Amazon wendet sich für den nächsten Satellitenstart seines Internetprojekts Kuiper ausgerechnet an den Konkurrenten SpaceX. Am Mittwoch soll laut US-amerikanischen Medienberichten eine Falcon-9-Rakete des Musk-Unternehmens 24 weitere Satelliten ins All bringen. Der Start ist laut CNBC auf 2:18 Uhr US-Ostküstenzeit angesetzt und wird auf der Plattform X übertragen.
Mit dem ungewöhnlichen Schulterschluss beschleunigt Amazon den Ausbau seines eigenen Satellitennetzwerks, das mit dem von SpaceX betriebenen Starlink konkurriert. Während Starlink mit etwa 8.000 Satelliten und rund 5 Millionen Nutzern weltweit als klarer Marktführer gilt, steht Amazon mit seinem Kuiper-Projekt noch am Anfang. Seit dem Start des Projekts im Jahr 2019 konnte der Konzern bislang 54 Satelliten ins All bringen – alle mit Raketen der United Launch Alliance (ULA). Sollte der jetzige Start gelingen, wächst die Kuiper-Flotte auf 78 Einheiten.
Zeitdruck durch FCC-Vorgabe
Amazon steht unter hohem Zeitdruck: Die US-Telekommunikationsbehörde FCC verlangt, dass bis Juli 2026 mindestens 1.600 der geplanten über 3.000 Kuiper-Satelliten im Orbit sind. Um diesen Meilenstein zu erreichen, hat Amazon insgesamt bis zu 83 Raketenstarts gebucht – darunter auch drei mit SpaceX. Eine Zusammenarbeit mit dem direkten Konkurrenten erscheint strategisch geboten, um die eigene Präsenz im Satelliteninternetmarkt rechtzeitig auszubauen.
Amazon unaufhaltsam
Milliardenprojekt mit hohen Kosten
Kuiper zählt zu den ambitioniertesten Projekten des Konzerns. Über 10 Milliarden Euro hat Amazon bereits eingeplant, langfristig könnten es laut Analysten der Bank of America sogar rund 21 Milliarden Euro werden. Nicht eingerechnet sind dabei die Endgeräte für Endkunden. Die Experten gehen davon aus, dass allein die Produktionskosten der Satelliten bis Ende 2025 bei über 1 Milliarde Euro liegen werden. Pro Raketenstart rechnet Amazon demnach mit rund 138 Millionen Euro.
Ziel ist ein Markt, der bis 2030 auf ein Volumen von mindestens 37 Milliarden Euro anwachsen könnte. Sollte Amazon 30 Prozent davon erreichen, wären laut Prognosen bis 2032 rund 6,6 Milliarden Euro Umsatz jährlich möglich. Angesichts des rasanten Wachstums von Starlink könnte dieses Szenario jedoch konservativ geschätzt sein.


