Bereichs verringerte sich von 52,5 Millionen auf 28,2 Millionen Euro. Der Auftragsbestand stieg dagegen gegenüber Ende 2025 von 131,9 Millionen auf 136,9 Millionen Euro.
Dining & Lifestyle wächst trotz Konsumzurückhaltung
Deutlich robuster entwickelte sich das Geschäft mit Tischkultur und Lifestyle-Produkten. Der Bereich steigerte seinen Umsatz um 1,9 Prozent auf 211,5 Millionen Euro, währungsbereinigt betrug das Wachstum 2,4 Prozent.
Wichtige Impulse kamen aus dem Onlinehandel, dessen Erlöse um 13,3 Prozent zunahmen. Auch der stationäre Vertrieb entwickelte sich positiv und erreichte ein Umsatzplus von 4,9 Prozent.
Damit konnte Villeroy & Boch in beiden Vertriebskanälen wachsen. Neue Kollektionen und eine positive Nachfrage aus dem Handel unterstützten die Entwicklung.
Auftragsbestand steigt vor dem Weihnachtsgeschäft
Zum 30. September 2026 erreichte der konzernweite Auftragsbestand 167,4 Millionen Euro. Ende Dezember 2025 hatte er noch bei 150,4 Millionen Euro gelegen.
Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei Dining & Lifestyle aus. Dort erhöhten sich die offenen Bestellungen von 18,5 Millionen auf 30,5 Millionen Euro.
Nach Unternehmensangaben trugen insbesondere Produktneuheiten und Bestellungen für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft dazu bei. Für den Handel deutet dies auf eine höhere Nachfrage nach dem Sortiment im wichtigen Schlussquartal hin.
Jahresprognose für 2026 bleibt unverändert
Der Vorstand rechnet weiterhin mit einem Umsatzrückgang im höheren einstelligen Prozentbereich. Beim operativen EBIT erwartet Villeroy & Boch für das Gesamtjahr einen Wert zwischen 50 und 56 Millionen Euro.
Die operative Nettovermögensrendite soll auf rollierender Basis zwischen 5,5 und 6,5 Prozent liegen. Für operative Investitionen sind rund 40 Millionen Euro vorgesehen.
Belastungsfaktoren bleiben insbesondere geopolitische Konflikte sowie Unsicherheiten in der Zoll- und Handelspolitik. Eine schnelle Erholung des internationalen Marktumfelds wird in der Prognose nicht vorausgesetzt.
Onlinehandel und Integration bleiben wichtige Faktoren
Die weitere Entwicklung hängt wesentlich von der Nachfrage im Badgeschäft und dem Jahresendgeschäft bei Dining & Lifestyle ab. Zusätzlich arbeitet der Konzern an der Integration von Ideal Standard und der Abstimmung seines gemeinsamen Produktportfolios.
Für den Einzelhandel ist insbesondere das zweistellige Wachstum im E-Commerce bemerkenswert. Zugleich zeigt der höhere Auftragsbestand, dass das Unternehmen trotz schwacher Gesamtnachfrage mit zusätzlichen Umsätzen im Schlussquartal rechnen kann.
Ob diese Impulse ausreichen, um die Belastungen im Badgeschäft abzufedern, bleibt abzuwarten. Villeroy & Boch sieht sich mit der bestätigten Prognose weiterhin innerhalb seines geplanten Jahreskorridors.


