Der Black Friday ist längst mehr als ein einzelner Aktionstag. Gemeinsam mit der Cyber Week bildet er den Höhepunkt der Rabattsaison – und für viele Konsumenten einen festen Termin im Einkaufsjahr. Wie eine repräsentative Bitkom-Umfrage unter 1.120 Internetnutzern zeigt, planen 52 Prozent der Befragten in diesem Jahr, von den Angeboten Gebrauch zu machen – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Online schlägt stationär
Mehrheitlich wird online eingekauft: 69 Prozent der Befragten wollen ausschließlich im Internet auf Schnäppchenjagd gehen, 26 Prozent kombinieren Onlineshopping mit dem stationären Handel. Nur 4 Prozent bleiben ausschließlich dem Ladengeschäft treu. Durchschnittlich wollen die Käufer in diesem Jahr 312 Euro ausgeben – rund 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Männer planen mit 363 Euro deutlich höhere Ausgaben als Frauen mit 251 Euro.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Wunsch, Bedarf oder Impuls?
Beim Einkaufsverhalten zeigen sich differenzierte Typen: 45 Prozent bezeichnen sich als „Wunscherfüller“, die sich gezielt etwas gönnen. Ebenso viele zählen sich zu den „Kopf-Käufern“, die gezielt Alltagsartikel oder größere Anschaffungen im Angebot suchen. 28 Prozent sehen sich als spontane „Impulskäufer“, 22 Prozent als „Schnäppchenjäger“, die gezielt auf den besten Deal aus sind. Für ein Drittel stehen Geschenke für Freunde und Familie im Mittelpunkt der Shoppingtour.
Online-Shopping ist Alltag
Auch abseits großer Rabattaktionen ist das Internet als Einkaufsort etabliert. 96 Prozent der Befragten haben im letzten Jahr online eingekauft. Ein Drittel (36 Prozent) shoppt mindestens einmal pro Woche im Netz, einige sogar täglich. Am häufigsten kommen das Smartphone (73 Prozent) und das Notebook (52 Prozent) zum Einsatz. Die beliebtesten Warengruppen: Kleidung (68 Prozent), Bücher & Medien (50 Prozent), Beautyprodukte (48 Prozent) sowie Elektronik (47 Prozent).
Plattformen dominieren, China polarisiert
92 Prozent kaufen regelmäßig über Plattformen wie Amazon, Zalando oder Otto ein. Second-Hand-Plattformen wie Vinted oder eBay nutzen 36 Prozent. Bemerkenswert: 23 Prozent shoppen regelmäßig bei Billigplattformen wie Temu oder Shein. Allerdings ist deren Herkunft für viele ein Thema – 63 Prozent meiden gezielt Shops aus bestimmten Ländern, besonders China, Indien oder Taiwan. 47 Prozent geben an, chinesische Plattformen zu meiden. Gleichzeitig haben 51 Prozent dort schon bestellt – Neugier und niedrige Preise waren oft der Auslöser.
Zwischen Reue und Regulierung
Doch der Einkauf bei chinesischen Billigshops ist nicht frei von Konflikten. 30 Prozent gaben an, Produkte bestellt zu haben, die sie eigentlich nicht brauchen. Ein ebenso großer Anteil empfindet beim Einkauf ein schlechtes Gewissen. Rund ein Drittel sorgt sich um Datenschutz, viele empfinden das Design der Plattformen als überfordernd. 45 Prozent wünschen sich stärkere Regulierung von außereuropäischen Billigshops.
Vertrauen und Prioritäten im Online-Handel
Vertrauen in den Online-Handel ist grundsätzlich hoch: 62 Prozent glauben, dass Händler sorgsam mit ihren Daten umgehen, 56 Prozent würden persönliche Informationen für Rabatte preisgeben. Entscheidend für die Shopwahl sind jedoch nicht nur der Preis, sondern vor allem Zahlungsoptionen (54 Prozent), Versand & Lieferung (53 Prozent) sowie Sicherheitsaspekte (51 Prozent). Regionalität oder Nachhaltigkeit spielen für weniger als ein Viertel eine Rolle.
KI als Shopping-Assistent: Zukunftsvision oder Realität?
Mit der wachsenden Verbreitung Künstlicher Intelligenz wandelt sich auch das Einkaufsverhalten. 21 Prozent der Befragten könnten sich vorstellen, einer KI das Einkaufen zu überlassen – bei den 16- bis 29-Jährigen sind es sogar 43 Prozent. Viele wünschen sich Funktionen wie automatisierte Nachbestellungen, personalisierte Produktsuche oder KI-gestützte Preisvergleiche.
Junge Zielgruppen sind aufgeschlossen
Jüngere Nutzer zeigen sich besonders offen für KI-basierte Einkaufslösungen. 36 Prozent würden einer KI sagen, was sie brauchen – diese würde dann passende Angebote suchen. Ein Drittel erwartet durch KI eine bessere Beratung, jeder Vierte sieht darin künftig mehr Nutzen als im Gespräch mit echten Verkäufern. Ein weiteres Drittel nutzt bereits heute KI-Chatbots bei der Produktsuche.
Gefahren und Erwartungen
Trotz der Offenheit gibt es auch Bedenken: 66 Prozent erwarten künftig eine Flut gefälschter Produktbewertungen durch KI. 54 Prozent gehen davon aus, dass Werbung vollständig KI-generiert sein wird. Wer vom KI-Einsatz am meisten profitiert, ist unklar – ein Drittel sieht Vorteile für den Handel, nur 8 Prozent glauben, dass vor allem die Kundschaft profitiert.


