Der Wettbewerb im globalen Essensliefergeschäft spitzt sich weiter zu. Der US-Konzern Uber hat ein Übernahmeangebot für Delivery Hero bestätigt und erhöht damit den Druck auf die europäische Plattformbranche. Während das Berliner Lieferdienstunternehmen Delivery Hero offiziell an seiner strategischen Prüfung festhält, verdichten sich die Hinweise auf einen umfassenden Umbau des Marktes.
Übernahmeangebot mit Fragezeichen
Nachdem Bloomberg bereits am Freitag berichtete, hat Delivery Hero am Samstag bestätigt, ein Angebot von Uber über 33 Euro je Aktie erhalten zu haben. Damit würde das Berliner Unternehmen mit rund 9 Milliarden Euro bewertet.
Der angebotene Preis liegt leicht unter dem jüngsten Börsenkurs, was Zweifel an der Attraktivität der Offerte aufwirft und auf mögliche Verhandlungstaktik hindeutet.
Bereits zuvor hatte Uber seinen Anteil an Delivery Hero deutlich ausgebaut – von rund sieben auf etwa 19,5 Prozent – und ist damit zum größten Einzelaktionär aufgestiegen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Konsolidierung im Liefermarkt
Die Annäherung erfolgt in einer Phase steigenden Margendrucks. Höhere Finanzierungskosten, intensiver Wettbewerb und regulatorische Eingriffe setzen die Branche zunehmend unter Druck.
Für Uber wäre eine Übernahme ein strategischer Schritt, um seine Position in Europa, dem Nahen Osten, Asien und Lateinamerika deutlich auszubauen. Delivery Hero verfügt über starke Marktpositionen in zahlreichen Schwellenländern sowie über eigene Quick-Commerce-Strukturen.
Analysten sehen die mögliche Transaktion daher vor allem als Teil einer globalen Konsolidierung, bei der sich der Markt auf wenige große Plattformen konzentrieren könnte.
Führungswechsel erhöht Dynamik
Zusätzlichen Druck erzeugt der angekündigte Rückzug von CEO Niklas Östberg. Der Mitgründer hatte zuletzt seinen Abschied angekündigt, nachdem Investoren eine strategische Neuausrichtung gefordert hatten.
Hintergrund sind Berichten nach anhaltende Zweifel an Profitabilität und Kapitalallokation. Trotz hoher Umsätze kämpft Delivery Hero seit Jahren mit Verlusten und schwankenden Bewertungen.
Vor diesem Hintergrund könnte Uber versuchen, die aktuelle Unsicherheit für einen vergleichsweise günstigen Einstieg zu nutzen.
Regulatorische Hürden bleiben hoch
Ob es tatsächlich zu einer Übernahme kommt, ist offen. Kartellbehörden dürften ein mögliches Zusammengehen genau prüfen, da beide Unternehmen in vielen Märkten aktiv sind.
Besonders in Europa und Teilen Asiens könnten Wettbewerbshüter strenge Auflagen verhängen. Zudem hält Delivery Hero Beteiligungen an lokalen Plattformen, was eine Integration zusätzlich erschwert.
Zurückhaltende Reaktion am Markt
Die Finanzmärkte reagierten bislang verhalten. Investoren zeigen sich skeptisch, ob sich eine milliardenschwere Übernahme im weiterhin margenschwachen Liefergeschäft kurzfristig auszahlen würde.
Delivery Hero betont, den laufenden strategischen Prüfprozess fortzusetzen und äußerte sich nicht detailliert zum Angebot.
Damit bleibt unklar, ob es sich um den Auftakt konkreter Verhandlungen handelt – oder um einen taktischen Vorstoß von Uber, um seinen Einfluss auf einen der größten europäischen Lieferdienste auszubauen.




