Brettspiele haben sich längst von ihrem Kinderzimmer-Image gelöst. Seit März 2025 zählen sie offiziell zum „Immateriellen Kulturerbe“ Deutschlands – und das Interesse daran ist größer denn je. Eine aktuelle YouGov-Analyse zeigt, dass Brettspiele in der Gunst der Deutschen inzwischen mit Videospielen gleichauf liegen. Rund 23 Prozent der Befragten geben an, sich für Gesellschaftsspiele zu interessieren – exakt derselbe Wert wie bei Videospielen.
Auffällig ist dabei, dass das klassische Bild der Familie als Hauptzielgruppe nicht mehr gilt. Rund 60 Prozent der sogenannten „Brettspieler“ leben laut YouGov Profiles in Ein- bis Zweipersonenhaushalten – also überwiegend kinderlos. Gerade in dieser Gruppe wächst auch die Markenbekanntheit und Kaufbereitschaft: Die sogenannte Consideration für Brettspielmarken stieg in den letzten fünf Jahren von 25 auf 28 Prozent. In der Gesamtbevölkerung hingegen sank dieser Wert leicht – von 28 auf 27 Prozent.
Der Trend zum Spiel: Kultur, Haptik, Gemeinschaft
Die Beliebtheit von Brettspielen hat verschiedene Gründe: Nostalgie, die taktile Erfahrung von Spielmaterialien oder das persönliche Miteinander. Viele Spieler sehen in Gesellschaftsspielen eine kulturelle Bereicherung. So geben 30 Prozent der „Brettspieler“ an, in ihrer Freizeit kulturelle Impulse zu suchen – deutlich mehr als unter den „Videospielern“ (21 Prozent) und der Gesamtbevölkerung (24 Prozent).
Auch soziale Interaktion steht bei Brettspielern im Vordergrund. 54 Prozent nutzen ihre Freizeit laut Umfrage dafür, mit anderen in Kontakt zu treten. Damit liegen sie vor den Videospielern (50 Prozent) und deutlich vor dem Bevölkerungsschnitt (44 Prozent). Darüber hinaus legen sie mehr Wert auf Kreativität, Selbstentfaltung und sogar Fitness. Jeder Dritte bis Vierte sieht im Brettspiel eine Gelegenheit, Körper und Geist in Einklang zu bringen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Pandemie als Treiber, Perspektive als Chance
Besonders die Corona-Zeit hat dem Brettspiel-Boom Rückenwind verliehen. Zwischen 2020 und Frühjahr 2024 stieg die Consideration bei kinderlosen Haushalten kontinuierlich an. Marken im Bereich Gesellschaftsspiel profitieren offenbar von einem langfristigen Wertewandel: Spiele werden nicht mehr nur konsumiert, sondern bewusst als Teil kultureller Identität gewählt.
Die Herausforderung für Marken liegt nun darin, diese neue Zielgruppe langfristig zu binden. Analoge Spiele sind kein Gegenentwurf zu digitalen, sondern eine bewusste Ergänzung im Freizeitverhalten vieler Erwachsener.


