Alibaba richtet seine langfristige Technologiestrategie stärker auf eine vollständig integrierte KI-Infrastruktur aus. Auf der Apsara Conference 2026 stellte Konzernchef Eddie Wu einen Fahrplan vor, der eigene KI-Modelle, Chips und Cloud-Infrastruktur enger miteinander verzahnen soll. Das Unternehmen spricht dabei von einer kommenden Ära der „Machine Intelligence“, in der maschinell erzeugte Rechen- und Denkfähigkeit in großem Maßstab verfügbar werden soll.
Für Alibaba ist KI damit nicht allein ein Softwarethema. Der Konzern will zentrale Teile des Technologie-Stacks selbst kontrollieren und sowohl Grundlagenmodelle als auch Rechenhardware und Cloud-Kapazitäten weiter ausbauen.
Qwen soll in Richtung größerer und autonomerer Modelle wachsen
Bei den KI-Modellen konzentriert sich Alibaba auf Qwen und die Weiterentwicklung langfristig autonom arbeitender Systeme. Das Unternehmen untersucht nach eigenen Angaben Verfahren zur rekursiven Selbstverbesserung, bei denen Modelle eigene Schwächen erkennen, Experimente entwickeln und ihre Leistung auf Basis neuer Daten weiterentwickeln sollen.
Geplant ist zudem ein neues Modell mit einer Größenordnung von fünf bis zehn Billionen Parametern. Ziel seien komplexere Aufgaben mit längeren Zeithorizonten. Parallel will Alibaba multimodale Fähigkeiten ausbauen, damit Modelle Sprache, Bilder und weitere Formen menschlicher Kommunikation stärker gemeinsam verarbeiten können.
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Neuer Zhenwu V900 soll KI-Rechenleistung steigern
Die zweite Säule bildet die eigene Chipentwicklung über T-Head. Alibaba baut ein Portfolio für Rechenzentren auf, das unter anderem GPUs der Zhenwu-Reihe, Yitian-CPUs, Panmai-Netzwerkchips und weitere Komponenten für große KI-Cluster umfasst.
Auf der Konferenz kündigte das Unternehmen den Zhenwu V900 an. Der neue KI-Chip soll nach Alibaba-Angaben dreimal so leistungsfähig sein wie der Vorgänger M890. Cluster auf Basis des V900 sollen sich auf bis zu 500.000 Beschleuniger skalieren lassen und sowohl Training als auch Inferenz großer Modelle unterstützen.
Alibaba Cloud soll bis 2032 mehr als 20 Gigawatt erreichen
Besonders ambitioniert fällt der Ausbau der Cloud-Infrastruktur aus. Alibaba plant, die weltweit betriebene Rechenzentrumskapazität von Alibaba Cloud bis 2032 auf mehr als 20 Gigawatt zu erhöhen. Damit will der Konzern auf die steigende Nachfrage nach KI-Rechenleistung reagieren.
Nach Unternehmensangaben wächst die Nachfrage bereits schneller als das verfügbare Angebot. Engpässe entlang der Lieferketten für KI-Rechenzentren begrenzen derzeit den Ausbau, weshalb Alibaba gemeinsam mit Partnern zusätzliche Infrastruktur aufbauen will.
KI soll stärker auf PCs und Smartphones wandern
Neben Rechenzentren richtet Alibaba den Blick auf lokale KI-Anwendungen. Das Open-Source-Modell Qwen-27B soll Entwicklern und Unternehmen leistungsfähige lokale Nutzung ermöglichen und damit Aufgaben direkt auf Arbeitsplatzrechnern unterstützen.
Für mobile Geräte kündigte Alibaba zudem „Qwen Intelligence“ an. Die Lösung soll Partner dabei unterstützen, komplexere KI-Funktionen direkt auf Smartphones und anderen mobilen Geräten bereitzustellen und dort nicht nur Antworten, sondern auch mehrstufige Aufgaben auszuführen.
Alibaba setzt auf Kontrolle über den gesamten KI-Stack
Die Strategie zeigt, dass Alibaba im KI-Wettbewerb stärker auf vertikale Integration setzt. Modelle, Chips, Netzwerke, Server und Cloud-Dienste sollen gemeinsam optimiert werden, um mehr Rechenleistung bei niedrigeren Kosten bereitzustellen.
Damit positioniert sich der Konzern nicht nur als Anbieter von KI-Modellen, sondern als Infrastrukturunternehmen für die gesamte Wertschöpfungskette. Ob die angekündigten Ausbauziele erreicht werden, hängt jedoch unter anderem von verfügbaren Chips, Rechenzentrumskapazitäten und der weiteren Entwicklung der weltweiten Nachfrage ab.






