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Temu, Shein und Co: EU-Zollreform gefährdet chinesisches Erfolgsmodell

App Icons von Temu Shein und AliExpress auf einem Smartphone
Foto: Depositphotos

Key takeaways

➟ Neue Zollabgaben verändern die Spielregeln im europäischen E-Commerce. Chinesische Plattformen müssen ihre Lieferketten anpassen, während Händler mit vorhandenen EU-Lagern von den veränderten Wettbewerbsbedingungen profitieren könnten.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Chinesische Onlinehändler dominieren den grenzüberschreitenden E-Commerce der Europäischen Union. Laut einer Analyse von ECDB entfielen 2025 rund 90,2 Prozent der europäischen Onlineausgaben bei Händlern außerhalb der EU auf Anbieter aus China. Besonders Temu, Shein und AliExpress profitieren von günstigen Preisen, großen Sortimenten und dem direkten Warenversand nach Europa.

Insgesamt gaben Verbraucher aus den 27 EU-Mitgliedstaaten 55,1 Milliarden Euro bei außereuropäischen Onlineshops aus. Davon flossen rechnerisch knapp 49,7 Milliarden Euro an chinesische Anbieter. Neue Zollbestimmungen könnten diese Marktverhältnisse jedoch verändern.

Chinesische Plattformen dominieren den Drittlandhandel

Die Zahlen verdeutlichen die außergewöhnliche Marktstellung chinesischer E-Commerce-Unternehmen. Während China mehr als neun Zehntel der untersuchten Ausgaben auf sich vereint, teilen sich sämtliche anderen Nicht-EU-Staaten die verbleibenden 9,8 Prozent. Dazu gehören unter anderem die USA, Großbritannien, Kanada, die Schweiz und die Türkei.

Der Erfolg chinesischer Plattformen beruht wesentlich auf niedrigen Verkaufspreisen, intensiver Werbung und einer großen Produktauswahl. Durch den direkten Zugang zu Herstellern können Temu, Shein und AliExpress zahlreiche Artikel günstiger anbieten als traditionelle Handelsunternehmen.

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Warum US-Händler in der Statistik zurückfallen

Der geringe Anteil amerikanischer Unternehmen hängt auch mit der statistischen Erfassung zusammen. Große US-Konzerne betreiben häufig eigene Verkaufsplattformen und Logistikstrukturen innerhalb der EU. Bestellungen deutscher Verbraucher über Amazon.de werden deshalb beispielsweise dem inländischen Onlinehandel zugerechnet.

Chinesische Anbieter wickeln dagegen viele Bestellungen direkt aus Drittstaaten ab. Diese Umsätze erscheinen entsprechend in der grenzüberschreitenden Statistik. Die Zahlen belegen somit nicht, dass amerikanische Handelsunternehmen in Europa grundsätzlich eine geringe wirtschaftliche Bedeutung besitzen.

Neue Zollabgaben verteuern günstige Direktimporte

Das chinesische Geschäftsmodell gerät durch veränderte europäische Zollvorschriften unter Druck. Seit Juli 2026 gilt für bislang zollbefreite Kleinsendungen unter 150 Euro eine pauschale Abgabe von drei Euro je Artikel.

Besonders bei preiswerten Produkten fällt diese Belastung ins Gewicht. Bei einem Artikel für fünf Euro entsprechen drei Euro zusätzlichen Kosten einem Aufschlag von 60 Prozent. Bei einem Produkt für 100 Euro beträgt die relative Mehrbelastung dagegen lediglich drei Prozent.

Für Plattformen, die täglich große Mengen günstiger Einzelartikel nach Europa versenden, entstehen dadurch neue Kalkulationsrisiken. Sie müssen zusätzliche Kosten entweder selbst tragen, an Kunden weitergeben oder ihre Lieferstrukturen anpassen.

Europäische Warenlager gewinnen an Bedeutung

Etablierte amerikanische Händler verfügen vielfach bereits über Lagerhäuser, Versandzentren und Kundenservice innerhalb der EU. Ihre Waren befinden sich häufig schon vor dem Verkauf im Binnenmarkt. Dadurch sind sie weniger unmittelbar von den neuen Abgaben auf einzelne Direktimporte betroffen.

Auch Temu, Shein und AliExpress investieren zunehmend in europäische Logistikstrukturen. Regionale Warenlager können Lieferzeiten verkürzen und die Abhängigkeit vom internationalen Einzelpaketversand verringern. Gleichzeitig verursachen sie zusätzliche Kosten für Infrastruktur, Personal und Warenbestände.

Damit könnte ein wesentlicher Preisvorteil chinesischer Anbieter langfristig schrumpfen. Neben den Zolländerungen erhöhen weitere europäische Regulierungsvorgaben den Anpassungsdruck auf internationale Handelsplattformen.

Chinas Marktführerschaft steht vor einer Bewährungsprobe

Die ECDB-Zahlen für 2025 zeigen die enorme Bedeutung chinesischer Plattformen im europäischen Drittlandhandel. Allerdings spiegeln sie noch die bisherigen Rahmenbedingungen wider, unter denen der Direktversand günstiger Waren besonders attraktiv war.

Ob China seine dominierende Stellung behaupten kann, hängt nun wesentlich von der Anpassungsfähigkeit der Unternehmen ab. Lokale Logistik, effizientere Lieferketten und neue Preisstrategien dürften dabei eine zentrale Rolle spielen.

Für europäische und amerikanische Händler könnten sich zusätzliche Wettbewerbschancen ergeben. Ein grundlegender Machtwechsel ist aus den bisherigen Zahlen allerdings nicht abzuleiten. Erst kommende Marktauswertungen werden zeigen, wie stark die Zolländerungen das Einkaufsverhalten und die Marktanteile tatsächlich beeinflussen.

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